Wie Bremer Betriebsärzte und Impfzentren bei Corona zusammenarbeiten

Audio vom 7. Juni 2021
Impressionen aus dem Impfzentrum
Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg
Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Heute steigen Bremens Betriebsärzte in die Impfkampagne ein. Doch mangels Impfstoff sind nicht einmal die Impfzentren ausgelastet. Daher nutzen Betriebsärzte die Zentren mit.

Nur wenige Wochen ist es her, da wollten Deutschlands Arbeitsmediziner und -medizinerinnen in die Impfkampagne des Bundes einbezogen werden, um das Prozedere zu beschleunigen. Fünf Millionen Beschäftige innerhalb eines Monats könnten die rund 12.000 Betriebsärzte Deutschlands ohne weiteres impfen, hatte Wolfgang Panter, Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, im März angekündigt. Damals war er davon ausgegangen, dass der Mangel an Impfstoffen bald behoben wäre.

Doch damit hat sich Panter geirrt. Der Impfstoff ist weiterhin knapp. Dennoch steigen heute nach den Impfzentren und den niedergelassenen Ärzten auch Privat- und Betriebsärzte ins Corona-Impfgeschehen ein. Statt die Kampagne ernsthaft beschleunigen zu können, machen die Arbeitsmediziner ihren niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen damit aber zumindest vorläufig sogar unfreiwillig Konkurrenz.

"Die Wartelisten in den Praxen sind ellenlang", sagt Christoph Fox, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen. Der Frust bei den Ärztinnen und Ärzten und ihren medizinischen Fachangestellten wachse von Woche zu Woche. Umso mehr, als viele Patientinnen und Patienten ihren Unmut über die langen Wartezeiten oft genug am Praxispersonal ausließen. "Das ist einfach nur unschön", so Fox.

"Eingetreten sind die Prognosen nie"

Die Schuld an diesen Zuständen trägt in seinen Augen vor allem die Bundesregierung. Denn immer wieder habe das Bundesgesundheitsministerium in den vergangenen Wochen angekündigt, dass es bald mehr Impfdosen für alle geben werden. "Aber eingetreten sind diese Prognosen nie", sagt Fox. Dass von den ohnehin viel zu geringen Mengen an Impfdosen für die niedergelassenen Ärzte nun auch noch etwas für Betriebsärzte abgezwackt werde, sei zumindest unglücklich, findet er, betont aber auch, dass die Arbeitsmedizinerinnen und -mediziner nichts dafür könnten.

Während wenige Konzerne wie Daimler eigene Betriebsärzte angestellt haben, beschäftigen mittelgroße Unternehmen üblicherweise externe Betriebsärztinnen und Betriebsärzte, etwa über das Betriebsarztzentrum Bremen (BAZ). Derzeit zählten rund 300 Unternehmen mit zusammen rund 35.000 Beschäftigten aus Bremen und Bremerhaven zu den Mitgliedsfirmen des BAZ, sagt Geschäftsführer Alexander Dyx.

Kooperation mit den Impfzentren

Ein Mann geleitet eine ältere Frau mitRollator ins Bremer Impfzentrum
Die Infrastruktur in den Bremer Impfzentren ist aus Sicht von BAZ-Geschäftsführer Alexander Dyx "absolut überragend". Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Um kurzfristig eine für alle befriedigende Lösung beim Impfen zu finden, die auch den Mangel an Impfstoffen berücksichtige, habe sich das BAZ vor einigen Wochen an das Gesundheitsressort gewandt und eine Kooperation mit den Impfzentren Bremens verabredet. Das Konzept, das nun tatsächlich umgesetzt wird, sieht so aus: Das BAZ bestellt den Impfstoff für die Beschäftigten seiner Mitgliedsunternehmen und lässt diesen direkt ans Impfzentrum liefern. Wenn der Impfstoff eingetroffen ist, erhalten die Beschäftigten ihre Codes und können in den vereinbarten Zeitfenstern Termine für die Impfung durch ihre Betriebsärztinnen und Betriebsärzte in den Impfzentren ausmachen.

Statt die für Corona-Impfungen komplizierte Infrastruktur in jedem einzelnen Unternehmen extra aufzubauen, nutzt das BAZ somit die in den Impfzentren vorgehaltene, aber mangels Impfstoffen nicht ausgelastete Infrastruktur mit. „Das wird hervorragend angenommen und von allen Seiten gelobt“, beteuert Dyx. Nur auf diese Weise werde es den Betriebsärztinnen und Betriebsärzten des BAZ ab dem 10. Juni möglich sein, innerhalb von vier Tagen über 2.200 Beschäftigte seiner Mitgliedsfirmen in Bremen und Bremerhaven zu impfen.

Wieso Corona-Impfungen in Firmen schwierig sind

Kirsten Neuhof-Effenberger, Fachärztin für Arbeitsmedizin und Innere Medizin am BAZ, erklärt, worin aus ihrer Sicht der besondere Clou in der Kooperation zwischen Betriebsärzten und Impfzentren in der jetzigen Phase der Impfkampagne liegt: "Der Aufwand der Corona-Impfungen ist gewaltig. Auch dann, wenn man nur wenige Impfdosen verabreichen kann, braucht man viel Platz und Personal."

Es müsse ebenso Raum für den Wartebereich zur Verfügung stehen wie für die Impfung und für die anschließende Ruhephase. Jemand, der fit am Computer sei, müsse die Dokumentation sicherstellen. Medizinisches Personal sei vonnöten, um einzuspringen, falls doch einmal ein Impfling Kreislaufprobleme bekomme. Auch die fachgerechte Kühlung der Impfstoffe, die zudem nicht geschüttelt werden dürften, wäre in vielen Unternehmen schwierig, glaubt sie. Hinzu komme, dass jede Spritze einzeln aufgezogen werden müsse.

"Das ist für sich betrachtet schon kompliziert. Aber wenn man dann noch nicht einmal weiß, wann wie viele Impfdosen kommen werden, wird es noch schwieriger", fasst die Ärztin zusammen. Umso glücklicher sei sie über die Kooperation mit den Impfzentren. Neuhof-Effenberger kann sich vorstellen, dass das Beispiel Schule machen wird. Und zwar unabhängig von der Frage, wie viel Impfstoff Bremen in den kommenden Wochen erhalten wird.

So laufen die Vorbereitungen für das Impfen in Bremer Betrieben

Video vom 2. Juni 2021
Das SWB-Logo in großen roten Buchstaben aufgestellt vor dem Firmengebäude.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Juni 2021, 19.30 Uhr