Kommentar

Paketzustellung für Fortgeschrittene

Immer mehr Menschen gehen zum Einkaufen immer seltener vor die Tür. Das Internet macht's möglich. Trotzdem sind immer mehr Menschen immer dann nicht zu Hause, wenn die bestellten Pakete geliefert werden. Dabei könnte alles so einfach sein. Ein Kommentar von Marcus Behrens.

Eine Person steht vor einer dunklen und beschmierten Packstation.
Bild: DPA | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

DHL bietet immer neue Optionen an, um an die Pakete zu kommen, die man erwartet. Leider ist offenbar keine davon zu Ende gedacht: Nehmen wir die Packstation: Eine großartige Idee, wenn es genug von ihnen gäbe, wenn sie nicht ständig voll oder kaputt wären oder das Paket, was man erwartet, zu groß für die Fächer ist. Dann landet die Sendung nämlich doch in einer Postfiliale – oft weit von der Packstation selbst entfernt – und natürlich nicht rund um die Uhr zugänglich.

In einer idealen Welt sollte das Erhalten eines Päckchens oder eines Pakets beim Empfänger nicht für Ärger, Sorgen, Umwege, Zeitaufwand, Verlustangst und sonstigen Unsinnigkeiten führen. Schließlich kosten der Transport und die Zustellung eines Päckchens oder Pakets etwas. Und wenn man für etwas bezahlt, kann man auch eine entsprechende Gegenleistung erwarten, finde ich. Längst aber fehlt der Überblick: Wer transportiert meine Bestellung – und wo kann ich diese gegebenenfalls abholen, wenn ich nicht zu Hause bin?

Jeder Transportdienstleister hat da sein eigenes System. Oftmals ist bei der Bestellung eines Artikels im Internet aber gar nicht klar, wer den Transport übernimmt. Und leider liefert nur DHL auch an eine Packstation – theoretisch zumindest. Wenn es denn klappt.

Die unzähligen Varianten der Paketzustellung

Statt sich auf einen sinnvollen Ausbau des Packstations-Netzes zu konzentrieren, bietet DHL inzwischen eine ganze Reihe von anderen Paket-Zustelloptionen an, aus denen sich jeder Kunde im Internet eine für sich passende Lösung aussuchen kann – so werden Pakete auch an zuvor benannte Nachbarn geliefert oder an einem festgelegten Lieblingsort abgelegt. Aber wer haftet, wenn das angeblich zugestellte Paket dort nicht mehr liegt, wenn man nach Hause kommt? Oder wenn es zu groß ist oder nass geworden ist, oder… die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos.

Am besten, man ist immer zu Hause. Aber selbst dann schaffen es die Paketzusteller – und damit ist bei Weitem nicht nur DHL gemeint – mich angeblich nicht anzutreffen. Kein Klingeln, kein Klopfen – und schon liegt eine Karte im Briefkasten, auf der steht, dass man nicht zu Hause war und die Sendung in einer Packstation oder einer Postfiliale oder sonstwo abholen kann. Oder die Sendung wird in die Altpapiertonne gelegt, die zufällig neben der Haustür steht – die aber dummerweise geleert wurde, bevor man selbst wieder zu Hause ist. Fazit: Paket ist weg.

Die Zahl der transportierten Päckchen und Pakete wird weiter zunehmen, ebenso die Zahl der nicht zustellbaren Sendungen. In einer idealen Welt gäbe es ein dichtes Netz von Packstationen an hoch frequentierten und gut ausgeleuchteten Orten, die von allen Zustelldiensten – und deren Kunden –genutzt werden könnten. Aber wir leben nicht in einer idealen Welt.

  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Dezember 2017, 19:30 Uhr