Kommentar

Es braucht keine Sterne für himmlisches Essen

Alle Jahre wieder… werden vom französischen Michelin-Konzern den Köchen Sterne verliehen, die aus Sicht der Tester besonders exzellentes Essen in Restaurant-Küchen zaubern. Seit Jahren schon geht Bremen leer aus. Früher war das mal anders, inzwischen gibt es nicht einmal mehr lobende Erwähnungen. Das ist nicht schlimm, denn der Hype um die Sterne war von Beginn an nur eine Werbeaktion.

Lachs-Tatar auf einem Teller
Lachstatar kann auch sehr lecker sein, wenn kein Sterne-Koch es zubereitet hat. Bild: DPA | digifoodstock/CTK

Natürlich kann ich jede Köchin und jeden Koch verstehen, die – oder der – sich nichts sehnlicher wünscht, als mit einem – oder gar mehreren – Sternen in diesem Verzeichnis erwähnt zu werden. Sterne bringen Köchen neben Werbung auch Ruhm und vor allem Gäste – die, die es sich leisten können und die dann auch mit entsprechenden Erwartungen zum Teil von weit her anreisen. Eine überschaubare Welt für sich, die nicht zuletzt die ausgezeichneten Köche unter Druck setzt.

Da aber eine vergleichsweise kleine Gruppe auserwählter Tester sich Jahr für Jahr aufmacht, neue sternewürdige Etablissements ausfindig zu machen und bereits mit Sternen gesegnete Restaurants daraufhin zu überprüfen, ob sie auch weiterhin diese Auszeichnung verdient haben, stellt sich mir doch die Frage: Welche Relevanz hat diese Bewertung wirklich?

In Deutschland hatte Essen noch nie die Bedeutung, wie zum Beispiel in Frankreich. Auswahl auf Märkten und in Supermärkten sind entsprechend übersichtlich gehalten. Kein Wunder, dass man in einem x-beliebigen Vorortsupermarkt von Paris ein größeres Fisch-Angebot findet, als es jemals in Bremerhaven zu finden sein wird.

Die Deutschen geben nicht so gerne Geld fürs Essen aus. Essen ist nicht so wichtig. Ein Besuch in einem Sterne-Restaurant ist für viele Bürgerinnen und Bürger so unvorstellbar, wie die Auszeichnung mit einem Stern für viele Köche unerreichbar ist.

In Zeiten, in denen eine Handvoll Sterneköche in Fernsehshows verheizt wird und sowieso jeder in den sozialen Netzwerken seinen Senf zu allem dazu gibt, was ihm schmeckt oder nicht schmeckt, ist der Guide Michelin ein liebenswerter Anachronismus, aber eben nicht mehr zeitgemäß. Und das kommt nicht zuletzt den vielen kreativen Köchinnen und Köchen zugute, die sich leckere und neue Dinge ausdenken – ohne Druck und für alle, die sich beim Essen gerne auch mal überraschen lassen. Auch in Bremen und Bremerhaven. Da bin ich mir sicher.

  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 16. November 2017, 23:20 Uhr