Kommentar

Bremens Politik vergisst mal wieder die junge Generation

Silhouetten von jungen Menschen vor untergehender Sonne (Symbolbild)
Bild: Imago | Stella Pictures
Bild: Imago | Stella Pictures

Corona stellt alle vor Herausforderungen. Vor allem die junge Generation leidet und wird von der Bremer Politik im Stich gelassen, findet unser Redakteur René Möller.

Anders als in Niedersachsen macht der Bremer Senat die Clubs für die jungen Menschen noch nicht wieder auf. Das kann ich in Teilen sogar nachvollziehen. Erstmal muss abgewartet werden, wie sich die Infektionszahlen und vor allem die Delta-Variante hier entwickeln. Was mich aber langsam wirklich richtig ärgert, ist die Ignoranz, mit der die Politik die junge Generation behandelt. Denn wo Clubs geschlossen bleiben, wären Alternativen dringend erforderlich. Aber die muss man in Bremen mit der Lupe suchen.

Denn die Generation der unter 20-Jährigen hat in Bremen im Moment wirklich gar nichts zu lachen. Treffen sie sich abends am Sielwall oder am Osterdeich im Bremer Viertel, sind sie "zu laut", "zu viele" und "zu betrunken". Doch wo sollen die vielen jungen Menschen eigentlich im Moment hin, wenn ihnen zu Hause bei 30 Grad die Decke auf den Kopf fällt? Denn die Angebote, die der Bremer Senat mit vielen Steuergeldern finanziert, sind alle für die ältere Generation. Für Menschen wie mich, jenseits der 50.

Nichts für Jugendliche dabei

Ich kann mir auf dem Goetheplatz ein Musiktheaterstück ansehen. Kann im neu aufgebauten Metallgerüst auf dem Domshof Kunst und Kultur erleben. Und samstags kann ich mit einer neuen Straßenbahnline die 1.000 Meter von der Bürgerweide in die Innenstadt fahren. Die beiden zuletzt genannten Projekte haben übrigens jeweils eine halbe Million Euro Steuergeld gekostet.

Projekte für junge Menschen gibt es dagegen kaum. Vor allem nicht für diejenigen, die sich nicht für Kunst interessieren und die nicht studieren. Diese komplette Bevölkerungsgruppe ist derzeit in Bremen sich selbst überlassen. Das ist nicht nur ärgerlich, das ist auch richtig gefährlich. Denn diese Menschen lernen gerade fürs Leben: Sie machen die Erfahrung, dass sie den meisten egal sind, und dass sie stören.

"Ich will, dass das aufhört!"

Überall werden sie als "die jungen Leute, die alles vollmüllen" und "die, die sich nicht an die Regeln halten" bezeichnet. Auch bei uns in den Medien. Ich will, dass das aufhört! Wie wäre es, wenn der Senat eine mobile Skaterbahn mietet. Und die dann nicht prestigeträchtig auf dem Marktplatz aufbaut, sondern im Waller Park oder auf dem Sedanplatz in Vegesack. Kostet auch keine halbe Million. Toll wäre, wenn es in den Stadtteilen mal Abende gibt, an denen es einfach auch erlaubt ist, dass sich ein DJ sein Pult schnappt und seine Musik auflegt. Auch so etwas kann man kontrolliert und nach Regeln machen.

Es gibt Studien, die belegen, dass sich diese Generation sehr wohl an Regeln hält. Die Bertelsmann-Stiftung hat herausgefunden, dass gerade die jungen Menschen hinter den Corona-Maßnahmen stehen. Und das, obwohl sie die Situation mit am meisten belastet. Jugendliche brauchen keine weiteren Debatten über Schulthemen wie Maskenpflicht, Distanzunterricht und Luftfilter. Was sie brauchen, ist viel einfacher. Man muss sie nur anhören und ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Statt sie alle pauschal zu verteufeln.

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Autor

  • René Möller

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 29. Juni 2021, 8:46 Uhr