Kommentar

Städte müssen sich verändern… müssen sie?

Jetzt steht endgültig fest, dass die Zentrale der Sparkasse Bremen vom Brill verschwindet. Ein Käufer für das Gelände wurde gefunden. Was bedeutet das für die Altstadt? Immer wieder gab es große Pläne für die Neugestaltung der Bremer Innenstadt. Immer wieder wurden diese verworfen oder sind aus anderen Gründen gescheitert. Das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern, meint Marcus Behrens.

Blick über die fast leere Brill-Kreuzung in Bremen
Das Ende der Fußgängerzone ist traditionell auch das Ende der Innenstadt in Bremen.

"Die Sparkasse am Brill" – vier Worte, die seit meiner Kindheit zusammengehören, dabei bin ich nicht einmal Kunde dort. Ob es jemals "Die Sparkasse an der Universität" – oder "Die Sparkasse auf dem Campus" heißen wird, bleibt fraglich.

Viel fragwürdiger ist aber die geplante Zukunft des Geländes, von dem sich das Geldinstitut nun in ein paar Jahren verabschieden wird. "Wohnungen, Einzelhandel, Büros und Dienstleister" sollen einziehen – in das, was stehenbleibt und das, was rund um das unter Denkmalschutz stehende Eckhaus neu gebaut werden soll. Das steht offenbar bereits fest. Bürgerbeteiligung hin oder her.

Was für eine sensationelle Idee! So was haben wir ja lange nicht mehr gehört… oder doch? Gerade mal eine Woche ist es her, da gab es zu berichten, dass im Lloydhof – 200 Meter oder 2 Minuten zu Fuß von der Kassenhalle der Sparkasse entfernt – "Einzelhandel, Wohnungen, Gemeinschaftsbüros und Gastronomie" untergebracht werden sollen.

Das kommt also dabei raus, wenn die sogenannte Entwicklung der Bremer Innenstadt kommerziellen Investoren überlassen wird. Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass sich nichts ändern wird?! Vielleicht verlässt der eine oder andere Mieter seine bisherige Adresse in der Altstadt und versucht, am neuen Ort Fuß zu fassen. Das aber reißt an anderer Stelle eine Lücke ins Stadtbild. Neuer Leerstand entsteht.

Neue, andere oder überraschende Läden, Restaurants und Dienstleister – also etwas, was es in Bremen noch nicht gibt – werden ziemlich sicher nicht angelockt. Dafür ist der Markt viel zu gesättigt und das Immobilien- oder Standort-Angebot nicht einzigartig genug. Außerdem bestimmt ja die Nachfrage das Angebot, nicht die Hülle, in der es präsentiert wird. Wir können uns also darauf verlassen, dass alles so bleibt, wie es ist.

Dass Ende der Fußgängerzone ist ja traditionell auch das Ende des Einkaufsbummels der Bürgerinnen und Bürger in Bremen. Die Sparkasse war die Ausnahme. Ob es gelingt, die Menschen über den Brill zu locken, bleibt abzuwarten. An diesem Ziel sind in den zurückliegenden Jahrzehnten schon viele gescheitert – die entweder zurück in den Kern der Altstadt gezogen sind oder ganz aufgegeben haben.

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  • Marcus Behrens

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. November 2017, 19:30 Uhr