Kommentar

Tempo 30 allein wird nichts bringen

Unser Redakteur Milan Jaeger fährt meist Fahrrad. Dennoch sieht er Tempo 30 kritisch. Schließlich will er vor allem eines: Möglichst schnell an sein Ziel gelangen.

Ein Schild mit der Aufschrift "30 Zone".
30er-Zonen nerven Autofahrer und freuen alle anderen. Bild: DPA | Wolfram Steinberg

Ich höre die Autofahrer förmlich schon aufjaulen. Das Amt für Straßen und Verkehr hat angekündigt, dass in den nächsten Monaten 71 Tempo-30-Zonen in Bremen eingerichtet werden sollen. Zusätzlich, versteht sich, zu den 583, die es ohnehin schon gibt. Den Vorgesetzten der Behörde, Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne), wird das bei den Autofahrern nicht beliebter machen.

Jetzt ist es so, dass ich kein eigenes Auto besitze, obwohl ich ein Kind habe (ja das geht). Außerdem fahre ich viel Fahrrad, was dadurch begünstigt wird, dass ich in der Radler-Hochburg Viertel wohne, und mein Weg zu Arbeit daher auch mit dem Fahrrad relativ leicht zu bewältigen ist.

Vor Kitas vom Gas zu gehen sollte selbstverständlich sein

Als Fahrradfahrer finde ich es natürlich gut, wenn Autofahrer dazu gezwungen werden, ein bisschen vom Gas zu gehen. Zumal es hier um besondere Orte geht. Nämlich um Straßenabschnitte an denen Kitas, Schulen, Altenheime und Krankenhäuser liegen. An diesen Orten das Tempo zu drosseln, sollte eigentlich dem gesunden Menschenverstand entsprechen und selbstverständlich sein. Das sollte man jedenfalls meinen.

Und trotzdem. Wenn ich mir vorstelle, wie ich das nächste Mal in einem Auto sitze und, sagen wir, den Osterdeich oder die Schwachhauser Heerstraße entlang fahre, weiß ich jetzt schon, dass ich mich fürchterlich aufregen werde, falls dort dann nur noch Tempo 30 erlaubt sein sollte (das ist nämlich der Plan). Dem gesunden Menschenverstand zum Trotz. Als Autofahrer ist es tatsächlich so, dass man in der Stadt hauptsächlich steht. Und das kann doch auch nicht der Sinn der Sache sein, oder?

Schleichverkehr gehört nicht zum Plan

Der Osterdeich ist eine viel befahrene Hauptverkehrsader in Bremen. Dort, auch wenn es nur ein Abschnitt sein sollte, Tempo 30 einzuführen, ist ein mutiger Schritt. Ich frage mich, wer sich daran halten wird. Wer in ein Auto steigt, tut das, um möglichst schnell an sein Ziel zu kommen. Schleichverkehr oder Stau gehören da nicht zum Plan.

Was aber folgt daraus? Freie Fahrt für freie Bürger? Kein Tempolimit nirgends? Nein. Da gewinnt bei mir dann doch der gesunde Menschenverstand. Das kann es nicht sein. Die Lösung kann nur darin liegen, wirkliche Alternativen zum Auto zu bieten. Und zwar für jedermann. Wer in Bremen-Nord wohnt und in der Bremer Innenstadt arbeitet, tut sich vermutlich schwer, auf das Auto zu verzichten. Noch ein Beispiel gefällig? Haben Sie schon mal versucht, ohne Auto zum Güterverkehrszentrum zu kommen? Nein? Besser so!

  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 22. Juni 2018, 13 Uhr