Kommentar

Aktuelle Corona-Lage in Bremerhaven: Magistrat muss Klartext reden

Aktuelle Corona-Lage in Bremerhaven: Magistrat muss Klartext reden

Audio vom 9. Oktober 2021
"Impfstation Bremerhaven" steht auf einem Karton mit Materialien für das Corona-Impfzentrum.
Bild: DPA | Sina Schuldt
Bild: DPA | Sina Schuldt

Bremerhaven gehört laut RKI bundesweit zu den Spitzenreitern bei der Inzidenz. Die Stadt muss mehr machen, findet unser Reporter Dirk Bliedtner. Vor allem mehr kommunizieren.

Warum machen die denn nichts? Die Stadt Bremerhaven hält seit Tagen Spitzenplätze in der Schreckensliste des Robert Koch-Instituts bei den Städten mit den höchsten Corona-Werten bundesweit. Und die Lage in den Bremerhavener Krankenhäusern spitzt sich zu. Zeitweise lag die Stadt mit einer Hospitalisierungsinzidenz – also der Inzidenz mit Blick auf die Krankenhaus-Auslastung – bei 12,33. Das wäre rein theoretisch schon die landesweite Warnstufe 3 gewesen.

Aber in diesen Tagen zeigt sich, dass die Warnstufen und die dazugehörigen Regeln windelweich sind. Das liegt daran, dass sich die Stadt Bremerhaven und das Land Bremen so viele Entscheidungsfreiheiten wie möglich lassen wollen. Na klar, um vor allem nicht wieder in eine Art Lockdown gehen zu müssen und zum Beispiel wieder Läden zu schließen.

Ein Rüffel vom Pressesprecher

Wird deshalb jetzt die Gesundheit der Menschen in Bremerhaven leichtfertig auf's Spiel gesetzt, indem man zumindest nach außen hin alles einfach laufen lässt? Nein, denn das Bremerhavener Gesundheitsamt mit seinem Chef Ronny Möckel hat die Stadt sehr gut durch die bisherige Krise manövriert.

Möckel war und ist derjenige, dem in der Stadt auch aus der Politik besonders vertraut wird, wenn es um eine ehrliche Einschätzung der Lage geht. Möckel ist es stets gelungen, die Dinge auf den Punkt zu bringen und nicht um den heißen Brei herumzureden – auch wenn Verantwortliche aus der Stadtverwaltung, auch Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) selbst, dabei manches Mal wohl lieber auf Durchzug gestellt hätten. Wie auch immer.

Allen ist klar: Die Durchseuchung der Bevölkerung läuft – und besonders Ungeimpfte liegen vermehrt in den Krankenhäusern. Aber mit dem Klartext reden ist das so eine Sache – insbesondere in diesen Tagen. Möckel würde es machen, darf aber nicht. Bekommt einen Rüffel vom Pressesprecher. Alle anderen tauchen einfach ab – einschließlich Grantz‘ Stellvertreter Bürgermeister Torsten Neuhoff (CDU). Und was bleibt?

Der Eindruck, dass die Stadt die Corona-Lage nicht mehr im Griff hat. Halbherzig hat sie sich in die Warnstufe 2 begeben, musste von der Bremer Gesundheitssenatorin noch mit mahnenden Worten dahinbewegt werden. De facto ändert sich aber bei den Vorschriften nur, dass das Abstandsgebot wieder eingeführt wird.

Keine Maulkörbe fürs Gesundheitsamt

Wenn das wirklich ausreicht, um einem drohenden Krankenhaus-Kollaps Herr zu werden, macht es so. Reicht es aber nicht, ist es fatal, bisherige Erfolge leichtfertig auf's Spiel zu setzen. Das wird sich wohl spätestens im nahenden Winter rächen.

Also lieber Herr Grantz und Gefolge: Die Bevölkerung detailliert aufklären, wie das Risiko einzuschätzen ist. Keine Maulkörbe fürs Gesundheitsamt, sondern Vertrauen aufbauen. Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung geimpft ist – alle haben ein Recht darauf zu erfahren, wie es um die Corona-Lage in ihrer Stadt steht. Damit es am Ende nicht heißt: Warum machen die denn nichts?

Leicht verschärfte Corona-Maßnahmen in Bremerhaven durch Warnstufe 2

Video vom 6. Oktober 2021
Plakat mit der Aufschrift "so schützen wir uns" gegen die Pandemie.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Dirk Bliedtner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. Oktober 2021, 19:30 Uhr