Kommentar

Die Lage ist ernst – Bitte Abstand halten!

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Jeder in unserer Gesellschaft ist jetzt gefordert, findet unser Redakteur Thorsten Reinhold.

Ein Mann in einem Schutzanzug und Mundschutz weist einer anderen Person den Weg.
In Italien greifen umfassende Schutzmaßnahmen – dort haben viele das Virus lange nicht ernst genug genommen, meint unser Autor (Symbolbild). Bild: Imago | Hendrik Piechowski

"Wir sind im Krieg." Diesen Satz hat mir meine Frau vor ein paar Tagen per Messenger geschrieben. Meine Frau ist Italienerin und in ihrer Heimat Sardinien – derzeit gefangen. Mich hat dieser Satz erschreckt. Ich gebe zu, ich konnte ihn erst nicht richtig verstehen. Jetzt weiß ich, was sie damit meint. "Zona rossa" in ganz Italien.

Was das heißt? Sie kann nicht mal mehr ihr Dorf auf Sardinien verlassen, um einen Spaziergang am Meer zu machen. Das verhindern Carabinieri. Es gilt die Regel: Zuhause bleiben. Das machen die Italiener inzwischen auch konsequent, weil die Regierung keine andere Möglichkeit mehr sieht, das Coronavirus zu bremsen.

Sorglosigkeit ist fehl am Platz

Sie fragen sich, was das mit uns zu tun hat? Eine ganze Menge. Bei uns war schnell von Hysterie und Panikmache die Rede. Sind Sie immer noch der Meinung? Die Lage ist ernst. Der "Lock down" in Italien ist neu. Bis vor kurzem waren die Italiener noch in Bars und Restaurants unterwegs, um ihren Espresso zu trinken, mit dem Kollegen einen Aperitif zu nehmen oder sich zum Abendessen mit Freunden zu treffen. Soziales Leben wie man es aus "Bella Italia" kennt. Corona ist ja weit weg. Betrifft mich nicht. So haben es viele Italiener gesehen und gelebt.

Vor allem die Jüngeren hat der Ausbruch im Norden ihres Landes kalt gelassen. "Trifft eh nur die Alten", waren typische Sätze, die meine Frau gehört hat. Das hat sie genervt. Sie fühlte sich nicht verstanden mit ihrer Sorge. Genau solche Sätze, wie sie meine Frau reihenweise gehört hat, sind mir in Bremen auch schon begegnet. Und genau das macht mich sauer und wütend. Panikmache liegt mir fern. Darum geht es nicht. Es geht um ernst nehmen dessen, was da über uns hereinbricht. "Es wird schlimm werden", sagte Christian Drosten, Virologe von der Berliner Charité, bereits am 28. Februar. Da hatten wir in Bremen noch keinen Coronafall. Das wollten nur wenige hören.

Zuhause bleiben ist Solidarität

Spätestens jetzt sollte jedem aber klar sein, dass jeder in unserer Gesellschaft gefordert ist. Wer jetzt noch darüber nachdenkt, Montagabend mit anderen Werder-Fans in großer Runde Fußball zu gucken, weil das Spiel vor leeren Rängen stattfindet, hat es noch nicht verstanden. "Social distancing" ist angesagt. Keine Großveranstaltungen, Massenansammlungen meiden, aber vielleicht auch auf die Geburtstagsparty oder ein Abendessen verzichten. Mehr noch. Bitte Abstand halten zu den Mitmenschen! So schützt sich jeder selbst – und auch die anderen. Das ist Solidarität.

"Man gewinnt nur, wenn alle sich verantwortlich fühlen. Alle haben sich um ihre eigene Gesundheit gekümmert, aber auch um die anderen. Da ist der Schlüssel." Diesen Satz hat Francesco Passerini gesagt. Er ist Bürgermeister von Codogno. Das Städtchen in der Lombardei wurde auch als italienisches Wuhan bezeichnet. Er ist überzeugt, dass Corona nur gestoppt werden kann, wenn ein Umdenken in den Köpfen der Menschen stattfindet. Harte und angemessene Maßnahmen, die jeder Bürger mittragen muss. Keiner kann sich dieser Verantwortung entziehen – auch nicht bei uns.

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Autor

  • Thorsten Reinhold

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. März 2020, 19:30 Uhr