Kolumne

Bremen muss endlich mehr testen!

Die neue Normalität verunsichert viele. Es reicht deshalb nicht mehr, nur auf Hygiene- und Abstandsregeln zu verweisen, meint Radio Bremen-Regionalchef Frank Schulte.

Ein Konterfei von Frank Schulte, unten sieht man einen Zollstock der bei 150cm markiert ist.
Bild: Radio Bremen

Viele Menschen sind verunsichert. Sie fragen sich, wie sie jetzt umgehen sollen mit den Lockerungen. Soll ich den Besuch im Pflegeheim wirklich machen? Soll ich wirklich wieder zum Einkaufen in die Innenstadt gehen, ein Restaurant oder eine Kneipe besuchen? Erste Zahlen der Einzelhandelsverbände zeigen, wie zurückhaltend die meisten Leute offenbar noch sind. Ebenso verständlich wie volkswirtschaftlich und gesellschaftlich fatal. Wie verhalte ich mich denn nun? Politisch gibt’s nur gebetsmühlenartig den Hinweis auf die Hygiene- und Abstandsregeln.

Hamburg testet pro 100.000 Einwohner etwa doppelt so viel

Das ist natürlich nicht falsch, aber es reicht nicht. Der Bremer Senat könnte mehr tun, um Bürgerinnen und Bürgern ein höheres Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Wichtigstes Element dabei sind die Corona-Tests. Bremen muss endlich seine Teststrategie überdenken. Nein, Bremen braucht endlich eine Strategie, die sich strikt an gesundheitlichen Notwendigkeiten ausrichtet. Da ist momentan zu viel Taktik und Abwarten im Spiel. Seit Beginn der Pandemie hören wir, dass breites Testen das allerwichtigste sei. Hamburg testet im Vergleich zu Bremen pro 100.000 Einwohner etwa doppelt so viel. Bremen schöpft vorhandene Test-Kapazitäten nicht annähernd aus. Das ist fahrlässig und eine vertane Chance.

Der Bremer Senat könnte mehr tun, um Bürgerinnen und Bürgern ein höheres Sicherheitsgefühl zu vermitteln.

Radio Bremen-Regionalchef Frank Schulte

Bremen muss endlich mehr testen. Auch deshalb, weil sich die Infektionszahlen hier eben nicht so rückläufig entwickeln, wie überall sonst in der Republik. Ein Fakt, den übrigens niemand so richtig erklären kann. Umso mehr brauchen wir endlich mehr verlässliche Daten – und keine Furcht davor.

Ich glaube, was gesundheitlich sinnvoll ist, ist politisch gefürchtet. Denn wer viel testet, der findet unter Umständen auch mehr positive Corona-Fälle. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) hat das erfahren, als in der Flüchtlingsaufnahmestelle in Vegesack breit und symptomunabhängig getestet wurde. Es ist ihr um die Ohren geflogen. Dabei was das genau richtig.

Es gibt ein Muster, wo Corona-Fälle gehäuft auftreten

Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass es ein gewisses Muster gibt, wo Corona-Fälle gehäuft auftreten. In Pflegeeinrichtungen, in Krankenhäusern, in Massenunterkünften anderer Art und immer dort, wo Beschäftigte häufig wechseln, wo es schwer ist, Hygienekonzepte nachhaltig durchzusetzen und vor allem durchzuhalten. Es ist richtig, dort verstärkt zu testen. Mehr noch: Die Beschäftigten dort haben das verdient, ebenso wie alle anderen Menschen, die viel Kontakt mit solchen potenziellen Hotspots haben.

Das trifft übrigens auch auf die Schulen zu. Auch hier braucht es Test-Konzepte. Mobile Testeinheiten, Stichproben in Lehrer-Kollegien, es ist vieles denk- und machbar. Mehr Sicherheit und mehr Zuversicht sind extrem wichtige Faktoren in der neuen Normalität. Mehr und sinnvoll eingesetzte Coronatests tragen dazu bei.

Kolumne "Ein Meter Fünfzig":

Autor

  • Frank Schulte