Infografik

So bereiten sich Bremens Kliniken auf mehr Corona-Patienten vor

Die Zahl der Bremer, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, steigt. Darauf bereiten sich Bremens Kliniken vor. Das betrifft vor allem Intensivstationen.

Ein Arzt steht in einem Zimmer einer Intensivstation vor einem frischen Bett für Corona-Patienten (Symbolbild)
Die Ruhe vor dem Sturm: In den Kliniken wurden zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Bild: DPA | Bernd Wüstneck

Mit rund 314 Betten sind die Intensivstationen der Krankenhäuser im Land Bremen vergleichsweise gut aufgestellt. Läge der Zwei-Städte-Staat im Bundesschnitt von etwa 34 Intensivbetten je 100.000 Einwohnern, dann stünden den Bremer Hospitälern etwa hundert Betten weniger zur Verfügung. "Ich glaube, dass unsere Kapazitäten ausreichen", sagt Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Bremer Krankenhausgesellschaft der Freien Hansestadt Bremen. Ohnehin hätten von den 66 bestätigten Corona-Patienten in Bremen (darunter zwölf in Bremerhaven) seit Jahresbeginn (Stand: 17. März) bislang lediglich drei einer stationären Behandlung bedurft.

Um aber auch gewappnet zu sein, wenn sich die Lage verschärft, arbeiteten Bremens Krankenhäuser dieser Tage massiv daran, weitere Kapazitäten auf den Intensivstationen zu schaffen, sagt Zimmer. So schicke man Patienten schneller als üblich nach Hause und schule medizinische Fachkräfte für den möglicherweise kurzfristig erforderlichen Einsatz in der Intensivpflege. Vor allem aber verschöben die Krankenhäuser Bremens und Bremerhavens Operationen.

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Das planen die Krankenhäuser in Bremen und Bremerhaven

Exemplarisch erklärt Dorothee Weihe, Sprecherin des Roten Kreuz Krankenhaus: "Geplante, aber verschiebbare Eingriffe, bei denen von einem Aufenthalt auf der Intensivstation nach der OP ausgegangen werden muss, sind abgesagt. Dadurch werden auch Arbeitskräfte frei, beispielsweise aus der Anästhesie und dem OP, die zur Verstärkung und Ergänzung der Intensivmannschaft eingesetzt werden."

Katja Drczymalla vom Klinikum Bremerhaven Reinkenheide argumentiert ähnlich. Auch sie glaubt, dass der Personalbedarf auf den Intensivstationen durch Corona-Patienten steigen wird, weswegen auch ihre Klinik Operationen verschiebe. Das dadurch frei werdende Personal könne im Notfall die Intensivstationen verstärken.

Geplante, aber verschiebbare Eingriffe, bei denen von einem Aufenthalt auf der Intensivstation nach der OP ausgegangen werden muss, sind abgesagt.

Dorothee Weihe, Sprecherin Rotes Kreuz Krankenhaus

"Umfangreicher Pandemieplan"

Für das St.-Joseph-Stift gibt es Sprecher Maurice Scharmer zufolge einen "umfangreichen Pandemieplan", den das Haus erarbeitet habe, um die Patientenversorgung auch dann zu gewährleisten, wenn es zu einem weiteren Anstieg der Corona-Infektionen in Bremen kommen sollte. Um die Mitarbeitenden und Patienten zu schützen, habe das Stift zudem bereits alle öffentlichen Veranstaltungen im eigenen Haus abgesagt und empfange derzeit keine Besucher.

Zwar geht auch das DIAKO von einer Steigerung der Corona-Infektionsrate aus. Sprecher Ingo Hartel betont jedoch auch: "Angesichts von bisher weniger als 100 am Coronavirus Erkrankten im Land Bremen gilt für uns aktuell der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit." Daher halte das DIAKO insbesondere die Geburtshilfe offen und versorge weiterhin sowohl Tumor- als auch orthopädische Patienten operativ.

Hausärzte kritisieren "kopflose" Patienten

Wie das DIAKO wünschen sich auch viele Hausärzte, dass die Bevölkerung die Verhältnismäßigkeit ihrer Anliegen im Auge behält. So hat Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen, festgestellt, dass viele Patienten derzeit "kopflos" agierten.

Obwohl man fast sämtliche Informationen zu Corona problemlos im Internet bekomme, riefen viele Leute selbst dann bei den entsprechenden Hotlines an, wenn sie lediglich allgemeine Fragen hätten. "Alle Hotlines, die 116 117, 115, 112 sind am Ende", so Hermann. Die Leitungen seien überlastet. Zur schlechten Stimmung unter den Hausärzten trage außerdem bei, dass die Schutzkittel und die Masken, die Ärzte zu tragen hätten, zur Neige gingen.

So sorgt die Bundeswehr vor

Neben Hausärzten und Kliniken bereitet sich mittlerweile auch das Landeskommando Bremen der Deutschen Bundeswehr auf ein Ansteigen der Corona-Infektionsrate im Land Bremen vor. Bereits vor einigen Tagen hat das Landeskommando ein Lagezentrum vor Ort eingerichtet, das mögliche Hilfsleistungen der Armee koordinieren soll, wie ein Sprecher mitteilt.

Da Bremen aber – anders als Bayern – keinen Katastrophenfall ausgerufen habe, falle der Bundeswehr im Zwei-Städte-Staat derzeit lediglich eine beratende Funktion in Sachen Corona zu. Eventuellen Hilfeleistungen, ob materieller oder personeller Art, müssten Anträge aus dem Gesundheitsressort vorausgehen. Dennoch habe man bereits vorsorglich bei Reservisten angefragt, ob sie im Ernstfall in die Bresche springen und helfen könnten.

Was die Bundeswehr generell im Kampf gegen Corona unternehmen wird, möchte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekannt geben.

Wie viele Corona-Erkrankte gibt es aktuell in Bremen?

Video vom 17. März 2020
Ein Virus Test in einem Labor.

Autoren

  • Alexander Schnackenburg
  • Maren Schubart
  • Lea Reinhard
  • Daniel Hoffmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. März 2020, 19:30 Uhr