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Bremerhavener Studie: Klimawandel kann Hälfte aller Fischarten treffen

Steigende Wassertemperaturen bedrohen Fische weltweit viel stärker als bisher angenommen. Das haben AWI-Wissenschaftler herausgefunden und schlagen Alarm.

Ein Schwarm Fische der Art "Atlantische Bonitos" im Meer.
Neben dem als Alaska-Seelachs bekannten Pazifischen Pollack und dem Schwertfisch gehört laut AWI auch der Atlantische Bonito zu den vom Klimawandel bedrohten Fischen. Bild: Imago | OceanPhoto
Auf welches Problem sind die Forscher gestoßen?
Fische sind laut den Wissenschaftlern in der Paarungszeit und als Fisch-Embryonen im Ei besonders wärmeempfindlich. Das bedeutet, die Wassertemperatur in den Laichgebieten entscheidet maßgeblich über den Fortpflanzungserfolg der Arten und macht Fische besonders anfällig für den Klimawandel – im Meer, in Seen, Teichen und Flüssen. Nach den Analysen sind bis zu 60 Prozent aller Fischarten davon betroffen. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler Daten von knapp 700 Fischarten aus über 100 Jahren Forschung analysiert.
Warum schadet warmes Wasser den Fischen?
Bei größerer Wärme steigt der Sauerstoff-Bedarf. Fisch-Embryonen haben aber noch keine Kiemen und können deshalb selbst ihre Sauerstoffversorgung nicht steigern. Paarungsbereite Fische bilden Ei- und Spermienzellen aus, die zusätzlich mit Sauerstoff versorgt werden müssen. Vor allem für paarungsbereite Fische und ihren Nachwuchs werden die höheren Temperaturen also zum Problem.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Das Forscherteam hat analysiert, wie die Wassertemperaturen in den entsprechenden Laichgebieten steigen. Dazu nutzten sie Klimaszenarien, die auch dem nächsten Weltklimabericht zugrunde liegen. Jedes Grad Erwärmung bringt die weltweiten Fischbestände in größere Bedrängnis. Gelingt es der Menschheit, die Klimaerwärmung bis zum Jahr 2100 auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, werden bis dahin nur etwa zehn Prozent der untersuchten Arten ihre Laichgebiete verlassen müssen, sagt Biologe und Co-Autor der Studie Hans-Otto Pörtner. Bleiben die Treibhausgasemissionen auf hohem bis sehr hohem Niveau, wäre mit fünf Grad Celsius und mehr zu rechnen. Fische müssten sich anpassen, was zu lange dauern würde. Nicht alle Fischarten könnten ihre Lebensräume außerdem an andere Orte oder in andere Jahreszeiten verlagern – und das könnte zu einem großen Problem für die Arten werden. Insbesondere für die Fische, die in Seen und Flüssen leben.

So sieht Klimaforschung im Land Bremen heutzutage aus

Video vom 5. Juni 2020
Drei Eisbären, die hintereinander laufen, in der Arktis.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 3. Juli 2020, 10:15 Uhr