Bremer Eltern fürchten Einschränkungen durch steigende Corona-Zahlen

  • Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt
  • Das zeigt eine Umfrage der Zentralen Elternvertretung in Bremen
  • 75 Prozent befürchten eingeschränktes Betreuungsangebot im Herbst und Winter
Eine Mutter mit zwei Kindern klingelt an einer Tür zu einer Kita.
Bremer Kita-Eltern fordern mehr Unterstützung. Bild: DPA | Uwe Zucchi

Die Zentrale Elternvertretung in Bremen hat Eltern zur aktuellen und zur zukünftigen Betreuungssituation ihrer Kinder befragt. Etwa 1.000 Eltern haben an der Umfrage teilgenommen. Mehr als die Hälfte von ihnen gab an, dass sie die aktuelle Corona-Situation und die dadurch teilweise eingeschränkte Betreuung der Kinder belastet. Rund 75 Prozent der befragten Eltern blicken mit großer Sorge in die Zukunft. Sie befürchten, dass sich die Betreuungssituation im Herbst und Winter wegen steigender Corona-Zahlen wieder verschlechtert und fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt.

Für ZEV-Elternsprecherin Petra Katzorke ist klar: "Die Sorgen der Eltern sind gleich geblieben, wenn nicht gestiegen. Jetzt durch die kalte Jahreszeit steigen die Zahlen und wir fragen uns: Was bedeutet das für die Kinderbetreuung? Kommt es wieder zu Schließungen?" Bei vielen Eltern ist die Sorge groß, dass sie bald ein ähnliches Chaos erleben wie im März und April. Dabei war auch im Sommer die Betreuung nicht vollständig gegeben, so Katzorke.

Die Familien sind immer noch sehr am Limit und konnten noch keine Reserven aufbauen, um so etwas wie im März/April noch mal auszuhalten. Die Belastung ist noch immer groß.

Petra Katzorke der zentralen Elternvertretung Bremen im Studio von buten un binnen.
Petra Katzorke, Vorstandsprecherin der ZEV

Druck und Stress sollte planbar werden

Viele Eltern haben Angst, dass die Betreuung ihrer Kinder wegen Corona wieder eingeschränkt wird. Und der Reaktionsstufenplan von Senatorin für Kinder und Bildung, Claudia Bogedan (SPD), reicht den Eltern offenbar nicht aus. Es fehle die Information, wann sich welche Betreuungseinrichtung in welcher Stufe befinde, kritisiert Katzorke: "Wir wissen zwar, wie reagiert wird, aber nicht, wo wir stehen oder was die verschiedenen Stufen auslöst."

Wenn Mütter und Väter diese Information hätten, dann wäre der Stress zumindest planbar. "Unsere Idee war, dass wir jetzt schon mit der Einrichtung und den Arbeitgebern planen können, was passiert, wenn wir in welcher Stufe sind. Damit nicht jeder wieder in das totale Chaos fällt", so Katzorke. "Wir wollen das jetzt schon auf Einrichtungs- und Familienebene durchspielen und alles abklären." So könne den Eltern die Unsicherheit genommen werden, führt Katzorke weiter aus.

Eltern wollen gewappnet sein

Für die Elternsprecherin ist klar, dass der Alltag vieler Familien auf die Betreuung ihrer Kinder ausgelegt ist. So sollten entsprechend auch die politischen Entscheidungen mehr auf die Bedürfnisse der Familien ausgelegt werden: "Wir fordern, dass die Politik agiert und nicht reagiert und uns unterstützt. Da fehlen uns die konkreten Angebote für die Unterstützung in der Familienarbeit."

Momentan befürchteten auch viele Eltern, dass sie durch mögliche Einschränkungen nicht mehr voll im Job arbeiten könnten und deswegen auch schlechtere Chancen im Job oder Verdienstausfälle riskieren. Auch die Angst vor einer möglichen Kündigung wird von den Befragten angesprochen.

Zwar gäbe es für Eltern schon Ersatzleistungen, wenn beispielsweise das Kind in Quarantäne ist, doch sei die Hürde viel zu hoch, berichtet Katzorke von Rückmeldungen der Eltern. "Das muss vereinfacht werden."

Lob für Betreuungseinrichtungen

Die Befragung des ZEV nutzten viele Eltern, um ihr Herz auszuschütten. Neben den Forderungen an die Politik gibt es dabei auch Lob: Viele sind mit der Kommunikation mit ihrer Einrichtung zufrieden. Ebenso wie mit dem engagierten Personal. Gut zu funktionieren scheint auch die Umsetzung der Hygienekonzepte. "Die Mitarbeiter haben sich sehr gut mit der Situation arrangiert und versuchen, für uns Familien das Beste rauszuholen."

Was hält ein Epidemiologe vom Schulbetrieb in Corona-Zeiten?

Video vom 28. September 2020
Epidemiologe Hajo Zeeb zu Gast im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Marike Deitschun Volontärin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Oktober 2020, 18:00 Uhr