Kinder per App verfolgen: Bremer Verbraucherschützer warnen

Neue Apps und Uhren schaffen, was Eltern sich lange wünschten: Immer zu wissen, wo ihr Kind gerade ist. Verbraucherschützer raten allerdings zur Vorsicht.

Kinder-Tracking
Per App, die GPS-Daten übermittelt, lassen sich nicht nur verlorene Handys orten, sondern auch das eigene Kind, wenn es ein Smartphone oder eine Uhr mit entsprechender Funktion bei sich trägt.

Nie mehr Sorgen, Skepsis, Ungewissheit – für viele Eltern klingt es wie das Heilsversprechen schlechthin. Wer hat sich nicht schon einmal Vorwürfe gemacht, weil man das Kind allein losgeschickt hat und es dann nicht so schnell wie erwartet zurückkam? Oder weil man es nicht erreichen konnte, als es eine Verabredung verpasst hatte. Neue Apps und Tracking-Uhren versprechen Abhilfe. Per GPS lassen sich auch Kinder orten. So können Eltern beispielsweise den Schulweg verfolgen oder nachschauen, wo ihr Kind gerade steckt, wenn es sich verspätet hat.

Fast die Hälfte der Eltern kann sich Tracking vorstellen

Beruhigend, finden das manche. Bei einer Befragung des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentralen kam heraus, dass mehr als 90 Prozent der befragten Eltern ihre Kinder nicht mit Hilfe von Technologie verfolgen. Aber immerhin könnte es sich fast die Hälfte von ihnen vorstellen.

Lothar Mai, Geschäftsführer des Bremer Landesverbandes der Gewerkschaft Bildung und Erziehung, ist da anderer Meinung. "Ich bin gegen eine ständige Kontrolle von Kindern. Das ist nicht im Sinne des Kindes. Denn es muss auch lernen, selbständig zu werden und eigene Entscheidungen zu treffen. Außerdem belastet es das Vertrauen zu den Eltern."

Lehrergewerkschaft vermutlich "sehr skeptisch"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Bremen hat zu dem Thema Tracking noch keine offizielle Linie entwickelt, sagt Christian Gloede. "Ich hoffe auch, dass wir es nicht müssen und vermute, dass wir dieser Idee sehr skeptisch gegenüberstehen würden."

Ich persönlich lehne eine solche Fußfessel-adäquate Ausstattung ab.

Christian Gloede, GEW Bremen

Gegen Verbindlichkeit ist Gloede aber nicht. Eltern sollten ruhig mit ihren Kindern verabreden, dass diese eine Nachricht schicken, wenn sie bei einem Termin angekommen sind.

Eltern müssen Nutzungsbedingungen lesen

Bei der Verbraucherzentrale Bremen gab es bisher noch keine Beratungsanfragen von Eltern zum Thema Tracking-Geräte für Kinder, teilt Gerrit Cegielka mit. "Obwohl das Thema im Netz derzeit sehr heiß diskutiert wird", sagt der Verbraucherschützer. Er sieht das Problem gerade bei den Fallen, die sich stellen, wenn man vorschnell Technologien nutzt, deren Reichweite und Folgen man nicht überblickt. Entsprechend wirbt er für mehr Wissen.

Es muss ein Bewusstsein her bei den Eltern dafür, was verschiedene Geräte wie Handys alles können, was vielleicht mit den eigenen Daten passiert, ohne dass man es merkt.

Gerrit Cegielka, Verbraucherzentrale Bremen

Dort sieht Cegielka auch Nachholbedarf. Bei Apps sollte man sich genau darüber informieren, wozu die persönlichen Daten genutzt werden. Das "Kleingedruckte", also die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung, müsse man sich mindestens durchlesen. Denn ganz oft steckten wirtschaftliche Ideen dahinter, die nicht unbedingt dem Kunden nutzen.

Vorsicht ist außerdem bei sogenannten mithörenden Uhren geboten, sagt Cegielka. Die Bundesnetzagentur hat Uhren verboten, bei denen sich das Mikrofon aus der Ferne einschalten lässt, ohne dass das Kind oder die Umstehenden davon etwas mitbekommen.

Einfach erklärt: So funktioniert Kinder-Tracking

Kinder-Tracking

Schulranzen mit Peilsendern in Wolfsburg gestoppt

Auch ein anderes Projekt, das eigentlich dem Schutz von Kindern dienen sollte, hat Kritik erfahren. In Wolfsburg sollten die Schulranzen von Grundschülern in einem Pilotprojekt mit Peilsendern ausgestattet werden, sodass Eltern ihre Kinder orten können. Doch Datenschützer meldeten Bedenken an. Nun hat die Stadt das Projekt erst einmal auf Eis gelegt. Die Datenschutzbeauftragte hat Kontakt mit dem Software-Entwickler aufgenommen. Die Software soll nun erst einmal auf datenschutzrechtliche Probleme überprüft werden.

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Februar 2018, 23:20 Uhr