Küstenautobahn: Die Natur soll nicht auf der Strecke bleiben

Für den Bau der A20 wird Natur zerstört. Biologen zählen Pflanzen und Tiere, um die nötigen Ausgleichsflächen zu bestimmen. Unterwegs mit einem Vogelbeobachter nahe Bremerhaven.

Kraniche fliegen, im Hintergrund eine Autobahnbaustelle
Wenn Straßenbau auf Naturschutz trifft: Der Bau der A20. Bild: dpa | Soeren Stache

Irgendwo im Nirgendwo: Seit März hat die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit Kartierungsarbeiten entlang der geplanten Streckenführung der Küstenautobahn A20 begonnen. Biologen zählen Pflanzen und Tiere, damit man weiß, wie viel Natur die neue Autobahn zerstört und welche Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen. Reporterin Leandra Hanke war mit dem Biologen Lutz Achilles bei Loxstedt auf Vogelbeobachtung:

Wir laufen über eine etwas moosige Graslandschaft, neben uns Ackerflächen und ein dichter Wald. Wir sind auf der Suche nach Nestern und Baumhöhlen von Brutvögeln. Der Biologe Lutz Achilles ist mit Fernglas, Karte und GPS-Gerät ausgerüstet. Kraniche drehen eine Runde über dem Wald und verschwinden dann aus unserem Blickfeld. Achilles holt eine Landkarte und einen Stift aus seiner Jackentasche. Er macht ein Kreuz an der Stelle, wo eben die Kraniche geflogen sind.

Auf der Seite ist der Wald und möglicherweise haben sie in der Ecke ihren Niststandort. Das macht man dann achtmal im Laufe des Frühjahrs und hat dann mit den anderen Karten ein Bild von dem Brutstandort der unterschiedlichen Arten, und so ergibt sich ein sehr realitätsnahes Bild.

Lutz Achilles, Biologe

Ausgleichsflächen müssen her

Der Biologe und sein Team sind dafür verantwortlich, dass alle Vogelarten in dem Autobahnabschnitt A5 von Herstedt bis kurz vor Bremervörde erfasst werden. Genauer untersucht werden die Abschnitte, die 500 Meter rechts und links der geplanten Trasse entlanglaufen. Damit dieser Wald, in dem wir uns gerade befinden, stehenbleiben kann, geht die Trasse südlich an ihm vorbei.

Insgesamt leben in dem Abschnitt A5 im Elbe-Weser-Dreieck circa 70 verschiedene Vogelarten. Aber nicht nur Vögel werden kartiert, auch wertvolle Pflanzenarten, Reptilien, Insekten und Fische zählen die Biologen.

Viele der hier lebenden Tiere werden den Wald wegen der Autobahn verlassen, daher müssen Ausgleichsflächen gesucht werden. Die Kartierungen sind grundlegend für Kompensationsmaßnahmen wie Amphibientunnel, Waldbrücken oder Flussumleitungen. Also dafür, dass die Tiere auch mit und neben der Autobahn leben können. Bevor der Ersatzlebensraum nicht geschaffen ist, können die Bauarbeiten für die Küstenautobahn nicht beginnen.

Fakt ist: Die Natur wird leiden

Ein Schild kündigt die Autobahn 20 an.
Im Herbst sollen die Bauarbeiten für die Küstenautobahn richtig losgehen. Bild: DPA | Carsten Rehder

Ein Jahr dauert die umfangreiche Kartierung der Fläche. Auf Grundlage der Daten sollen Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz vermieden werden. Andernfalls hätten klagende Naturschutzverbände gute Chancen, das Projekt zum Scheitern zu bringen. Unter dem Bau der Autobahn wird die Natur leiden, das bestreitet niemand, auch nicht der Projektleiter der Autobahn A20, Sebastian Mannl.

Natürlich muss ich das an der einen Stelle kaputtmachen, sonst kriege ich die Autobahn nicht gebaut, aber dafür gibt man halt an anderer Stelle etwas zurück. Bei dem Zurückgeben ist die zwingende, rechtliche Vorgabe, dass es dort auch deutlich besser wird.

Sebastian Mannl, Projektleiter A20

Am Ende unserer Begehung haben wir immerhin zwei Spechtreviere, einen möglichen Kranichbrutplatz, viele Kohlmeisen, Buchfinken und den Kolkraben beobachtet. Durch Kompensationsmaßnahmen soll der Schaden für die Natur so gering wie möglich gehalten werden. Jedoch lässt sich zum Beispiel für Waldstücke nur sehr schwierig Ersatz finden. Achilles ist dem Bauvorhaben gegenüber skeptisch.

Autor

  • Leandra Hanke

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. April 2019, 15:38 Uhr

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