Gibt es noch einen Funken Hoffnung für Karstadt in Bremerhaven?

Bleibt die Karstadt-Filiale in der Innenstadt? Viele hegen diese Hoffnung. Oberbürgermeister Melf Grantz hält das zwar für unwahrscheinlich, doch die Gespräche gehen weiter.

Fassade des Karstadt-Kaufhauses in der Fußgängerzone von Bremerhaven (Archivbild)
Karstadt macht für viele Bremerhavener den Besuch der Innenstadt aus. Unklar ist, wie es nach der geplanten Schließung mit dem Gebäude weitergeht. Bild: DPA | Ingo Wagner

Die Hoffnung stirbt zuletzt – das ist es, was Karstadt-Beschäftigten in diesen Tagen noch Kraft gibt. Sie hoffen darauf, dass doch noch alles gut wird, dass ihr Geschäft vielleicht doch noch von der Streichliste des Unternehmens genommen wird. In Bremerhaven setzt die Belegschaft darauf, dass sich Karstadt mit der Stadt auf einen Weiterbetrieb des größten Kaufhauses in der Innenstadt verständigen kann. 100 Mitarbeiter sind betroffen. Doch die Chancen stehen eher schlecht. Das ergab am Dienstagabend auch ein Gespräch der Stadt mit dem Vermieterkonsortium "Highstreet".

Karstadt Bremerhaven soll bis Mindestens Ende Januar offen bleiben

"Der Erhalt des Karstadtbetriebes wird immer unwahrscheinlicher", sagte Oberbürgermeister Melf Grantz nach dem Gespräch. Dabei habe die Stadt den Besitzern ein Angebot gemacht: Sie wolle sich an den Instandhaltungskosten der Eingangspassage zur Oberen Bürger beteiligen, die zum Karstadt-Komplex gehört. "Ob ein solches Entgegenkommen von Seiten der Stadt zum erhofften Erhalt von Karstadt in Bremerhaven führt, weiß ich aktuell noch nicht", erklärte Grantz. Nun seien Karstadt und der Vermieter am Zuge, dieses Angebot betriebswirtschaftlich zu überprüfen. Immerhin wurde mitgeteilt, dass Karstadt in Bremerhaven wohl nicht mehr in diesem Jahr schließt – sondern frühestens Ende Januar 2021.

Kunden leiden mit

Den Mitarbeitenden des Traditionshauses macht das wohl wenig Hoffnung. Öffentlich wollen die meisten Karstadt-Angestellten zu ihrer Zukunft nichts sagen – aber wenn man sich in der Bremerhavener Belegschaft umhört, erfährt man, wie schwer es vielen fällt, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Die Stimmung ist angespannt, alle zittern um ihren Job. Die Kunden leiden mit. Karstadt sei in Bremerhaven eine Institution, die das Flair eines Stadtbesuches ausmache, sagt einer.

Zukunft kleiner Geschäfte ungewiss

Und auch die Geschäftsinhaber, die in Läden im Karstadt-Gebäude zum Beispiel einen Kiosk oder ein Blumengeschäft betreiben, blicken ungewiss in die Zukunft. Bislang hat man ihnen nicht gesagt, ob sie ihren Mietvertrag behalten oder demnächst schon aufgeben müssen. Derzeit liegen im Bremerhavener Warenhaus Unterschriftenlisten aus. Für den Erhalt von Karstadt. Schon etliche Listen sind ausgefüllt. Ein Trauerspiel sei das mit der Karstadt-Schließung, findet ein anderer Kunde. Es dauere nicht lange, dann machten auch andere zu. Das werde noch heftige Folgen haben. Die Politik müsse sich einschalten.

Karstadt-Schließung ist Schock für Kaufleute

Mit Karstadt würde tatsächlich eine zentrale Einkaufsmöglichkeit in der Innenstadt wegbrechen. Hier gibt es noch fast alles, von der Nähnadel bis zum Kinderspielzeug. Das Gebäude liegt direkt am Einkaufszentrum Columbus-Center – auch hier hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Geschäftsschließungen gegeben. Die Kaufkraft fehlt, heißt es von Unternehmern. Für Joachim Haack, Sprecher einer Gruppe von Kaufleuten in der Innenstadt, ist die angekündigte Karstadt-Schließung nach wie vor ein Schock.

Für die Bremerhavener Innenstadt ein ganz schwerer Schlag. Um nicht zu sagen katastrophal. Karstadt in Bremerhaven ist immer der Leuchtturm in der Fußgängerzone gewesen. Ist es auch noch. Wie der Einzelhandel damit umgeht bleibt abzuwarten. Wir hoffen natürlich, dass trotz alledem die Kunden der Innenstadt erhalten bleiben.

Joachim Haack, Sprecher einer Gruppe von Kaufleuten

Wie gegen Online-Handel bestehen?

Und als wäre die Karstadt-Krise nicht schon genug, will sich jetzt auch noch der Elektronikhändler Saturn aus der Innenstadt verabschieden. Ende November soll Schluss sein. Damit stünde am anderen Ende der Fußgängerzone "Bürger" ein weiteres Kaufhaus so gut wie leer. Derweil hofft Oberbürgermeister Grantz auch nach dem Gespräch mit den Besitzern der Immobilie, dass sich Karstadt doch noch an den Verhandlungstisch setzt.

Während er hofft, suchen die Wirtschaftsförderer schon nach Alternativen – wie kann die Innenstadt der Zukunft aussehen? Wie kann sie gegen den immer stärkeren Online-Handel bestehen? Das Karstadt-Haus am besten abreißen und was komplett Neues machen – auch eine Option, die im Gespräch ist. Die Innenstadt neu denken – das dürfte nicht nur für Bremerhaven noch eine gewaltige Herausforderung werden.

Diese Karstadt- und Kaufhof-Filialen schließen im Land Bremen

Video vom 19. Juni 2020
Die Außenfassade des Galeria Kaufhof Gebäudes in der Bremer Innenstadt.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Dirk Bliedtner
  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 7. Juli 2020, 6:35 Uhr