Fragen & Antworten

Frankfurter Investor will Karstadt-Gebäude in Bremerhaven kaufen

Die RFR Holding aus Frankfurt wird das Gebäude übernehmen. Hat der Investor schon Pläne? Und wie geht es jetzt für die Karstadt-Mitarbeiter weiter?

Karstadt-Filiale in Bremerhaven
Die Stadt hat einen Käufer für das Karstadt-Gebäude gefunden. Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Karstadt in Bremerhaven schließt – das steht endgültig fest. Damit verliert die Stadt das letzte große Warenhaus und einen wichtigen Anlaufpunkt für Kunden und Besucher. Schwarz auf weiß hat die Stadt die Absage bekommen – in einem Brief des Karstadt-Konzerns an Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD). Der hatte zuvor versucht, das Aus von Karstadt noch abzuwenden. Es gab viele Gespräche mit dem Eigentümer der Immobilie und mit Karstadt selbst – genützt hat es nicht viel. Zumindest hat sich offenbar ein Interessent gefunden.

Was passiert jetzt mit dem Karstadt-Gebäude?
Am Freitagnachmittag sickerte die Nachricht durch, dass das Karstadt-Gebäude in Bremerhaven einen neuen Besitzer bekommt. Die RFR Holdig aus Frankfurt wird das Gebäude kaufen. Das bestätigte ein Sprecher der Stadt. Oberbürgermeister Grantz begrüßte die Entscheidung. Die RFR Holding sei kein Spekulant, sondern interessiert daran, gemeinsam mit der Stadt eine Perspektive für den Standort zu entwickeln. Die RFR Holding besitzt Gewerbeimmobilien in Städten wie Berlin, Frankfurt und Hamburg. Was sie konkret in Bremerhaven vor hat, ist noch nicht bekannt.
Der Oberbürgermeister hat viele Gespräche mit Karstadt geführt. Gab es denn überhaupt eine Chance, den Standort in Bremerhaven zu halten?
Für die eine oder andere Filiale ist das Aus tatsächlich wieder vom Tisch. So konnten Goslar, Potsdam und Bielefeld die Schließungen nach Zugeständnissen der Vermieter abwenden. In diese Richtung hat auch Grantz verhandelt und mit der Highstreet-Holding als Vermieter und mit Karstadt gesprochen. Beide schickten Vertreter zu Gesprächen nach Bremerhaven. Es hat also durchaus eine Chance gegeben. Woran die Verhandlungen schließlich gescheitert sind, ist unklar.
Hat die Stadt nicht gut genug verhandelt?
Die Stadt wollte für die Karstadt-Rettung ordentlich Geld in die Hand nehmen. Eine sechsstellige Summe hat sie Karstadt für dringende Sanierungsarbeiten angeboten. Karstadt schien das wichtig zu sein, sagt ein Sprecher des Magistrats. Das hätten Vertreter in Gesprächen signalisiert. Dass das am Ende dann aber wohl nicht ausschlaggebend war, habe die Stadt überrascht.

Der Betriebsrat geht davon aus, dass die vielen Gespräche und Verhandlungen aber in einem Punkt etwas gebracht haben: Der Schließungstermin wurde nach hinten geschoben – vom 31. Oktober auf den 31. Januar. Offiziell ist das Datum aber noch nicht. Die Karstadt-Zentrale hat sich dazu auch in dem Brief an den Oberbürgermeister nicht geäußert.
Wie ist die Stimmung unter den Beschäftigten?
Es herrscht völliges Unverständnis über das Verhalten des Karstadt-Konzerns, teilt der Betriebsrat mit. Er kritisiert vor allem, dass ein Brief zur endgültigen Schließung an den Oberbürgermeister ging, die Mitarbeiter davon aber nichts wussten. Der Betriebsrat beklagt auch die Ungewissheit darüber, wie es für die Beschäftigten im kommenden Jahr weitergeht.
Wie viel ist zur Zukunft der Mitarbeiter bisher bekannt?
Ab Februar soll es eine Transfergesellschaft geben. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter sechs Monate lang rund drei Viertel ihres Lohns erhalten. Ansonsten ist die Transfergesellschaft mager ausgestattet. Für Umschulungen reicht das Geld laut Betriebsrat nicht. Umschulungen oder Qualifizierungen seien aber wichtig, da die Beschäftigten im Durchschnitt 50 Jahre alt seien. Da sei es nicht so einfach, einen neuen Job zu finden. Die Mitarbeiter hoffen jetzt auf Hilfe vom Land. Aktuell laufen Gespräche mit Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Die Linke).

Rückblick: Wie steht es um Bremerhavens Einzelhandel während der Corona-Krise?

Video vom 6. Juni 2020
Ein Mann steht an der Kasse eines Buchladens und bezahlt.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Sonja Harbers

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 7. August 2020, 17:40 Uhr