Eine Kamera reist von England nach Süderoog

Eine unglaubliche Geschichte: Ein Junge verliert seine wasserdichte Kamera an der britischen Küste. Zwei Monate später wird sie am Strand der Hallig Süderoog angespült – und funktioniert noch. Zu denen, die den Besitzer suchen, gehört auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen.

Eine mitgenommene, wasserdichte Kamera steht auf einem Stein auf der Hallig Süderoog.
Die zweimonatige und 800 Kilometer lange Odyssee kann man der wasserdichten Kamera ansehen. Bild: Hallig Süderoog

Tagtäglich werden an deutschen Küsten allerlei Sachen angespült, doch Anfang November fand sich ein eher ungewöhnliches Strandgut an der Hallig Süderoog im nordfriesischen Wattenmeer: Eine wasserdichte Kamera, nahezu unversehrt und voll funktionsfähig.

Kamera dokumentiert den Start ihrer Odyssee

Zu ihrer Überraschung stellten die Finder fest, dass die Kamera den Anfang ihrer zweimonatigen Odyssee aufgezeichnet hatte. Auf dem knapp elfminütigen Video ist ein etwa zehn- bis zwölfjähriger englischer Junge zu sehen. Mit der Kamera im Anschlag erkundet er eine steinige Küste in England.

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Irgendwann stellt er die Kamera ab und beschäftigt sich mit seinem Eimer und einem jungen Mädchen, vermutlich seine Schwester. Die Kamera: vergessen. Irgendwann verschwindet der Junge aus dem Bild und das Video zeigt, wie langsam das Wasser steigt, bis es eine Welle die Kamera mitreißt.

Die Suche beginnt

Zwei Monate und mehr als 800 Kilometer später strandet sie in Süderoog. Auf der Facebook-Seite der Hallig präsentieren die Finder den ungewöhnlichen Fund samt den Videoausschnitten. Schnell beginnt eine Suche nach dem ursprünglichen Besitzer der Kamera.

Pressesprecher der DGzRS Christian Stipeldey
Christian Stipeldey, Pressesprecher der DGzRS. Sein Sylter Kollege brachte die Suche nach der Herkunft der Kamera ins Rollen.

Christian Koprek, zweiter Vormann der Seenotretter in List auf Sylt, brachte die Suche ins Rollen. "Er ist gut befreundet mit einem der Halligbewohner und hat die Bilder gesehen", erzählt Christian Stipeldey, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen. "Er meinte dann, dass das, was man auf den Bildern sieht, keine deutsche Küste ist. Das könnte aber eine englische sein."

Koprek nahm Kontakt mit der britischen Seenotretter-Kollegin Mary Harris auf. Die erkannten auf den Aufnahmen die Thornwick Bay in East Yorkshire an der nordenglischen Ostküste. Bei einem Besuch in der DGzRS-Zentrale in Bremen ließ Koprek von einer Driftsoftware die vermutliche Route der Kamera berechnen. "Rausgekommen ist ein Ort nur knapp 35 Kilometer südlich der Bucht, die uns die englische Seenotretterin genannt hatte", erklärt Stipeldey weiter. "Das ist natürlich schon ziemlich exakt."

Britische Medien helfen bei der Suche

Mittlerweile hat die kuriose Geschichte hohe Wellen geschlagen, und auch die britischen Medien beteiligen sich an der Suche nach dem Jungen, der auf dem Video zu sehen ist. "Es kann natürlich sein, dass das Kind nicht aus der Region stammt, wo es am Strand gespielt hat", sagt Stipeldey. "Am 1. September, das Datum, das auf dem Video angezeigt wird, ist ja noch Sommer. Es könnte sich auch um Urlauber gehandelt haben." Vielleicht findet die Kamera nach der langen Odyssee ja bald zurück zu ihrem kleinen Besitzer.

Kamera reist 800 Kilometer über das Meer

Ein Mann der deutschen Gesellschaft zu Rettung Schiffbrüchiger im Interview.

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 30. November 2017, 14:20 Uhr