Kälte-Tipps vom Profi: Das rät eine Bremerhavener Arktis-Forscherin

In Bremen und Bremerhaven ist es eisig. Verena Mohaupt kennt sich mit Kälte aus, denn sie war für das Alfred-Wegener-Institut in der Arktis. Das sind ihre Tipps.

Eine Frau mit Mantel und Mütze schützt sich mit den Armen vor Kälte.
Wichtiger Tipp gegen Kälte: Das Zwiebelprinzip mit mehreren Kleidungsschichten, die je nach Bedarf angepasst werden können. Bild: DPA | Gavriil Grigorov

Der Winter hat Bremen, Bremerhaven und Umgebung im Griff. Und das ändert sich vorerst auch nicht. "Knackig-kaltes Hochdruck-Winterwetter", sagt Diplom-Meteorologe Meeno Schrade für die kommenden Tage voraus. Freitagnacht erwartet er minus 13 Grad. Zu Plustemperaturen könnte es demnach erst Ende Februar wieder kommen.

Eine Frau in Winterkleidung steht vor bunten Häusern im Schnee.
Verena Mohaupt war als Logistikchefin der Mosaic-Expedition unter Leitung des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts in der Arktis. Sie weiß, was gegen Kälte hilft. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Esther Horvath

Wie man sich wirklich effektiv gegen Eiseskälte wappnet, weiß Verena Mohaupt. Als Logistikchefin der Mosaic-Expedition des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) sorgte sie unter anderem dafür, dass die Forscher in der Arktis mit der richtigen Kleidung ausgestattet waren – und sie war selbst vor Ort. Dies sind ihre Tipps, die auch gegen die norddeutsche Kälte helfen.

1 Vorbereitung

Sich vor Kälte zu schützen ist immer eine Frage der Vorbereitung, sagt Mohaupt. Zuerst ist da die Frage: Was habe ich vor? Es ist also ein Unterschied, ob ich ins Büro fahre oder mehrere Stunden draußen verbringe. "Wenn ich länger spazieren gehen will oder überhaupt länger draußen sein muss, dann ziehe ich mir am besten vernünftige Winterkleidung an, also lange Unterwäsche und mehrere Schichten."

2 Zwiebelprinzip

Die Vorzüge des Zwiebelschalenprinzips mit mehren Kleidungsschichten kennt Mohaupt aus der Arktis. "Wenn ich da lange unterwegs sein muss, mich dabei körperlich bewege und dann wieder still stehe, da ist Zwiebellook das einzig Wahre." Auf solche Wechsel lässt sich mit dem An- oder Ausziehen einzelner Lagen reagieren. In Deutschland kann laut Mohaupt eine dicke Winterjacke reichen: "Weil man ja oft zwischen drinnen und draußen hin und her springt. Da ist es gut, wenn man dann einfach nur die Jacke auszieht und wieder passend angezogen ist." Auch für den Arbeitsweg empfiehlt sie Schichten, wovon nach Ankunft die oberste abgelegt werden kann. Oder dünnere Wechselkleidung im Büro bereitlegen und dann umziehen.

3 Funktionskleidung

In Puncto Funktionswäsche oder -kleidung ist laut Mohaupt wichtig, dass sie Schweiß oder Nässe vom Körper wegtransportiert. Wenn möglich sollte sie auch nass noch wärmende Eigenschaften haben und schnell trocknen. "Damit man nicht so lange nassgeschwitzt irgendwo steht und dann friert." Von den verschiedenen Materialien bevorzugt sie selbst Wolle. Alternativen sind zum Beispiel Synthetikstoffe. "Es gibt vieles, wo man herausfinden muss, was für einen selber das beste ist." Für die über einjährige Mosaic-Expedition in die Arktis packte die Logistikerin den Teilnehmenden übrigens verschiedene Kleidungspakete – je nach Jahreszeit und Gegend.

4 Kopf schützen

Viel Wärme geht über den Kopf verloren. Dass in Corona-Zeiten ein Mund-Nasen-Schutz gegen Kälte hilft, glaubt Mohaupt nicht unbedingt. "Nur die Maske bringt wahrscheinlich wenig. Ich würde das auf jeden Fall mit einer Mütze kombinieren." Außerdem sagt sie: "Es lassen sich viele Männer in der Kälte die Bärte wachsen. Ich glaube das macht schon auch ein bisschen Unterschied, ob man da viel Gesichtshaar hat oder nicht." Auch wenn das nicht mit jedem Mund-Nasen-Schutz kompatibel ist.

5 Füße schützen

Auch Füße sind kältesensibel. Für kleine Gänge draußen sieht Mohaupt Extra-Socken sowie gute Schuhe als ausreichend an, möglichst wasserdicht. Aber: "Wenn man bei minus 15 Grad lange im Wald stehen will, dann ist es gut, in ein gutes Paar Schuhe mit Wärmeisolation zu investieren." Gegen kalte Füße werden traditionell auch Wechselbäder empfohlen. Aber Vorsicht: Nicht zwischen heiß und kalt, sondern nur warm und kalt wechseln. Das trainiert die Blutgefäße und sorgt für Durchblutung. Generell hilft auch Bewegung, das lockert Muskeln und der Körper wärmt sich auf. Ein altes Hausmittel besagt, dass Chili-Schoten in den Socken durch scharfe Wirkstoffe wärmende Wirkung haben – Mohaupt möchte sich diesem Rat allerdings nicht anschließen.

6 Fett-Creme

Kommt zur Kälte auch noch beißender Wind hinzu, schwört Mohaupt auf Fett-Creme fürs Gesicht. Es gibt spezielle Wind-und-Wetter-Cremes, doch generell sagt die Expertin: "Wenn es jetzt minus 15 Grad werden und dann auch noch ein eisiger Wind weht, kann eine Fett-Creme helfen, egal was für eine – jede hilft erstmal." Sie lässt sich als Schutzschicht aufs unbedeckte Gesicht auftragen. "Das ist auch beim deutschen Winter angenehm, wenn es windig ist."

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Video vom 8. Februar 2021
Eine Straßenbahn die in der Bremer Altstadt durchfährt, überall liegt Schnee.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 9. Februar 2021, 12:15 Uhr