Radio Bremen-Legende Uschi Nerke: So war Jimi Hendrix backstage

Viele namhafte Stars kamen nur ihretwegen in den legendären Beatclub. Im Podcast verrät sie, warum die Miniröcke von damals in der Altkleidersammlung gelandet sind.

Audio vom 30. Oktober 2020
Uschi Nerke
Bild: DPA | Geisler-Fotopress

Zum 75. Jubiläum von Radio Bremen hat sich Moderator Jens-Uwe Krause mit sieben Prominenten unterhalten, die hier Geschichte geschrieben haben. In der letzten Folge der Podcastserie "Früher war mehr Lametta" erinnert sich Uschi Nerke an ihre Zeit als Moderatorin des legendären Beatclub.

Als die Stars noch Newcomer waren

"Ich wollte nur gefallen." Und: "Wir waren nur Freude." Hört man Uschi Nerke über ihre Zeit als Moderatorin der einflussreichsten Musiksendung Deutschlands ihrer Zeit reden, klingt das sehr geerdet, fast bescheiden. Dabei mag man fast erstarren vor Ehrfurcht, wenn man heute die Namen hört, die Uschi Nerke in ihren Sendungen getroffen hat. Frank Zappa, Alice Cooper, The Rattles, The Beach Boys, Cat Stevens, The Doors, Ike und Tina Turner, Santana, Sunny and Cher, T-Rex, The Who.

Eine große Band fehlt jedoch in der Aufzählung. "Die Stones habe ich nie kennengelernt," sagt Nerke, Die waren zwar mal Teil einer Sondersendung, in der ein Konzertmitschnitt lief. "Die Nerke durfte nicht mitfahren. Das Geld fehlte."

Entdeckt von Rudi Carrell, gefördert von Mike Leckebusch

"Ich habe früher in der Kornstraße gewohnt in der Neustadt. Ein bisschen weiter die Straße runter gab es so eine Art Jugendclub. Da habe ich dann einen Typen getroffen, der da mit der Gitarre in der Hand saß und anfing zu singen. Der sang wahnsinnig gut. Ich sang dann mit und plötzlich merkten wir, das passt." So gut, dass sie fortan zusammen tingelten, eine Platte aufnahmen und sogar in der ZDF-Drehscheibe auftraten. Rudi Carrell castete sie für einen Auftritt in seiner Show. Aus dem Auftritt wurde zwar nichts, aber Carrell rief Mike Leckebusch an, der gerade den Beatclub plante: "Bei mir kann sie nicht singen, aber ich glaube, bei Dir kann sie reden."

Ich hatte übrigens keine Ahnung von der Musik.

Uschi Nerke in ihrem Wohnzimmer im Interview.
Uschi Nerke

Bleibende Spuren in Bremen hinterlassen

Was viele nicht wissen: Uschi Nerke hat in Bremen Architektur studiert, Bauzeichnen gelernt und auch sichtbare Spuren im Stadtbild hinterlassen: "Am Wall hatte ich ein wunderschönes Penthouse mit 3 Terrassen und konnte auf den Dom gucken. Das habe ich entworfen, die Bauleitung gemacht und eingerichtet."

Fernsehen war eine wunderbare Abwechslung. Das war ja nur einmal im Monat.

Uschi Nerke in ihrem Wohnzimmer im Interview.
Uschi Nerke

Eine nicht sonderlich lukrative Abwechslung. "Ich habe 300 Mark bekommen. Davon musste ich alles bezahlen: Fahrt, Sprit, Klamotten."

Redakteur Mike Leckebusch hat sie immer angefeuert: "Nun zeig den Mädels mal, wie's denn hier so langgeht modemäßg!" Weil das Geld knapp war, nähte sich Uschi Nerke vieles selbst. "Meine Röcke wurden immer kürzer (lacht)."

Am Ende waren es nur noch Stehröcke. Sitzen ging nicht mehr.

Uschi Nerke in ihrem Wohnzimmer im Interview.
Uschi Nerke

Vieles hat sie aufgehoben. Die kultige Garderobe ist jedoch inzwischen in der Altkleidertonne gelandet. Ihr Mann hat die Klamotten von damals irgendwann weggeschmissen. Nichts ahnend, dass sie heute vermutlich ein Vermögen wert wären und museales Potential hätten.

Jimi Hendrix hat sie ins Herz geschlossen

Gerne erinnert sich Nerke heute noch an Jimi Hendrix, den sie in England getroffen hat. "Ich war hin und weg von ihm: Ich habe noch nie einen so gut erzogenen Menschen kennengelernt wie Jimi Hendrix. Unglaublich höflich, zuvorkommend, liebenswert, nett. Ich kriegte das gar nicht zusammen: Denn wenn der vor dem Mikro stand, war der ganz anders." Die dazugehörende Anekdote: Als er aufs Klo verschwand, verschwand mit ihm seine Gitarre, die er nie irgendwo unbeaufsichtigt liegen ließ.

Freundschaften fürs Leben

Uschi Nerke, Michael Leckebusch, Manfred Sexauer
Musikladen-Dreamteam: Uschi Nerke, Michael Leckebusch und Manfred Sexauer Bild: Radio Bremen | Jutta Vialon

"Nach sieben Jahren Beatclub wollte ich eigentlich aufhören." Doch dann kam der Musikladen. Die schönste Erinnerung daran war der Auftritt 1973 von Legende Albert Hammond, der damals den Hit 'It Never Rains In Southern California' hatte. Das Team saß laut Nerke in der Bildregie und war schon ganz gespannt auf den Mega-Star: "Mein Gott, Albert Hammond kommt heute. Wie der wohl drauf ist: Nase hoch, Nase runter?" Während noch diskutiert wurde, wie arrogant er wohl sein mag, flog plötzlich die Tür auf, ein Mann trat ein, riss die Arme hoch und rief: "Boah, ist das schön, wieder bei euch zu sein! - Erkennt ihr mich denn nicht mehr? Ich war vier Mal bei euch im Beatclub. Mit der Band The Family Dogg." Keiner hatte ihn wiedererkannt. Ohne Bart und Hut.

Das war so schön! Und die Freundschaft ist geblieben.

Uschi Nerke in ihrem Wohnzimmer im Interview.
Uschi Nerke

Zungenbrecher brachte Abmahnung ein

Einmal hat Uschi Nerke in der Anmoderation einer Band den Songtitel vergessen und kommentierte das spontan mit einem "Verdammte Scheiße, mir fällt der Titel nicht ein!". Noch heute kichert sie bei der Geschichte. Und erinnert sich noch lebhaft, das sie lieber im nächsten Loch versunken wäre. Der Kraftausdruck reichte damals für eine Ermahnung. Das hat gesessen – und passierte ihr nie wieder.

Heute tritt sie nach wie vor auf. Sehr gerne in Seniorenheimen – mit der Musik von damals.

Wenn ich heute Veranstaltungen mache, ist es nicht selten, dass alte Damen aus ihrem Rollstuhl aufstehen und sich im Rock'n'Roll-Rhythmus zur Musik bewegen. Das ist eine wunderbare Erkenntnis, das mitzuerleben.

Uschi Nerke in ihrem Wohnzimmer im Interview.
Uschi Nerke

Miss Beatclub: Uschi Nerke

Video vom 27. August 2020
Uschi Nerke in ihrem Wohnzimmer im Interview.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Jens-Uwe Krause

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 30. Oktober 2020, 11:55 Uhr