CDU-Landeschef Jörg Kastendiek ist tot

Der Landesvorsitzende der Bremer CDU und ehemalige Wirtschaftssenator ist nach schwerer Krankheit gestorben. Kastendiek wurde 54 Jahre alt.

Jörg Kastendiek
Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Irgendwie ist Jörg Kastendiek immer ein Mann der Zahlen geblieben. Kalkulator war die offizielle Berufsbezeichnung des Ingenieurs, der neben seinen politischen Ämtern immer wieder in die Welt des Baus zurückgekehrt ist. Zuletzt war er Geschäftsführer in einer Baufirma des Bremer Projektentwicklers Kurt Zech und seit 2017 war er Vorstandsmitglied der Gewosie, der größten Wohnungsgesellschaft im Bremer Norden.

Daneben legte Kastendiek seit jungen Jahren eine Polit-Karriere auf dem Bremer Parkett hin. Nach Stationen beim CDU-nahen Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und der Jungen Union wurde der gelernte Betonbauer 1991 als 27-Jähriger in die Bremische Bürgerschaft gewählt. Unions-Weggefährten waren von jeher Jens Eckhoff, der spätere Bremer Bausenator, und Thomas Röwekamp, heute CDU-Fraktionschef. Dass das Trio jahrzehntelang zusammenhielt, kam nicht von ungefähr.

Wir haben – wie man das so neudeutsch sagt – eine ähnliche Denke. Und wir arbeiten sehr vertrauensvoll miteinander. Das heißt aber nicht, dass man sich in Einzelfällen nicht auch mal die Meinung sagt. Das gehört dazu.

Jörg Kastendiek

Die "Boy-Group", wie sie von Kritikern anfangs hinter vorgehaltener Hand bespöttelt wurde, hatte bis zuletzt Bestand. Kastendiek stieg im Laufe der Jahre in der Partei und in der Fraktion auf und beerbte Eckhoff 2003 als Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft. Jahre harter Arbeit in den Bereichen Umwelt und Häfen lagen da hinter Kastendiek. Was ihm Lob vom damaligen SPD-Fraktionschef Jens Böhrnsen eintrug, der ihn als ihn als verlässlichen und fairen Partner schätzte.

Jörg Kastendiek spricht in einer Bürgerschaftssitzung
Kastendiek gehörte 2004 mit seinen 40 Jahren wie Röwekamp (38) zu den jüngeren Senatoren. Bild: DPA | Ingo Wagner

Als Fraktionsführer leistete sich Kastendiek keine groben Schnitzer. Mit Visionen fiel er allerdings auch nicht auf. So kommentierten politische Beobachter sein Agieren. Gefordert war Kastendiek dann aber, als er überraschend Peter Gloystein als CDU-Senator für Wirtschaft und Häfen ersetzen musste. Sein Vorgänger war über die sogenannte Sekt-Affäre gestürzt. Kastendiek nahm die Herausforderung an. Als die Große Koalition im Bremer Rathaus zwei Jahre später abgewählt wurde, kehrte er ins Parlament zurück.

2012 wurde er schließlich Landeschef der Bremer CDU – erst kommissarisch, dann übernahm er komplett die Führung. Es war das Verdienst von Kastendiek, Ruhe in seine Partei zu bringen, nachdem es lange Zeit Querelen in der Spitze gegeben hatte. Monate und Jahre hatten zuvor die Vorsitzende und Bürgerschaftsspitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann und Fraktionschef Röwekamp sowie ihre jeweiligen Anhänger im Clinch gelegen. Kastendiek befriedete die Lage.

Noch vor kurzem, Ende März – auf dem Programmparteitag der Bremer CDU zur Bürgerschaftswahl – griff der schwerkranke Politiker die Bremer SPD an und konterte deren Behauptung, 20.000 Jobs in Bremen geschaffen zu haben. Es seien Unternehmen, die Handwerker, die Selbstständigen gewesen, die diese Arbeitsplätze geschaffen haben – und nicht die Sozialdemokraten. Und er betonte, dass die Sozialdemokraten an dieser Stelle einen Etikettenschwindel betreiben würden.

Nun ist Kastendieks Stimme verstummt. In den vergangenen Monaten war das Leiden des Politikers unübersehbar geworden. Trotzdem zog er sich erst am Ende aus der Öffentlichkeit zurück. Jörg Kastendiek wurde 54 Jahre alt.

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Der Bremer CDU-Landesvorsitzende Jörg Kastendiek
Bild: CDU Bremen
  • Folkert Lenz
  • Christian Dohle

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Mai 2019, 19:30 Uhr