Interview

Ohne Glaube keine Arbeit bei der Evangelischen Kirche?

Der Landesverband evangelischer Kitas möchte nur Mitglieder einer Kirche einstellen, ob als Putzkraft oder als Küchenhilfe. Lohnt eine Bewerbung auch ohne einer Kirche anzugehören?

Eine Frau hilft Kindern in einem Kindergarten beim Gemüseschälen.
Bild: Imago | Photothek

Auch kirchliche Arbeitgeber hat nur bedingt zu interessieren, woran Bewerber auf ihre Stellen glauben. Das hat der Europäische Gerichtshof kürzlich entschieden. Die Zugehörigkeit zu einer Konfession darf demnach nur dann zur Einstellungsvoraussetzung erhoben werden, wenn dies für die Tätigkeit "objektiv geboten" ist. Doch von der europäischen Rechtsprechung unbeeindruckt fordert die Bremische Evangelische Kirche (BEK) in all ihren derzeit 25 Stellenausschreibungen explizit die Zugehörigkeit zur Kirche von ihren Bewerbern – sogar von Putzkräften und Küchenhilfen. Dazu haben wir drei Fragen an Ingo Kleinhenz, Rechtsberater der Arbeitnehmerkammer Bremen, gerichtet.

Ist das Verhalten der Bremischen Evangelischen Kirche rechtens?
Nein. Die Kirche darf nur bei der Besetzung von Stellen im pastoralen, katechetischen und erzieherischen Bereich sowie bei leitenden Aufgaben die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche verlangen. Es muss somit immer zwischen "verkündungsnahen" und "verkündungsfernen" Tätigkeiten unterschieden werden.
Wie können sich Bewerber, die keiner Kirche angehören, gegen die Ausschreibungstexte der Bremischen Evangelischen Kirche wehren, idealerweise ohne alle Chancen auf die vakante Stelle zu verspielen?
Sie sollten sich trotzdem auf die Stelle bewerben. Wenn die Stelle dann nicht mit ihnen besetzt wird und sie davon ausgehen, dass sie aufgrund der fehlenden Religionszugehörigkeit abgelehnt wurden, kommt immer noch eine Klage auf Entschädigung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Betracht.
Inwiefern steht die Bremer Poltik in der Pflicht, sich einzuschalten, und was sollte die Landesregierung unternehmen?
Es ist nicht Aufgabe von Politik, darauf zu achten, dass sich die Kirche an Recht und Gesetz hält. Das ist vielmehr Aufgabe der Gerichte.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 23:30 Uhr, 30. November 2018