Interview

"Der israelische Staat wird hierzulande häufig verteufelt"

Der Bremer Student Till Schmidt, 28 Jahre, engagiert sich für den deutsch-israelischen Austausch. Was ihn antreibt, erzählt er buten un binnen im Interview.

Israelische und Deutsche Flaggen nebeneinander
Deutsch-israelischer Austausch: Bremen hat seit den 70er Jahren mit Haifa eine israelische Partnerstadt. Bild: Image | Metodi Popow

Mit Musik, Tanz und Gesprächen wird heute auf dem Marktplatz die Gründung Israels vor 70 Jahren gefeiert. Mit dabei sind mehrere Gruppen, darunter die jüdische Gemeinde und die Deutsch-Israelische Gesellschaft, bei der auch der Politikstudent Till Schmidt Mitglied ist.

Herr Schmidt, warum engagieren Sie sich im Jungen Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG)?
Als ich nach dem Abitur das erste Mal nach Israel gereist bin, habe ich gemerkt, dass das, was ich dort im Kontakt mit den Menschen erlebe, häufig sehr anders ist als die Darstellung von Israel hier in Deutschland. Der israelische Staat wird hierzulande häufig verteufelt, delegitimiert und mit doppelten Standards bemessen. Oder nur auf den "Nahostkonflikt" verengt – einen Begriff, den ich übrigens kritisch sehe, denn es gibt in der Region auch sehr viele andere Konflikte. Israel ist aber zum Beispiel auch ein multikulturelles Einwanderungsland, was sich auch bei spannenden Musikbands zeigt. Oder die kreative Start-Up-Nation. Der USB-Stick wurde beispielsweise in Israel erfunden.

Daneben spielen für mein Engagement demokratische Werte ein Rolle. Israel ist die einzige Demokratie in einer Region, die geprägt ist von Hass und Intoleranz. Außerdem kämpfen wir beim Jungen Forum gegen Antisemitismus und Antizionismus, also das Aberkennen des Rechtes auf einen eigenen jüdischen Staat. Ich habe das Gefühl, mit meinem Engagement kann ich auch ein bisschen etwas bewegen.
Die DIG organisiert auch Reisen nach Israel, Bremen hat mit Haifa eine israelische Partnerstadt. Was bewirken solche Austauschprogramme?
Es ist immer gut, nicht nur über Israel zu sprechen, sondern auch mit Israelis. Dieser Dialog kann bewirken, dass man sich auf Menschen einlässt und die eigene Haltung bereichert wird. Es gibt ja nicht die eine israelische Perspektive, sondern sehr viele verschiedene. Das wird in Deutschland gerne ausgeblendet, wo meist sehr vereinfachend und negativ auf Israel geblickt wird.

Und es ist spannend zu erfahren, was die Menschen vor Ort eigentlich bewegt – und dabei auch Gemeinsamkeiten zu entdecken. Die Realitäten gerade von jungen Leuten liegen gar nicht immer so weit auseinander, wie manche denken.
Blick über den Hafen und Teile der Stadt von Haifa
Die israelische Hafenstadt Haifa kooperiert als Partnerstadt mit Bremen, etwa mit gemeinsamen Begegnungsprojekten. Bild: DPA | Alexandre Rotenberg
Ein weiteres Ziel der DIG ist es, die Erinnerung an die Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten aufrecht zu erhalten. Warum ist das heute noch relevant?
Das ist einfach ein Teil der deutschen Geschichte, und dem sollte man sich stellen – ganz unabhängig von der eigenen Familiengeschichte. Allerdings gibt es auch die Gefahr, dass wir hier in Deutschland nur über tote Juden sprechen, und das vor allem nur an den Gedenktagen. Dabei gibt es aktuell ein blühendes jüdischen Leben in Deutschland, es gibt einen Staat Israel. Es ist wichtig die Erinnerungskultur mit Leben zu füllen, indem man wirklich in einen Austausch tritt.

Junge Bremer in Israel

Eine Stadt Israels im Hintergrund
  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: Radio Bremen Eins, Der Tag, 17. Mai 2018, 23:20 Uhr