Inseln in Nord- und Ostsee wegen Corona abgeriegelt

  • Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sperren Inseln
  • Nur wer auf Inseln lebt oder arbeitet kommt noch hin
  • Urlauber auf den Inseln werden gebeten, den Heimweg anzutreten
Eine Fähre legt bei ruhiger See an einem Anleger an.
Die deutschen Inseln in Nord- und Ostsee sind bis auf Weiteres für Besucher abgeriegelt. (Archivbild) Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Touristen auf dem Weg nach Borkum sind am Montag wegen der Coronavirus-Krise an der Fähre in Emden abgewiesen worden. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hatten sich am Tag zuvor darauf verständigt, die Inseln in der Nord- und Ostsee für Gäste zu sperren. An der Fähre wurden beim Ticketverkauf unter anderem Ausweise kontrolliert – nur wer auf der Insel lebt oder arbeitet, durfte zusteigen. "Wir sind noch am Sortieren, die Entscheidung wurde ja gestern erst spät verkündet", sagte Fährbetriebsleiter Hans-Jörg Oltmanns.

Es wird sich erst noch zeigen, ob eventuell auch Polizei kommen wird, um das durchzusetzen.

Fährbetriebsleiter Hans-Jörg Oltmanns

Grund für die Abriegelung ist, dass die Gesundheitssysteme der Inseln nicht auf eine größere Zahl von mit dem Coronavirus infizierten Menschen vorbereitet sind. Urlauber, die bereits auf einer der Inseln Quartier bezogen haben, werden gebeten, den Heimweg anzutreten. "Wir mussten bis jetzt ein Pärchen abweisen und zwei Autofahrer", sagte Fährbetriebsleiter Oltmanns am Morgen. "Jetzt ist es noch ruhig, wir sind in der Winterperiode." Die Betroffenen hätten sehr verständnisvoll reagiert.

Aus gesundheitlicher Sicht ist das die richtige Entscheidung, aus touristischer der Super-Gau.

Marcel Fangohr (parteilos), Bürgermeister von Wangerooge

Auf Wangerooge gebe es nur einen beziehungsweise vom kommenden Monat an zwei Ärzte, sagte Fangohr. "Für 10.000 Gäste ist das zu wenig." Im Falle gehäufter Infektionen "werden wir das nicht stemmen können". Als Grund für die Abriegelung wurde zuvor genannt, dass die Gesundheitssysteme der Inseln nicht auf eine größere Zahl von mit dem Coronavirus infizierten Menschen vorbereitet sind. Die Maßnahme dient damit sowohl dem Schutz der Inselbevölkerung als auch dem Schutz der Gäste.

Fangohr geht davon aus, dass die Abriegelung nicht nur zwei Wochen, sondern möglicherweise länger dauern wird. Er kündigte an, den Tourismusbetrieben solle vor allem in bürokratischer Hinsicht geholfen werden – "wir unterstützen im Antragswirrwarr".

Touristensperre bis in die Osterferien würde wird weh tun

Sollte die Touristensperre bis in die Osterferien hineinreichen, könnte sie allerdings zu einem wirtschaftlichen Problem nicht nur für die Reederei AG Ems werden. "Am Ende ist Tourismus das, wovon wir alle leben", sagte Oltmanns. Haukeline und Jürgen Zander vermieten Ferienwohnungen auf Borkum. "Das werden wir zu spüren bekommen, das wird wehtun", sagte der 70-jährige Zander. Als Insulaner dürfen sie auf die Fähre, ihre Freunde aus der Nähe von Bremen müssen sie aber zurücklassen. Die hatten eigentlich für fünf Tage zu Besuch mitkommen wollen.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 16. März 2020, 19:30 Uhr