Down-Syndrom: Enno ist ein Wunschkind

Claudia und Kristian Büttner aus dem Bremer Umland haben sich bewusst für ihr Kind entschieden. Trotz Diagnose "Trisomie 21" und zur Verwunderung ihres Umfelds.

Eltern mit einem Downsyndrom-Baby auf dem Arm (Symbolbild).
Der 21. März ist jedes Jahr Welt-Down-Syndrom-Tag, weil bei Menschen mit Down Syndrom das 21. Chromosom drei Mal vorhanden ist. Bild: Imago | Design Pics

Claudia Büttner erinnert sich noch ganz genau. Es war in der 16. Schwangerschaftswoche, die Nackenfaltenmessung stand an – eine ganz normale Untersuchung. "Und da hat der Arzt mir gesagt, dass es sein kann, dass ich ein Kind mit Trisomie 21 erwarte oder eventuell noch was Schlimmeres. Da war ich erstmal geschockt und musste das verarbeiten." Ihrem Mann Kristian ging es genauso.

Meine Frau kam nach Hause und hat es mir gesagt – na ja – freier Fall ins Loch.

Kristian Büttner, Vater von Enno

Das Warten auf die Fruchtwasseruntersuchung

Das Paar aus Weyhe entschied sich für eine Fruchtwasseruntersuchung. Sie wollten wissen, ob ihr Kind mit einer Behinderung auf die Welt kommen wird. Claudia Büttner erinnert sich, dass am Abend der Untersuchung die Sendung "Quarks und Co" geguckt hat. Da lief ein Film über das Leben mit Down-Syndrom: "Das war wie ein Zeichen. Am nächsten Tag haben wir das Ergebnis bekommen, dass es so ist. Dann haben wir uns angezogen – wir waren natürlich sehr traurig – und sind erstmal in den Wald gefahren und spazieren gegangen. Aber für uns stand fest, Enno kommt."

Als sich Kristian Büttner an diesen Tag erinnert, hat er Tränen in den Augen: "Aber nur, weil ich vielleicht einen Tag oder ein paar Stunden drüber nachgedacht habe, ihn nicht zur Welt kommen zu lassen. Wenn ich daran denke, kommen mir die Tränen. Dafür schäme ich mich."

Letzte Gewissheit gab ein Besuch

Bevor sie sich entschieden, haben Büttners eine Familie mit einem behinderten Kind besucht. "Nach dem Gespräch ging die Sonne auf", sagt Kristian Büttner. Die Familie hätte ihnen erzählt, wie schön ihr Leben sei. "Das war sehr positiv und ausschlaggebend", erzählt Claudia Büttner.

Was die beiden erschreckt hat, waren die ersten Reaktionen von Freunden. Sätze wie "Tut euch das nicht an" oder "Du bist doch bescheuert, wenn du das kriegst" hätten sie damals sehr verletzt. Bessere Ratgeber seien fremde Menschen. "Auch Verwandte denken nicht objektiv. Die sorgen sich um einen und denken dann vielleicht gar nicht ans Kind."

Wenn Eltern diese Nachricht bekommen, dass mit ihrem Kind wohl was nicht stimmt, dann sind die schlechtesten Berater eigentlich Verwandtschaft oder Freunde.

Kristian Büttner, Ennos Vater

Sobald Claudia und Kristian sich für Enno entschieden haben, konnten sie die Schwangerschaft wieder genießen. Die Geburt sei wunderschön gewesen, erinnert sich Kristian Büttner. Und das Leben seitdem auch: "Also wenn Liebe da ist, dann ist das alles gar kein Problem. Dann ist das genauso wie in jeder anderen Familie auch. Dann wird geliebt, gestritten. Und alles ist normal."

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  • Claudia Scholz

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 19. März 2019, 7:10 Uhr