Infografik

Corona-Regeln stoppen Grippe – aber Bremer Experten raten zur Impfung

Zwei Monate früher als sonst hat das RKI die Influenza-Saison beendet. Auch in Bremen sank die Zahl der Infektionen früh. Reichen Masken und Abstandsregel als Schutz aus?

Eine junge Frau liegt krank im Bett, auf dem Nachttisch steht ein Glas Wasser und daneben Schmerztabletten.
Vor allem die Kontaktbeschränkungen haben die Grippewelle frühzeitig beendet. Bild: Imago | photothek

Maske tragen und Abstand halten: Diese Maßnahmen haben die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland und auch in Bremen verlangsamt. Doch das Coronavirus ist nicht das einzige Virus, das sich über Teilchen in der Luft verbreitet: Auch die Influenzaviren, also die Verursacher der Grippe, verteilen sich so – und lassen sich anscheinend ebenfalls durch die Infektionsschutzmaßnahmen aufhalten.

Das zeigt der Verlauf der vergangenen Grippesaison 2019/20: Im Normalfall dauert die Saison laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) von der 40. Kalenderwoche bis zur 20. Kalenderwoche – also von etwa Anfang Oktober bis Mitte Mai. In diesem Jahr erklärten die Experten die Saison allerdings schon acht Wochen früher für beendet – etwa Mitte März. Es gab keine Grippe-Fälle mehr, wohl wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, vermutet das RKI in seiner Begründung.

Auch in Bremen Grippe-Saison früher beendet

Im Land Bremen wurden zuletzt insgesamt 383 Menschen positiv auf Influenzaviren getestet. Damit gab es etwa genauso viele offiziell bekannte Fälle wie ein Jahr zuvor, in der Saison 2018/19. Damals waren es 397 Fälle. Allerdings geht das Gesundheitsressort davon aus, dass es durch die Corona-Maßnahmen auch hier eigentlich weniger Grippe-Fälle gab. Weil aber deutlich mehr Tests durchgeführt wurden, seien mehr Fälle entdeckt worden – das verzerre das Bild.

Dennoch: Das frühere Ende der Grippesaison lässt sich auch an den Bremer Zahlen ablesen. So traten in der dritten Märzwoche mit 60 infizierten Menschen die meisten Grippefälle auf. In den darauffolgenden zwei Wochen fiel die Zahl der Fälle steil ab. Anfang April gab es nur noch zehn neue Grippefälle. Dagegen waren die Infektionszahlen in der Saison 2018/19 deutlich langsamer zurückgegangen.

Influenza-Infektionen im Land Bremen

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Mit Blick auf den Kalender zeigt sich, dass dieser starke Rückgang an Infektionen genau dann stattfand, als im Land Bremen die Kontaktbeschränkungen eingeführt und das öffentliche Leben größtenteils heruntergefahren wurde. Außerdem mussten ab dem 16. März alle Schulen und Kitas schließen.

Ich vermute, dass gerade die Schließungen der Kitas einen großen Einfluss hatten. Gerade bei Influenza spielen Kinder eine große Rolle als Überträger.

Andreas Dotzauer, Virologe an der Uni Bremen

Masken statt Impfungen gegen Grippevirus?

Ob auch die Maskenpflicht gegen die Ausbreitung der Grippe geholfen hat, lässt sich an den Bremer Zahlen nicht erkennen – als sie gegen Ende April eingeführt wurde, war die Grippe durch die anderen Maßnahmen bereits eingedämmt. Allerdings geht der Virologe davon aus, dass Masken generell auch gegen eine Grippewelle helfen können. Schließlich verbreiten sich die Influenzaviren über Aerosole und Tröpfchen, die zum Beispiel beim Husten und Niesen freigesetzt werden – genauso wie die Coronaviren.

Deswegen in Zukunft auch in der Grippesaison generell Masken zu empfehlen, lehnt Dotzauer allerdings trotzdem ab. In besonders heftigen Grippewellen könne man darüber nachdenken. Viel wichtiger sei es aber, dass die Menschen sich gegen die Grippe impfen lassen – gerade mit Blick auf die kommende Saison. "Ansonsten könnte es zu Co-Infektionen mit Corona und der Grippe kommen", warnt der Virologe. Und was das für Auswirkungen auf den Körper hat, das wisse keiner.

Dass Impfungen zu empfehlen sind, betont auch Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts. "Wenn im Herbst wieder mehr Corona-Fälle auftreten, sollen die Krankenhäuser und Ärzte und Ärztinnen nicht auch noch mit einer hohen Grippewelle belastet werden", gibt er zu bedenken.

So bereiten sich Bremens Kliniken auf eine mögliche zweite Welle vor

Video vom 3. August 2020
Der Eingangsbereich des Klinikums Bremen Mitte.
Bild: Radio Bremen

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 6. August 2020, 23:30 Uhr