Fragen & Antworten

So sollen die Impfzentren in Bremen und Bremerhaven funktionieren

In der Halle 7 in Bremen und in der Bremerhavener Stadthalle sollen möglicherweise schon ab Mitte Dezember Menschen gegen Corona geimpft werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Impfsituation (Symbolbild)
Bis im Land Bremen die ersten Corona-Impfungenn vorgenommen werden können, muss das Gesundheitsressort eine logistische Mammutaufgabe stemmen (Symbolbild). Bild: Imago | Ukrinform/Inna Borodaieva
Wo werden die Impfzentren im Land Bremen eingerichtet?
In der Stadt Bremen soll die Halle 7 auf der Bürgerweide als Impfzentrum genutzt werden, teilt das Gesundheitsressort mit. Ab Mitte Dezember sollen dort Impfungen mit dem neuen Corona-Imfpstoff möglich sein. Bis dahin müssen die logistischen Voraussetzungen geschaffen werden. Die Messehalle biete ausreichend Fläche, zudem sei sie verkehrstechnisch gut erreichbar. Wie viele Menschen dort pro Tag geimpft werden können, hänge vor allem von der Menge des gelieferten Impfstoffs ab, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts. Eine Impfung dauert in der Theorie circa vier Minuten.
Gute Erreichbarkeit und ausreichend Fläche führt auch Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) als Gründe für die Wahl der Stadthalle als neues Impfzentrum für Bremerhaven an. Dort sollen bis zu 300 Bürgerinnen und Bürger täglich geimpft werden können. Das Impfzentrum soll "möglichst bis Ende Dezember" eingerichtet sein, heißt es von Seiten des Bremerhavener Krisenstabs - sollte der Impfstoff eher verfügbar sein, auch früher.
Zusätzlich will der Senat, mobile Impfteams einrichten, die beispielsweise in Pflegeeinrichtungen fahren können, um die Bewohnerinnen und Bewohner zu impfen. In Krankenhäusern könnten beispielsweise die Betriebsärzte die Impfungen des Personals vornehmen, sagt Fuhrmann, sodass nicht alle Impfungen über die Impfzentren abgewickelt werden müssen.
Wer wird als erstes geimpft?
Gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission würden zuerst besonders gefährdete Gruppen und medizinisches Personal geimpft. In der sogenannten Phase 1 ginge es nicht um die Impfung der breiten Bevölkerung, sondern um Personen, die entweder im Erkrankungsfall besonders gefährdet sind, einen schweren Verlauf zu haben, oder durch ihre Arbeit häufig mit dem Virus in Kontakt kommen. "Wir werden also in den kommenden Wochen zuerst beispielsweise in Pflegeeinrichtungen und Kliniken impfen", so Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Eine weitere Verfeinerung der Impf-Empfehlungen werde für kommende Woche erwartet. Bernhard warnt allerdings vor zu viel Optimismus angesichts der fortschreitenden Entwicklung eines Impfstoffs: "Wir rechnen zu Beginn nur mit einer geringen Anzahl verfügbarer Impfdosen."
Wer nimmt die Impfungen in den Impfzentren vor?
Das ist noch nicht final geklärt, sagt Fuhrmann auf Nachfrage von buten un binnen. Es gäbe verschiedene Optionen, die Impfzentren personell auszustatten, das Ressort führe unter anderem Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung. "Wir brauchen ärztliches Personal, zusätzliches medizinisches Personal, Verwaltungspersonal", zählt Fuhrmann auf – Bereiche, in denen Fachkräfte ohnehin knapp sind.
Wer organisiert die Logistik rund um die Impfzentren?
Bei der Organisation hat das Bremer Gesundheitsressort den Hut auf. Die Einrichtung der Impfzentren birgt Herausforderungen, so müssen beispielsweise die Voraussetzungen geschaffen werden, den Impfstoff bei circa -70 Grad zu lagern. Dazu sind schon spezielle Container angeschafft worden, weitere sollen folgen, sagt Ressortsprecher Fuhrmann. Ein Knackpunkt ist auch der Transport, dazu sei man im Gespräch "mit verschiedenen Partnern". Auch hier gibt es noch Unwägbarkeiten, da noch nicht klar ist, wie lange der Impfstoff theoretisch außerhalb der starken Kühlung gelagert werden kann, bis er benutzt wird. Weitere Informationen zur Organisation der Impfzentren will das Gesundheitsressort in der kommenden Woche bekanntgeben.
Wie wird die Einrichtung der Impfzentren finanziert?
Fürs Erste hat der Bremer Senat ein Budget von 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, damit das Gesundheitsressort handlungsfähig ist, also zum Beispiel Tiefkühlcontainer kaufen kann. Der Bund ist für die Beschaffung und Finanzierung des Impfstoffs zuständig und steuert zu einem der beiden Impfzentren die Hälfte der Kosten bei, so Fuhrmann. Wie viel das Ganze Bremen im Endeffekt kostet, ist allerdings noch völlig unklar – allein schon, weil offen ist, wie lange die Impfzentren in Betrieb sein werden.
Wann kann damit gerechnet werden, dass ein größerer Teil der Bremer Bevölkerung geimpft werden kann?
Das ist laut Fuhrmann vollständig abhängig von der Lieferung des Impfstoffs. Bislang sei unklar, wann der Impfstoff kommt und wie viel im Dezember nach Bremen geliefert wird, sprich wie viele Menschen pro Tag geimpft werden können. Gesundheitssenatorin Bernhard drückte Verständnis für die großen Hoffnungen aus, die in die Impfungen gesetzt würden. "Gleichzeitig dürfen wir aber die Erwartungshaltung nicht zu hochschrauben: Der gesamte Prozess des Impfens wird uns viele Monate begleiten, die Pandemie ist mitnichten vorbei". Im weiteren Verlauf werde neben den Impfzentren und den mobilen Impfteams auch eine Impfung über niedergelassene Ärztinnen und Ärzte angestrebt.
Müssen Bremerinnen und Bremer damit rechnen, dass eine Impfung auf lange Sicht Pflicht wird?
"Nein, es wird auf gar keinen Fall eine Impfflicht geben", stellt Fuhrmann klar. Es gehe um Aufklärung und Verständnis, nicht um Zwang.

Arztpraxis in Stuhr erprobt Corona-Impfstoff

Video vom 10. November 2020
Eine Person, die am Oberarm geimpft wird.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Greta Block Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. November 2020, 19:30 Uhr