Kita-Hausverbot für Impfgegner in Bremen gefordert

  • Kassenärztliche Vereinigung Bremen will verstärkt gegen Impf-Gegner vorgehen
  • Nicht geimpfte Kinder sollten demnach keine Kita besuchen dürfen
  • Politiker lehnen Impf-Zwang ab
Impfung in den Arm
Impfen oder nicht? Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen will gegen Impfgegner vorgehen. Bild: Techniker Krankenkasse

Ein kleiner Pieks mit großer Wirkung: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt mangelnde Impfbereitschaft zu den aktuell größten Gesundheitsrisiken weltweit. Sie drohe die Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten zunichte zu machen. Weltweit könnten 1,5 Millionen Todesfälle durch rechtzeitige Impfungen verhindert werden, so die WHO. Je weniger Menschen jedoch geimpft seien, umso leichter breiteten sich Krankheiten aus, die eigentlich ausgerottet werden könnten, warnt die Weltgsundheitsorganisation.

Hausverbot für Impfgegener in Bremen gefordert

Dr. med. Jörg Hermann
Jörg Hermann ist Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen. Bild: Kassenärztliche Vereinigung Bremen

Gemeinsam gegen Impfgegner vorgehen, das fordert der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bremen Jörg Hermann.

"Eine Impfpflicht geht zu weit", sagte er zu buten un binnen. Doch seine Forderungen sind deutlich: Nicht geimpfte Kinder sollen Kitas und allgemeine Schulen nicht besuchen dürfen, Praxen sollten Impfgegner nicht mehr behandeln. Praxisinhaber seien Herren ihres Hauses und könnten das durchsetzen, so Hermann. Die KV würde diesen Ärzten keine Steine in den Weg legen. Allerdings sind Kassenärzte in der Regel verpflichtet, alle Patienten zu behandeln.

Nicht zu impfen ist eine Rücksichtslosigkeit der Eltern und gefährdet andere Kinder.

Jörg Hermann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen

Millionen Euro werden laut der KV Bremen für die Behandlung von Kranken ausgegeben. Das Impfen zu vernachlässigen, sei dumm und müsse sanktioniert werden. Das Risiko der Impfung sei um ein Vielfaches geringer als das Risiko der Krankheit, so der Vorstandsvorsitzende. Das gelte für Masern, Mumps, Röteln, Diphterie, Tetanus, und Kinderlähmung.

Politiker lehnen Impfpflicht ab

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD in der Bremischen Bürgerschaft, Stephanie Dehne, ist eine absolute Impfbefürworterin, erzählt sie im Gespräch mit buten un binnen. Allerdings hält sie Sanktionen bei Verstößen gegen eine mögliche Impfpflicht für schwierig. In Bremen sei die Impfpflicht zur Zeit auch nicht notwendig, weil es eine gute Impfquote gebe. Komme es aber zum Beispiel zu einem Masernausbruch, müsse man das neu besprechen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, Nima Pirooznia, lehnt einen Impfzwang ab. "Verbote und Zwänge sind nicht der richtige Weg." Er fordert mehr Aufklärung und darum auch mehr Personal für das Gesundheitsamt. Dort sollte die Impf-Aufklärung angesiedelt sein. Bei den Masern habe sich gezeigt, dass Aufklärung funktioniere. Die Quote sei von 62 Prozent auf 98 Prozent gestiegen. Man müsse auch das Argument bedenken, dass geimpfte Menschen auch die nicht geimpften schützen würden. Wichtig sei, für alle Impf-Kampagnen das Gesundheitsamt mit den nötigen Mitteln auszustatten.

Rainer Bensch, der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, will auf keinen Fall eine Impfpflicht. Deutschland sei eine freiheitliche Gesellschaft. Er will die Aufklärung verstärken. Das sollen Hebammen, Kinderärzten und Beratungsstellen deutlich stärker als zur Zeit machen. Es müsse dabei klar sein, dass es nicht nur um den Schutz des eigenen Kindes gehe, sondern auch um den globalen Aspekt. Nur wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft seien, könne man einen Ausbruch bestimmter Krankheiten verhindern.

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  • Carola Schwirblat

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 7. März 2019, 23:30 Uhr