So lief der Corona-Impfstart in der Bremer Messehalle

Im Impfzentrum auf der Bürgerweide wurden heute die ersten Bremerinnen und Bremer gegen Corona geimpft. Vorerst sollen hier aber nur wenige Personen die Impfung bekommen.

Video vom 28. Dezember 2020
Ein rotes Schild mit der Aufschrift "Impfen, Vaccination, Vaccination". Im Hintergrund wird jemand geimpft.
Bild: Radio Bremen

"Einmal bitte zum Check-In 2". Der Satz der jungen Dame am Eingangsbereich klingt ein wenig nach Flughafen-Durchsage. Doch schon im nächsten Moment ist dieser kurze Gedanken verflogen: "Herzlich willkommen im Impfzentrum" wird Elvira Bäumer-Hees von einem jungen Mann am Check-In begrüßt. Die 68-Jährige gehört zu den ersten Bremerinnen und Bremern, die am Montag im neu entstandenen Impfzentrum auf der Bürgerweide gegen das Coronavirus geimpft werden.

Bereits einen Tag zuvor waren bundesweit die Impfungen gestartet. In Bremen wurden am Sonntag rund 500 Menschen in sechs verschiedenen Pflegeinrichtungen geimpft. Bewohner und Pflegekräfte sind die Ersten, die geimpft werden sollen. So sieht es der stufenweise Impfplan vor. 14 mobile Impfteams sind dafür jetzt im Einsatz. Um diese zu entlasten, wird Pflegepersonal – vor allem aus dem ambulanten Bereich – ab jetzt auch in der Messehalle geimpft.

Impfung zum Schutz anderer

So wie Elvira Bäumer-Hees, die in einer Tagespflege-Einrichtung in Bremen-Vegesack arbeitet. Zum Termin heute hat sie verschiedene Unterlagen mitgebracht: Impfausweis, Aufklärungs- und Anamnesebogen, der eventuelle Vorerkrankungen dokumentiert, und natürlich die Versichertenkarte. Beim Check-In wird diese zunächst einmal eingelesen, die weiteren Unterlagen abgefragt. Dann gibt es für Bäumer-Hees einen Laufzettel. Auf dem wird der weitere Ablauf im Impfzentrum erklärt.

Nach dem Check-In geht es für die Pflegerin in den Wartebereich. An Heiligabend sei sie von ihrem Arbeitgeber gefragt worden, ob sie sich impfen lassen möchte, erzählt die 68-Jährige. Und sie habe sofort zugesagt.

Jeder möchte doch, dass Corona aufhört, dann muss man auch etwas tun.

Elvira Bäumer-Hees, Geimpfte

Außerdem gehe es ja auch darum, die älteren Menschen zu schützen. "Manchmal hatte ich bei der Arbeit schon Angst, dass ich ihnen das Virus bringen könnte."

Zusammen mit Elvira Bäumer-Hees werden an diesem Tag sieben weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Vegesacker Pflegeeinrichtung geimpft. Zum offiziellen Auftakt sind auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) erschienen.

Laut Bürgermeister Bovenschulte komme dem Impfzentrum in der aktuellen Situation eine wichtige Bedeutung zu: "Einer der zentralen Bausteine in der Bekämpfung der Pandemie ist das Impfen." Daher gehe es jetzt darum, den Impfstoff schnell unter die Leute zu bringen. "Und das machen wir hier mit dem Impfzentrum", so Bovenschulte.

Wer wird wann gegen Corona geimpft?

Video vom 27. Dezember 2020
Eine Grafik mit der Überschrift "Wer wird wann gemipft?". Zu sehen sind Spritzen, im Hintergrund die Umrisse von Bremen und Bremerhaven sowie die Zahl "4875".
Bild: Radio Bremen

Zudem werde aber auch dringend mehr Impfstoff benötigt: "Die Produktion muss hochgefahren werden. Wir brauchen mehr Impfstoff, nicht nur hier in Bremen, sondern für alle."

Impfstoff noch knapp bemessen

Für das Land Bremen stehen zum Start der Impfungen etwa 5.000 Dosen zur Verfügung. Weitere 40.000 sollen im Januar bereit stehen. Eventuell könnten es noch mehr sein, stellt Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard beim Pressetermin im Impfzentrum vorsichtig in Aussicht: "Heute Nachmittag gibt es eine weitere Video-Schalte mit dem Bundesgesundheitsminister, in der auch die Zulassung eines weiteren Impfstoffs Thema sein soll", so Bernhard.

Eine der rund 5.000 Impfdosen wird gleich bei Elvira Bäumer-Hees in den Oberarm gespritzt. Doch bevor es soweit ist, geht es erst einmal vom Wartebereich weiter zum Arztgespräch. Ein junger Mediziner informiert die 68-Jährige über mögliche Nebenwirkungen wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit, die durch die Impfung hervorgerufen werden können. In dem Gespräch geht es aber auch darum, ob die Pflegerin Medikamente nimmt, bestimmte Allergien hat. Alles nicht der Fall bei Elvira Bäumer-Hees. Für sie geht es jetzt in den Impfbereich.

Eine Frau wartet auf ihre Impfung.
Nach dem Check-In und dem Arztgespräch wartet Elvira Bäumer-Hees auf ihre Impfung. Bild: Radio Bremen | Catherine Wenk

Neben einer großen Liege wartet hier schon Stefan Borchhardt. Eigentlich arbeitet der Notfallsanitäter in der Leitstelle oder im Rettungswagen. Jetzt hilft er zwischendurch noch im Impfzentrum aus. Für ihn keine große Sache: "Für mich ist das selbstverständlich zu helfen. Und ich tue hier ja etwas, was für die Allgemeinheit wichtig ist." Spektakulär sei das Impfen ja nicht, sagt Borchhardt, aber an diesem Tag ist er dann doch etwas aufgeregt: "Wir sind ja die Ersten, die das jetzt durchführen und dann sind heute noch so viele Kameras und Journalisten dabei", sagt er.

Der Impfstoff wird vor Ort verdünnt

Elvira Bäumer-Hees hat mittlerweile schon auf der Liege Platz genommen und den Oberarm frei gemacht. Vorsichtig desinfiziert Stefan Borchhardt eine kleine Stelle darauf, dann dreht er sich um und wendet sich dem kleinen Tablett zu, auf dem fünf Spritzen bereit liegen. Darin: der Impfstoff des deutschen Unternehmens "Biontech" und seiner US-Partners "Pfizer".

Bevor der Impfstoff gespritzt werden kann, muss er noch entsprechend verdünnt werden. Das geschieht vor Ort, in einem extra abgetrennten Bereich des Impfzentrums. Borchhardt und seine Kollegen bekommen die komplett fertigen und damit "impfbereiten" Spritzen.

Eine davon setzt der Notfallsanitäter nun am Oberarm von Elvira Bäumer-Hees an: Ein kurzer, schneller Einstich, Borchhardt drückt die Flüssigkeit aus der Spritze in den Arm der 68-Jährigen. Es dauert nur einen kurzen Augenblick, dann ist alles vorbei – und Elvira Bäumer-Hees geimpft. Direkt nach Hause soll sie aber noch nicht. Nach dem Impfen geht es für alle noch etwa 15 Minuten lang in die sogenannte Ruhezone.

Auch wenn das Bremer Impfzentrum an diesem Tag offiziell eröffnet wird: "In den nächsten Tagen wird hier noch wenig Betrieb herrschen", sagte Lukas Fuhrmann, Pressesprecher des Bremer Gesundheitsressort. Denn die wenigen zu Verfügung stehenden Impfdosen würden vorrangig von den mobilen Teams direkt in den Alten- und Pflegeeinrichtungen verwendet. Langfristig aber sollen in der Messehalle auf der Bürgerweide bis zu 1.500 Menschen täglich geimpft werden.

Auch die Bundeswehr hilft im Impfzentrum

Die Kapazitäten vor Ort, etwa was das medizinische Personal betrifft, werden daher immer wieder auf die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Betrieben wird das Impfzentrum von den Johannitern. 15 Ärztinnen und Ärzte sind momentan im Impfzentrum und in den mobilen Teams im Einsatz. Auch die Bundeswehr unterstützt mit zehn Soldaten, von denen vier auch impfen dürfen.

Ab Januar sollen in der Messehalle dann nicht mehr nur Pflegekräfte, sondern auch Krankenhaus-Personal, das Kontakt mit Corona-Patienten hat, sowie Menschen, die älter als 85 Jahre sind und nicht in Pflegeeinrichtungen leben, in der Messehalle geimpft werden. Für diejenigen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, soll es dann auch einen Fahrdienst geben. Vor Ort stehen zudem Rollstühle bereit. Außerdem können ältere Menschen auch Unterstützung beim Gang durch die einzelnen Stationen erhalten.

Für Elvira Bäumer-Hees ist der Impftermin nun erledigt, zumindest der erste. In etwa drei Wochen wird sie für die zweite Corona-Impfung ein weiteres Mal ins Impfzentrum kommen. Die zweite Impfung ist nötig, um sicherzustellen, dass sich der Schutz vor dem Virus auch wirklich im Körper aufgebaut hat. "Ich fühle mich ein bisschen erleichtert, die erste Impfung habe ich jetzt schon hinter mir", sagt Bäumer-Hees. Aber sie weiß auch, das mit der Normalität wird noch dauern: Maskenpflicht, Abstandsregeln, Kontaktbeschränkungen, das gilt weiterhin, auch für sie: "Das hier ist ja nur ein Anfang. Es müssen sich noch viel mehr Menschen impfen, damit das mit Corona aufhört."

So verliefen die ersten Corona-Impfungen in Bremen

Video vom 27. Dezember 2020
Eine Seniorin die am Arm geimpft wird.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Dezember 2020, 19:30 Uhr