Infografik

Was Wohnraum in Bremen und Bremerhaven vor 20 Jahren und heute kostet

Video vom 30. Mai 2021
Das Wohngebäude Seaside Vision an der Weser in Bremerhaven
Bild: Imago | imagebroker
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Bauland, Häuser und Wohnungen sind für viele unbezahlbar, auch die Mieten steigen. Doch die Preise des Bremerhavener Wohnungsmarktes bewegen sich im Zick-Zack. Warum?

Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, eine Immobilie zu kaufen, ist auch für Experten oft nur schwer zu beantworten. Eine Sache steht für Marco Kewes, dem Vorsitzenden des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Bremerhaven, jedoch fest: Hinterher ist man immer schlauer. "Vor zehn Jahren wäre man wahrscheinlich für verrückt erklärt worden so viel Geld für ein Haus oder eine Wohnung in Bremen oder Hamburg auszugeben", sagt Kewes. Heute denke man sich: 'Hätten wir es mal gemacht', so Kewes.

Ein Blick auf die Entwicklung der durchschnittlichen Bremerhavener Kaufpreise für Einfamilienhäuser der letzten 20 Jahre bestätigt seinen Eindruck: Während die Kaufpreise lange auf ähnlichem Niveau lagen, haben sie sich dann sogar in nur zehn Jahren fast verdoppelt. Gleiches gilt für die Kaufpreise Bremer Reihenhäuser. Kostete ein Reihenhaus in der Stadt Bremen 2010 im Schnitt noch 144.054 Euro, waren es 10 Jahre später 279.297 Euro. Die Zahlen des Grundstückmarktberichts, der jährlich für Bremen und Bremerhaven erscheint, zeigen einen typischen Trend: nahezu ausnahmslos steigenden Preise ab 2011.

Preisentwicklung bei Verkäufen bebauter Grundstücke in Bremen und Bremerhaven

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Klaus Bode leitet den Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Bremen und will den rasanten Anstieg der Preise ab 2011 weder bewerten, noch interpretieren. "Wir werten die Kaufverträge aus und bilden die Realität ab", sagt Bode. 2020 waren das 7.035 Kaufverträge über Immobilien in Bremen. "Der heutige Trend sind stetig steigende Preise, doch das war in der Vergangenheit keineswegs immer der Fall", so Bode. "Blicken wir etwas weiter zurück, sinken viele Preise zwischen 1994 und 2000 und fallen weiter bis 2007", so der Experte. Der Tiefpunkt sei dann zwischen 2009 und 2010 erreicht, danach gehe es rasant nach oben – bis heute.

Ebenso wie die Verkaufspreise von Reihenhäusern, Doppelhaushälften und Einfamilienhäusern zeigen auch die Preise von Eigentumswohnungen in Bremen und Bremerhaven steil nach oben. Beim Vergleich der Preise für Neubauten in den beiden Städten fällt auf, dass insbesondere der Verlauf in Bremerhaven einer Zick-Zack-Linie gleicht. Marco Kewes sieht den Grund hierfür in der geringeren Anzahl der Kauffälle in Bremerhaven. "Immer dann, wenn einzelne Objekte fertiggestellt wurden, erkennt man in der Grafik einen Peak", sagt Kewes. Oft handele es sich dabei um höherpreisige Neubauten am Hafen mit Blick auf das Wasser, so Kewes. In Bremen fallen diese Ausschläge weniger auf. Kewes Erklärung: Mehr Masse am Markt, die einzelne Ausschläge wieder ausbügele.

Preisentwicklung bei Verkäufen von Eigentumswohnungen in Bremen und Bremerhaven

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Marco Kewes weist außerdem darauf hin, dass in Bremerhaven selbstverständlich auch schon vor 2011 Eigentumswohnungen aus dem Bestand ver- und gekauft wurden. "Der Grund für die nicht angetragenen Zahlen vor 2011 ist eine Umstellung unseres Auswertemodelles", erklärt er. Aufgrund der unterschiedlichen Berechnungsgrundlage ließen sich die Zahlen von 2000 bis 2010 nicht direkt vergleichen.

Bremen und Bremerhaven im Städtevergleich

Die Postbank hat im September 2020 Kauf- und Mietpreise in ganz Deutschland untersuchen lassen. Die Ergebnisse der Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) sind im Postbank Wohnatlas erschienen und zeigen: Sowohl Bremen als auch Bremerhaven liegen beim prozentualen Anstieg der Kaufpreise für Eigentumswohnungen über dem Durchschnitt deutscher Großstädte. Vergleicht man die Preise aus 2019 mit denen aus 2020, beträgt der Anstieg für Großstädte im Schnitt 9,02 Prozent. In Bremen sind die Preise dagegen um 10,42 Prozent gestiegen, Bremerhaven toppt das nochmal mit einem Anstieg von 16,52 Prozent.

Entwicklung der Kaufpreise von Eigentumswohnungen zwischen 2019 und 2020

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München liegt beim Vergleich der Kaufpreise von 2019 und 2020 mit 6,11 Prozent zwar unter dem Bundesdurchschnitt der Großstädte – spielt mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von knapp über 8.000 Euro in 2019 aber auch in einer anderen Liga als Bremen oder Bremerhaven. Die Quadratmeterpreise lagen in der Stadt Bremen laut Postbank 2019 bei rund 2.300 Euro und in Bremerhaven bei rund 1.230 Euro. In Hamburg stiegen die Kaufpreise um 9,68 Prozent, in Hannover um 10,22 Prozent und in Oldenburg um 6,98 Prozent.

Für viele Menschen ist der Kauf einer Immobilie aufgrund gestiegener Preise in weite Ferne gerückt, andere verzichten ganz bewusst darauf. Aber auch die Entwicklung der Mieten bestätigt den Trend der kontinuierlich steigenden Preise. Im Bundesdurchschnitt der Großstädte sind die Mieten 2020 um 2,40 Prozent gestiegen. In Bremen waren es 1,26 Prozent und in Bremerhaven 1,53 Prozent. München und Hamburg liegen hier über dem Bundesdurchschnitt: mit 2,87 und 3,07 Prozent. In Hannover stiegen die Mieten um 2,93 Prozent und in Oldenburg um 2,89 Prozent.

Entwicklung der Mietpreise zwischen 2019 und 2020

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Mieten scheren nach den Ergebnissen der von der Postbank in Auftrag gegebenen Studie nicht aus dem Trend der allgemeinen Preisanstiege aus. Mit 5,97 Euro pro Quadratmeter mieten Menschen in Bremerhaven im Schnitt allerdings rund dreimal günstigster als Münchenerinnen und Münchener, die 2020 für einen Quadratmeter 18,62 Euro bezahlten.

Wird es mit den steigenden Preisen in Bremen und Bremerhaven also immer so weitergehen? Marco Kewes vom Gutachterausschuss Bremerhaven will sich nicht festlegen, wagt aber gleichzeitig eine kleine Prognose. "Wir betrachten bei den Werten immer sehr lange Zyklen von 20 Jahren oder mehr und wenn man sich das für Bremerhaven anschaut, befinden wir uns gerade nicht auf dem Weg in ein Wellental", sagt Kewes. Genauer will er sich nicht festlegen – und sein Bremer Kollege Klaus Bode spricht ohnehin nur über vorhandene Realitäten.

Wo Wohnen viel kostet: Stetig steigende Immobilienpreise im Viertel

Video vom 25. August 2020
Die Häuser im Bremer Viertel.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Mai 2021, 19:30 Uhr