Interview

Wie Privatleute Maklern in Bremen Immobiliengeschäfte vermasseln

Video vom 30. Mai 2021
Straßenszene Ostertorsteinweg in Bremen
Bild: DPA | Schoening
Bild: DPA | Schoening

Die Preise für Häuser in Bremen steigen rasant. Dennoch ist der Kuchen für Makler kleiner geworden. Viele Bremer verkaufen ihre Immobilien selbst, sagt Gutachter Ernst Dautert.

Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, muss dafür in Bremen immer mehr Geld hinlegen. Die Preise klettern so schnell in die Höhe wie lange nicht. Von einer Immobilienblase aber könne nicht die Rede sein, sagt Ernst Dautert vom Gutachterausschuss für Grungstückswerte bei den Geoinformationen Bremen.

Herr Dautert, die Immobilienpreise gerade in der Stadt Bremen steigen immer schneller an, stärker als die Mietpreise. Zahlen die Käufer zu viel für Bremens Häuser, befinden wir uns vielleicht gar in einer Immobilienblase? Oder sind die Immobilien tatsächlich ihr Geld wert?
Das ist eine Frage, die wir uns täglich stellen. Wir gucken dann auch, wie es in den anderen Städten aussieht. Der allgemeine Tenor lautet: In den A-Städten wie München, Frankfurt oder Düsseldorf besteht zumindest die Gefahr einer Blasenbildung. Das schätze ich für Bremen nicht so ein. Was hier läuft, ist noch solide. Trotzdem fragen wir uns natürlich, wie lange die Preise noch weiter steigen.
Wie ist es zu diesem offensichtlichen Mangel an Wohnimmobilien in der Stadt Bremen gekommen?
Ich glaube gar nicht, dass bei uns ein besonderer Mangel an Wohnimmobilien herrscht. In Bremen wechseln jedes Jahr ziemlich genau 7.000 Wohnungen oder Wohnhäuser den Besitzer. Das lässt sich anhand der Kaufverträge, die wir im Amt haben, nachweisen. Ich glaube, es ist so:

In Zeiten wie diesen, in denen die Nachfrage nach Kaufobjekten groß ist, werden viele Wohnimmobilien privat verkauft, ohne Makler. Da fragt dann der eine den anderen, ob er nicht jemanden kennt, der zufällig sein Haus gern veräußern möchte – oder so ähnlich. Anders gesagt: Der professionelle Wohnungsmarkt ist in Bremen kleiner geworden, aber der private größer.
Wie gut ist das Pflaster in Bremen und Bremerhaven da für Spekulanten?
Zumindest haben sich Großinvestoren inzwischen von den A-Städten abgewandt und gucken nun auch in Städten der Größenordnung Bremens, was sie erwerben könnten.
Und wie stark betrifft das Bremen dann?
Man muss ein bisschen differenzieren: Wer ist ein Spekulant? Wenn Sie damit Wohnungsunternehmen meinen, die auf große Bestände setzen, etwa Vonovia, dann muss man sagen: Bremen ist auf diesem Markt ganz gut mit der Gewoba und der Brebau aufgestellt, hat also Alternativen für Wohnungssuchende zu bieten. Durch diese Wahlmöglichkeiten ist Bremen ganz gut vor Spekulanten auf dem Wohnungsmarkt geschützt. Ganz verhindern lässt sich Spekulantentum allerdings kaum. Das Hauptinteresse eines Verkäufers wird immer darin liegen, möglichst viel Geld für seine Immobilie zu bekommen – egal, von welchem Käufer und egal, was er mit dem Kaufobjekt vorhat.
Was raten Sie Bremerinnen und Bremern, die eine Immobilie suchen?
Wenn man das nötige Kapital hat, dann kann man Immobilien in den begehrtesten Lagen kaufen. Das sind Schwachhausen, Horn, Lehe, Oberneuland und die stadtnahen Bereiche wie das Viertel und Findorff. Man kann ziemlich sicher sein, dass diese Lagen immer gut sein werden. Dann gibt es Stadtteile wie Walle, die Neustadt, Woltmershausen, Huchting oder Hemelingen, die deutlich günstiger sind. Aber auch dort würde ich positive Entwicklungen erwarten.
Was ist mit Stadtteilen, die etwas weiter draußen liegen? Ist das Geld dort auch gut angelegt, oder wird es da unsicher?
Ich sage mal: In dem Moment, wo die Zinsen für die Kaufkredite steigen, sodass mehr Kapital für den Hauskauf an die Bank abgegeben werden muss, werden die Preise der Immobilien nicht weiter steigen. Das wird sich zuerst in Stadtteilen bemerkbar machen, die nicht so dicht am Zentrum liegen.
Gilt das auch für Bremerhaven?
Im Prinzip ja. Man muss aber auch sagen: Die Immobilienpreise in Bremerhaven bewegen sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau.
Inwiefern eignen sich Immobilien noch zur Altersvorsorge?
Als Altersvorsorge sind sie unangefochten. Es lohnt sich fast immer. Natürlich kommt es auch darauf an, zu welchen Konditionen man ein Objekt kauft. Wenn man sich aber Entwicklungen über mehrere Jahrzehnte ansieht, dann sind die Preise für Häuser fast immer nach oben gegangen. Daher lohnt sich der Kauf praktisch immer.

Kampf ums Eigenheim: Immobilienpreise in Bremen steigen weiter

Video vom 30. Mai 2021
Viele Immobilien in Bremen von oben aufgenommen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Mai 2021, 19.30 Uhr