Jesus trifft Influencer – Ikonen-Ausstellung in der Bremer Kunsthalle

Was haben Beyoncé, Andy Warhol und Karl Marx gemeinsam? Sie werden ab Samstag alle in der Kunsthalle Bremen stehen – zumindest ihre Abbilder.

Ein Bild hängt an einer Wand, im Hintergrund ist ein übergroßes Luftballon-Tier zu sehen.
Ein Kunstwerkt pro Raum – das ist das Konzept der Ausstellung.

Denn dann startet die größte Ausstellung, die jemals in der Kunsthalle stattgefunden hat: Auf allen rund 2.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden Werke unter dem Thema "Ikonen. Was wir Menschen anbeten" zu sehen sein. Schon im Juli mussten die eigentlichen Ausstellungsstücke weichen, um Platz zu machen für die Umbauarbeiten. "Alles muss raus", lautete das Motto. Denn ab diesem Samstag wird in jedem der 60 Museumsräume nur ein einzelnes Werk an einer farblich abgestimmten Wand hängen.

Aber was hat Beyoncé jetzt mit Ikonen zu tun? Sind das nicht Bildnisse aus der orthodoxen Kirche? Ja, eigentlich schon. Und darauf beruht auch die zentrale Idee der Ausstellung. Aber die Kunsthalle hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese religiösen Werke mit moderner Kunst zu kombinieren und Parallelen zu finden. Denn längst sind auch Sänger, Fußballstars oder Künstler zu Ikonen und Vorbildern gewachsen.

Wir haben alle unser kleines Universum von den Stars, den Helden, die wir besonders finden. Und wir beten natürlich ganz unterschiedliche Dinge an. Aber ich glaube, die Kunst kann uns da was besonderes liefern.

Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle

Und das zeigt sich jetzt in den Räumen des Museums. Hier mischen sich nämlich neben Werken von Van Gogh und Andy Warhol eben auch Beyoncé und verschiedene Influencer aus der Social-Media-Welt unter die klassischen Ikonen-Bildnisse.

Wir sehen ganz klar, dass bestimmte Vorstellungen noch mit dieser ursprünglichen Idee der Ikone als Andachtsbild zu verbinden sind. Das sind eben diese Vorstellungen von Andacht, von Wirkmacht, von einer bestimmten Aura. Und heute wird das sozusagen übertragen auf alle möglichen Persönlichkeiten, berühmte Persönlichkeiten.

Eva Fischer-Hausdorf, Kuratorin
Mehrere Mona-Lisa Kopiel hängen an einer roten Wand.
Auch bekannte Werke sind dabei – wenn auch teilweise nur in Kopie, wie hier die Mona Lisa.

Noch bis März 2020 können die Besucher diese Mischung auf sich wirken lassen. Aber was passiert solange mit den Gemälde der Dauerausstellung, die eigentlich in den Räumen hängen? Die verschwinden bis zum Frühjahr im Depot. Mit Ausnahme von 130 Auserwählten. Die machen Urlaub in Spanien: Im bekannten Guggenheim Museum in Bilbao bekommen sie ab Ende Oktober eine eigene Ausstellung. Für die Bremer eine ganz besondere Einladung. Und große Chance der internationalen Kunstwelt zu zeigen, was die Hansestadt an Gemäldeschätzen so besitzt.

Ein Gemälde von Vincent van Gogh in der Kunsthalle.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Oktober 2019, 19:30 Uhr