100 Jahre Kinderkrankenpflegeschule: Das hat sich geändert

Die Kinderkrankenpflegeschule am Klinikum Bremen-Mitte feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. Die Pflegeausbildung ändert sich gerade. Hat die Schule eine Zukunft?

Kranke Kinder liegen auf ihren Betten vor dem Krankenhaus. Es hat geschneit.
Die Pflege von kranken Kindern in den Krankenhäusern hat sich mit den Jahren dramatisch verändert. Bild: Gesundheit Nord-Klinikverbund Bremen

Offiziell ist die Kinderkrankenpflegeschule am Klinikum Bremen-Mitte seit 2004 Teil der Bildungsakademie der Gesundheit Nord. Sie sei damals mit der Krankenpflegeschule fusioniert worden, erläutert die Leiterin Renate Stellfeld-Ostendorf. "Jetzt, seit 2017, sprechen wir von einer einzigen Schule an zwei Standorten: Bremen-Mitte und Bremen-Ost." Doch weiterhin werden in den Räumen des Schulzentrums in Bremen-Mitte künftige Kinderkrankenpfleger und -pflegerinnen ausgebildet.

Die Ausbildung kann auf eine hundertjährige Tradition zurückblicken. Damals hieß der Beruf noch "Säuglingsschwester". Zum einen war die Pflege ein typischer Frauenberuf, zum anderen wurden die Kinder quasi als Mini-Erwachsene betrachtet. Erst Jahre später seien die altersspezifischen Bedürfnisse der Kleinen klar geworden. "Eine fulminante Entwicklung gab es dann nach dem Zweiten Weltkrieg", erzählt Stellfeld-Ostendorf.

Auf die Versorgung der kleinen Erkrankten kamen ganz neue Anforderungen zu. Früher habe man häufiger und länger die jungen Patienten im Krankenhaus stationär behandelt. Heute erfolgten viel mehr Behandlungen in der Ambulanz oder in den Nachsorgeeinrichtungen, erläutert die Ausbildungsleiterin. Auch die Rolle der Eltern hat sich gewandelt. Vor Jahrzehnten waren die Kinder im Krankenhaus häufig isoliert. Ein Besuch pro Woche war nicht unüblich. "Man dachte, es sei besser, wenn sie keinen Besuch bekommen. Sonst würden sie leiden, wenn die Eltern oder die Verwandten wieder gingen. Heute ist das ganz anders. Es ist jetzt selbstverständlich, dass die Eltern in der Versorgung mit integriert werden."

Zudem hat sich der Beruf mit den Jahren auch den Männern langsam geöffnet. Männliche Krankenpfleger seien zwar immer noch in der Minderheit, doch immerhin präsenter als vor fünfzig Jahren. "Das entwickelt sich langsam. Wir haben aber auch mal wieder Kurse, wo es keinen einzigen Mann gibt – oder vielleicht nur einen oder zwei", sagt die Ausbildungsleiterin.

Neue Ausbildungsreform ab dem nächsten Jahr

Auch die Schule selbst befindet sich heute im Wandel – sowie die gesamte Pflegeausbildung. "Ab 2020 wird es die einzelnen Abschlüsse nicht mehr geben. Es gibt dann nur einen generalistischen Abschluss als Krankenpfleger", sagt Stellfeld-Ostendorf. Die Schule wird aber weiterhin bestehen, allerdings mit einem neuen Lehrplan, der im Dezember vorgestellt werden soll.

Ab 2020 wird es einen generalistischen Abschluss geben. Damit endet eine Ära.

Renate Stellfeld-Ostendorf

Wer sich besonders für die Betreuung von Kindern interessiert, wird aber hier einen Schwerpunkt setzen können. Zum Beispiel bei der Wahl von Fällen aus der Praxis. Momentan ist es noch so, dass im dritten Ausbildungsjahr die Spezialisierung ausgewählt wird. "70 Prozent unserer Kurse betreffen aber bereits allgemeine Fächer, wir haben schon jetzt integrierte Kurse", führt die Leiterin aus.

Pflegeausbildung wird bundesweit reformiert

Ziel der bundesweiten Reform ist es, den Beruf attraktiver und in der EU einheitlich zu gestalten. Vorgesehen ist eine Übergangsphase, in der die Auszubildende im dritten Jahr wählen dürfen, ob sie den allgemeinen Titel "Pflegefachmann/-frau" erwerben oder sich doch spezialisieren wollen. Im Jahr 2026 soll dann evaluiert werden, ob noch Bedarf für die gesonderten Abschlüsse in der Alten- und Kinderpflege besteht.

Dass die Bremer Schule einen anderen Weg geht und ab 2020 nur den allgemeinen Abschluss mit Vertiefungsschwerpunkten in der Praxis anbietet, kann die Ausbildungsleiterin begründen. "Berufspolitisch unterstützen wir das nicht, dass jemand in diese Sackgasse läuft", sagt sie. Die Schüler hätten damit nämlich keinen Vorteil, sondern nur Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt.

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. November 2019, 19:30 Uhr