Bremer Tierschutzverein fordert verpflichtenden Hundeführerschein

Mindestens zwei Mal täglich müssen Hundebesitzer nach den geplanten Regeln des Bundeslandwirtschaftsministeriums Gassi gehen. Bremer Tierschützern geht das nicht weit genug.

Video vom 18. August 2020
Eine Nahaufnahme von einem Hund mit hellem Fell.
Bild: Radio Bremen

Dass Hunde genug Auslauf und Bewegung brauchen, sollte jedem Besitzer klar sein. Schon lange ist das auch gesetzlich in der Tierschutz-Hundeverordnung des Bundes festgehalten. Doch bald sollen diese Regeln klarer definiert werden: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat eine Änderung der Verordnung vorgeschlagen.

Demnach sollen Hundebesitzer unter anderem dazu verpflichtet werden, ihren Hunden mindestens zwei Mal am Tag für jeweils mindestens eine halbe Stunde Auslauf zu gewähren – egal, ob durch einen Spaziergang oder Spielen im Garten. Außerdem dürften die Hunde nicht mehr so lange alleine gelassen und auch nicht mehr ständig angebunden werden.

Keine aktiven Kontrollen geplant

Im Land Bremen ist das Gesundheitsressort für den Tierschutz zuständig und begrüßt die Verordnung im Großen und Ganzen. Allerdings werde das verantwortliche Veterinäramt keine aktiven Kontrollen durchführen. Stattdessen bliebe es wie bisher dabei, dass die Mitarbeiter auf Anzeigen aus der Bevölkerung reagieren.

"Bei der neuen Regelung geht es darum, dass die Behörden besser eingreifen können", sagt Gabi Schwab, Sprecherin des Bremer Tierschutzvereins. Denn dann hätten sie einen konkreten Maßstab, nach dem sie beurteilen könnten, ob ein Hund richtig gehalten werde. "Aber wie in der Verordnung beschrieben, muss der Auslauf natürlich trotzdem an die Hunderasse und Situation angepasst werden", sagt Schwab. Einige Rassen bräuchten nämlich weit mehr Bewegung als das Minimum der Verordnung.

Tierschutzverein fordert "Hundeführerschein"

Doch auch, wenn der Tierschutzverein die neuen Regeln "im Großen und Ganzen begrüßt", gebe es Punkte, die weiterhin fehlten, sagt Gaby Schwab. So hätten sie sich auch eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht gewünscht. Und damit neue Hundebesitzer auch die Grundlagen im Umgang mit ihrem neuen Haustier beherrschten, müsste es eine Art verpflichtenden "Hundeführerschein" geben. Das habe sich in Niedersachsen bewährt. Dort gilt eine solche Pflicht bereits. Seit Juli 2013 müssen Hundehalter, die ihren Hund nach dem 1. Juli 2011 angeschafft haben, einen sogenannten "Sachkundenachweis" ablegen, der eine theoretische und praktische Prüfung beinhaltet. Dies gilt ausnahmslos für alle Hunderassen – ob Mops oder Dogge.

In einem Kurs würden die Halter vorab die Grundlagen über den Umgang und die Bedürfnisse des Hundes lernen. "Das macht auch Sinn, weil ein Hund die Grundkommandos begreifen sollte, damit der Besitzer ihn auch unter Kontrolle hat", erklärt Gaby Schwab. Das schütze letztendlich auch den Hund.

Behörde plant keine Hundeführerschein-Pflicht

"In Bremen muss man auch für einige Hunde nachweisen, dass man sie halten kann. Nämlich bei den Listenhunden", sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts. Diese Regelung sei aber mit der Begründung der Gefahrenabwehr eingeführt worden, nicht mit Blick auf den Tierschutz. Und das sei auch der Grund, warum Bremen nicht eigenständig eine Hundeführerschein-Pflicht einführen kann: Eine entsprechende Regelung, die mit dem Tierschutz begründet wird, müsste auf Bundesebene entschieden werden.

In Niedersachsen sei die gesamte Situation anders: Hier gibt es keine Hunde, die als Listenhunde gelten. Stattdessen habe man – mit der Gefahrenabwehr als Begründung – für alle Hunde einen verpflichtenden Hundeführerschein eingeführt.

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. August 2020, 19:30 Uhr