Ende der Homeoffice-Pflicht: So gehen Firmen in Bremen damit um

Video vom 30. Juni 2021
Eine Frau sitzt telefonierend an einem Tisch. Auf dem Tisch stehen zwei Computerbildschirme und ein Laptop.
Bild: DPA | Christian Beutler
Bild: DPA | Christian Beutler

Ende Juni läuft die Homeoffice-Pflicht aus. Die Corona-Infektionszahlen sinken. Was heißt das für Beschäftigte? Wie geht es jetzt mit dem Homeoffice weiter?

Die Pandemie hat das möglich gemacht, worüber Arbeitsexperten jahrelang diskutiert haben: Die Möglichkeit, flexibel und ortsunabhängig zu arbeiten. Nicht für alle, jedoch für viele, die einen Bürojob haben. Ein bundesweites Experiment, das durch die Corona-Schutzverordnungen rechtlich verankert wurde. Doch nun läuft die Homeoffice-Pflicht aus. Wie soll es für Beschäftigte in Bremen und umzu weitergehen? buten un binnen hat mehrere Unternehmen befragt.

Die Firma Energiekontor teilte mit, dass sie an der Regelung für mobiles Arbeiten mindestens bis Ende September festhalten will. "Grundsätzlich spielt der Termin am jetzigen Mittwoch für uns keine Rolle", erläutert der Sprecher, Peter Alex. Wer das wolle, dürfe aber wieder ins Büro. Nicht alle könnten zudem fernarbeiten. Die Erfahrung mit dem Homeoffice bewertet das Unternehmen als "außerordentlich positiv".

Vorher gab es eine gewisse Skepsis, ob das funktioniert. Sie hat sich aber in keiner Weise bewahrheitet. Die Erfahrung zeigt, dass die Beschäftigten im Homeoffice so effizient sind wie im Büro.

Peter Alex, Sprecher Energiekontor

Energieunternehmen: Zugewinn an Flexibilität

Kürzlich wurde bekannt, dass die Firma sogar auf den Kauf eines neuen Grundstücks in Lilienthal verzichtet hatte. Darüber hatte der Weser-Kurier berichtet. Dabei hat auch die positive Erfahrung mit dem mobilen Arbeiten eine Rolle gespielt, das bestätigt das Unternehmen. Allerdings habe es dafür auch andere wirtschaftliche Gründe gegeben, fügt der Sprecher hinzu.

Was die Zeit nach Corona angeht, schätzt Alex, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiterhin eine größere Flexibilität haben werden als in der Zeit vor Corona. "Es gibt noch keine Regelung dazu, aber es zeichnet sich ab, dass sie maximal 50 Prozent der Arbeitszeit im Büro verbringen werden." Die konkrete Gestaltung soll den einzelnen Teams überlassen werden. "Wer dann die gesamte Zeit im Büro verbringen möchte, darf es auch tun. Bisher habe ich jedoch noch von keinem gehört, der das will."

Werbeagentur: Für uns gehört es bereits zum Alltag

Für die Bremer Werbeagentur "Jung & Billig" gehört Homeoffice hingegen schon länger zur Betriebskultur. Das 13-köpfige Team arbeitete bereits vor Pandemiebeginn mobil.

Bei "Jung & Billig" waren wir schon vor der Pandemie von diesem Konzept überzeugt und nutzten die Situation bereits im Februar 2020, um unsere Mobile-Office-Richtlinie einzuführen. Diese erlaubt unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nun auch nach dem 30.06. das Arbeiten von Zuhause oder von Schwiegermuttis Terrasse.

Christoph Neumeier, "Jung & Billig"

Geschäftsführer Christoph Neumeier erzählt, dass einige Beschäftigte inzwischen einmal pro Woche ins Büro gingen, während andere nur eine Woche alle zwei Monate. Insgesamt arbeiteten jedoch alle mobil. Die Erfahrungen sei "durchaus positiv", wenn auch am Anfang es einige Schwierigkeiten gegeben habe.

Natürlich gab es Hürden zu überwinden, wie zum Beispiel Neueinstellungen und die bekannten, technischen Probleme in Meetings. Aber unser Team hat diese Herausforderung grandios gemeistert. Darauf sind wir sehr stolz!

Christoph Neumeier, "Jung & Billig"

SWB: Vereinbarung regelt Homeoffice-Zukunft

Der Energieversorger swb hat nach eigenen Angaben bereits Ende vergangenen Jahres eine betriebliche Vereinbarung getroffen, wonach das Homeoffice auch in der Zeit nach Corona möglich sein soll. Etwa 1.000 Beschäftigte, gut die Hälfte der Mitarbeiter, nutzten derzeit diese Möglichkeit.

Ein leeres Büro mit weißen Tischen und Stühlen davor.
Wird es in der Zeit nach Corona noch leere Büros geben? (Symbolbild) Bild: Radio Bremen

"Die Mitarbeiter finden es gerade super", sagt der Sprecher, Friedhelm Behrens. "Jetzt können wir sagen, dass wir eine gute Erfahrung damit gemacht haben." Die IT-Programme fürs mobile Arbeiten seien schon fertig gewesen, als die Coronapandemie ausbrach, erzählt er. Grund sei gewesen, dass das Unternehmen familienfreundlicher werden wollte. Und doch habe es zu Beginn eine "Eingewöhnungsphase" gegeben: überlastete Internetverbindungen, ungewohnte Kommunikationswege. "Doch mittlerweile haben wir es gut hinbekommen", sagt er.

Für die Zeit nach Corona werden die Mitarbeiter maximal zu 99 Prozent mobil arbeiten können, aus rechtlichen Gründen. Sonst müsste das Unternehmen zum Beispiel ein Arbeitszimmer bereitstellen, erläutert der Sprecher. Auch der persönliche Kontakt sei wichtig, der Austausch vor Ort anders als in der digitalen Welt.

DMK: vier Arbeitsmodelle

Einen gemischten Plan hat hingegen die Firma Deutsches Milchkontor (DMK) erarbeitet: Wenn die Pandemie zu Ende ist, sollen ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vier Möglichkeiten zur Auswahl haben. Sie können entweder komplett von Zuhause oder vom Büro aus arbeiten, vorwiegend von flexiblen Arbeitsorten oder vorwiegend im Betrieb ihrer Tätigkeit nachgehen können.

"Bereits vor der Corona-Pandemie prägte der Begriff 'New Work' die Debatten rund um Modelle für ein zukunftsfähiges Arbeiten", sagt die Sprecherin, Vera Hassenpflug. Corona sei ein Katalysator gewesen und habe den angestoßenen Veränderungsprozess enorm beschleunigt. "Diese Extremsituation hat von allen Beteiligten Mut und Veränderungsbereitschaft eingefordert, weil wir im Vorfeld nicht jedes Detail klären konnten und sich alle auf eine neue Art zu arbeiten einlassen mussten." Trotzdem habe die Umstellung gut funktioniert. Daraus sind am Ende die vier Arbeitsmodelle entstanden.

Statt eine starre Form zu schaffen, die für jeden Mitarbeiter gilt, haben wir nur einen Zielzustand für das Unternehmen definiert. Welches Modell am Ende zutrifft, wird zwischen Mitarbeiter und direkter Führungskraft vereinbart.

Vera Hassenpflug, DMK-Sprecherin

Nach Angaben des Unternehmens ist die Belegschaft größtenteils damit zufrieden: Über 90 Prozent hätten sich dafür ausgesprochen, das mobile Arbeiten auch in der Zeit nach Corona beizubehalten. Nicht alle können jedoch im Homeoffice arbeiten, in der Warenproduktion beispielsweise ist dies schwer umsetzbar.

Einige Firmen noch unentschieden

Nicht alle befragten Unternehmen haben bereits so konkrete Vereinbarungen getroffen. So teilte die Firma OHB mit: "Wir sind noch in den Erhebungen und können zum jetzigen Zeitpunkt keine fundierte Aussage zu diesem Thema machen." Auch die Logistikfirma Kuehne und Nagel wollte sich noch nicht dazu äußern.

Die Logistikfirma BLG teilte hingegen mit, man wolle auch ab Juli die Möglichkeit anbieten, mobil zu arbeiten. Bis zum Ende des Jahres werden Mitarbeiter grundsätzlich bis zu vier Tage pro Woche im Homeoffice sein dürfen. "Wir werden sehen, wie dieses Angebot angenommen wird", so die Sprecherin, Julia Wagner. Die Mehrheit der Beschäftigten könne allerdings kaum Homeoffice in Anspruch nehmen, da sie in den Häfen oder Lagern arbeiteten.

Arbeitnehmerkammer: Reaktionen fallen gemischt aus

Doch was sagen die Beschäftigten in Bremen zum Homeoffice? Wie sieht die allgemeine Stimmung aus? Die Bremer Arbeitnehmerkammer fasst es so zusammen:

Wir haben sowohl von ArbeitnehmerInnen gehört, dass sie sich freuen, wieder an den betrieblichen Arbeitsplatz zurückkehren zu können, als auch ArbeitnehmerInnen erlebt, die die Arbeit aus dem Homeoffice in der Pandemie zu schätzen gelernt haben.

Nathalie Sander
Nathalie Sander, Sprecherin der Bremer Arbeitnehmerkammer

Während einigen der Kontakt zu den Kollegen fehlte, schätzten andere beispielsweise, dass sie nicht mehr pendeln müssten. Oder Familie und Beruf besser vereinbaren konnten. "Wobei zu betonen ist, dass umgekehrt das Arbeiten im Homeoffice auch besonders schwierig sein kann, wenn kleine Kinder parallel betreut werden. Zumal auch im Homeoffice Arbeits- und Pausenzeiten gelten."

Rückblick: So denken Bremer Architekten beim Bau von Büros das Homeoffice mit

Video vom 25. April 2021
Präsident der Architektenkammer Bremen Oliver Platz im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Juni 2021, 19:30 Uhr