Regionale Produkte: Darum erleben Hofläden gerade einen Aufschwung

Der Hofladen von Familie Ehlers aus Holtum Geest hat Tradition. Schon seit circa 40 Jahren verkauft sie hier ihre Produkte. Doch mehr als ein Nebenverdienst war er nie.

Eier in einem Korb vom Hofladen
Bisher ist der Hofladen mit seinen Produkten wie diesen Eiern nur ein Nebenerwerb. Bild: Radio Bremen

Seitdem regionale Lebensmittel einen Aufschwung erleben, wird der Hofladen laut Landwirt Jörg Ehlers immer wichtiger: "Zu wissen, woher die Produkte kommen. Kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher, das rückt bei vielen Leuten in den Fokus. Das ist für uns natürlich eine tolle Sache."

Corona pusht Umsatz

Auch die Coronakrise hat ihren Anteil: Viele Menschen versuchen sich bewusster zu ernähren. Andere scheuen die vielen Kontakte zu anderen Menschen, die der Einkauf im Supermarkt mit sich bringt. Trotzdem ist der Hofladen für Familie Ehlers bislang ein Zubrot, mehr nicht. Das liegt unter anderem an der Lage: Holtum Geest ist ein kleines Dorf, zu Ehlers Hof verirrt man sich auch nicht auf der Durchfahrt.

Online-Bauernhof in Planung

Tochter Rieke Ehlers hat trotzdem Ambitionen, dass aus dem Nebenverdienst ein zweites Standbein wird. "Die Hoffnung ist, dass wir immer mehr direkt verkaufen können. Wir hoffen irgendwann Online-Vermarktung machen zu können." So ist es bei vielen landwirtschaftlichen Betrieben: Die ältere Generation kümmert sich um das traditionelle Geschäftsmodell und die Jungen entwickeln neue Ideen. Online-Marketing, ein Shop im Netz – das gehört heutzutage zur Ausbildung junger Bäuerinnen und Bauern.

Die Hoffnung ist, dass wir immer mehr direkt verkaufen können. Wir hoffen irgendwann Online-Vermarktung machen zu können.

Rieke Ehlers

Transparenz für den Verbraucher

Ehlers halten mittlerweile 250 Schweine in Strohhaltung – und gehen ganz offen damit um, dass die sich für den Hofladen besser vermarkten lässt. Tochter Rieke hat ein Label für die Wurstgläser entworfen. Für die sozialen Medien will sie Fotos und Filme produzieren, damit der Kunde genau weiß, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. Das ist nichts andere als klassisches Startup-Marketing: Die junge Firma pflegt ihren Gründermythos. "Uns ist wichtig, die Direktvermarktung auszubauen. Wir wollen unsere Produkte direkt an den Verbraucher bringen und auch für Fragen da sein. Wir wollen mit gutem Gewissen hinter dem stehen, was wir verkaufen", sagt Rieke Ehlers.

Produkte vom Hof ins Haus geliefert

Über die Phase der Gründung sind Maarten und Berend Heins schon lange hinaus. Seit Dezember vergangenen Jahres existiert ihr Lieferdienst für regionale Lebensmittel. Mit einem Hofladen haben sie sich gar nicht erst aufgehalten. Die Brüder Heins dachten von Anfang an groß, wie Maarten erklärt: "Wir haben überlegt: Es gibt so viele schöne Produkte und Betriebe hier vor Ort. Aber es ist viel zu kompliziert. Wir müssen es auf das Amazon-Level kriegen. Es muss den Menschen so einfach wie möglich gemacht werden, damit sie nicht zu zehn Höfen fahren, um ihren Wocheneinkauf zu machen."

Schweine auf einem Bauernhof
Auch Schweine haben auf dem Hof ein Zuhause. Bild: Radio Bremen

Auch die Brüder Heins kommen von einem klassischen Bauernhof, doch neben dem Herz für die Landwirtschaft schlägt auch eins fürs Unternehmertum in ihrer Brust: Als sie elf Jahre alt waren setzten sie sich sonntags aufs Fahrrad und starteten einen Brötchenbringdienst in ihrem Dorf. Heute hat ihr Lieferdienst 55 Angestellte und der Kunde bekommt von Gemüse über Wurst und Milch bis zur Flasche Schnaps fast alle Lebensmittel, die es auch im Supermarkt gibt. Viel bio, fast alles regional.

Ein Leben für das Geschäft

Auch ihnen hat die Corona-Krise in die Hände spielt: "Als Corona kam, gingen die Bestellungen natürlich in die Höhe. Da war hier aber noch gar nichts darauf ausgelegt. Wir haben die leeren Kisten immer nachts abgeholt und sie sofort sauber gemacht, damit wir am nächsten Morgen um 4.00 Uhr wieder ausliefern konnten." Eine 40-Stunden-Woche haben die Brüder Heins immer noch nicht, sie leben zurzeit fürs Geschäft. Was ja bei Bauern ohnehin nicht ungewöhnlich ist. Zumal wenn man sich noch ein ganz neues Geschäftsmodell ausdenkt. Und so könnte eine alte Bauernweisheit bald nicht mehr heißen "wachsen oder weichen". Sondern: "Wandeln oder weichen".

Aufschwung dank Corona: Hofläden und Direktvermarkter boomen

Video vom 18. Oktober 2020
In einem Regal stehen Kräutergurken im Glas zum Verkauf.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Jan Meier-Wendte Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Oktober 2020, 19:30 Uhr