Hof Butenland: Ein Kuh-Altersheim aus Butjadingen kommt in die Kinos

Der Bauernhof nimmt Rinder auf, die vorher als Nutztiere gehalten wurden. Die Doku zeigt, wie aus einem Landwirt ein Tier-Aktivist wurde. In Bremen kommt der Film jetzt ins Kino.

Video vom 29. Januar 2020
Kuh auf dem Hof Butenland

Irgendwann konnte es Jan Gerdes nicht mehr aushalten: Sein Leben war zu seinem persönlichen Albtraum geworden. Der Landwirt hatte abgeschlossen mit seiner Zunft. Für ihn war die Milchwirtschaft, die er von seinen Eltern übernommen hatte  – egal ob unter konventionellen oder "Bio"-Bedingungen – nicht mehr tragbar. "Ich bin gegen Krieg und Raketen auf die Straße gegangen und selbst habe ich den Tieren so viel abverlangt. Das konnte ich irgendwann nicht mehr", erinnert sich Gerdes.

Den Beruf als klassischer Landwirt hängte er an den Nagel, verkaufte seine Kühe. Bei den letzten zwölf verbliebenen fasste er sich ein Herz: Sie sollten bleiben und einfach leben, altern und dann sterben. Und das so unbeschwert wie möglich. Jan Gerdes und seine Partnerin Karin Mück gründeten gemeinsam den Hof Butenland. Kein Gnadenhof, wie sie sagen, sondern "ein Lebenshof". Das ist jetzt 13 Jahre her.

Zuflucht für gerettete Tiere

Der Hof Butenland liegt in Butjadingen umgeben von konventionellen Landwirtschaftsbetrieben. Doch auf diesem Hof leben Kühe, die "gerettet" wurden. Ehemalige Milchkühe, inzwischen erwachsene Kälber, die geschlachtet werden sollten, Stiere, die den Zuchtansprüchen nicht mehr genügten. 36 Rinder, aber auch Pferde und zum Beispiel handaufgezogene Stockenten.

Dokumentarfilmer Marc Pierschel kam vor Jahren für ein Filmprojekt zum ersten Mal auf den Hof. Für ihn ein ganz besonderer Ort: "Mich haben vor allem die Biografien von Jan und Karin beeindruckt", sagt er.

Regisseur begleitete Hof über zwei Jahre

Jan Gerdes vom Hof Butenland
Jan Gerdes hat das Kuh-Altersheim auf dem elterlichen Hof gegründet.

Er entschloss sich, dem Hof und seinen Bewohnern einen ganzen Film zu widmen. Sphärisch fängt er das Kuhaltersheim ein, lässt die Betreiber Jan Gerdes und Karin Mück ihre Lebensgeschichte erzählen, befragt Wegbegleiter zum Wirken der beiden Umweltaktivisten. Über zwei Jahre war der Filmemacher immer wieder auf dem Bauernhof.

Besonders ergreifend wird der Film dann, wenn die Verbindung zwischen Kuh und Mensch eingefangen wird. Wie Karin Mück mit Paul, einem riesigen Bullen, auf der Sommerwiese kuschelt oder eine der Mitarbeiterinnen der beiden um die Gunst einer sehr alten, dafür umso stureren Kuh wirbt. Doch so wie das Leben der Tiere im Fokus des Films steht, geht es auch um den Tod. Bei einem Kuhaltersheim gehört das eben dazu: Der Abschied der liebgewonnenen Freunde. Denn Kühe, die in der Landwirtschaft eingesetzt waren, sterben nach ungefähr 20 Jahren. Auch in diesen Momenten begleitet der Film die Hof-Bewohner.

Am 30. Januar 2020 hat der Film seine Bremen-Premiere. Am 6. Februar kommt er deutschlandweit in die Kinos.

Die Kuh als Rechengröße: So läuft die Milchproduktion

Video vom 7. Oktober 2019
Eine Michkuh

Autorin

  • Johanne Bischoff

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Januar 2020, 19:30 Uhr