Wie kam der Teufel nach Cuxhaven? Sagen, die es zum Hörspiel schafften

Hörspiele Bremerhaven
Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann
Bild: Radio Bremen | Catharina Spethmann

Wer erfahren will, was früher zwischen Weser und Elbe los war, kann ins Museum gehen. Aber was der Klabautermann hier gemacht hat, das erfährt man in einem regionalen Hörspiel.

Kapitän Petersen sitzt missvergnügt und abgebrannt an der Alten Liebe in Cuxhaven. Das Geld ist alle und kein neues Schiff für ihn in Sicht: "Soll doch der Teufel die ganze christliche Seefahrt und mich selbst meinetwegen auch." Der Teufel hat seine Ohren überall und antwortet düster: "So soll es sein, Kapitän Petersen! Ich bin schon da. Und meinetwegen nehm' ich Sie gleich mit!"

Kam so der Teufel nach Cuxhaven? Uwe Evering ist sich sicher: "Der Teufel, der war in Cuxhaven. Und der ist wohl bis heute dort in der Elbe verankert. Unter Wasser." Evering nimmt mit zwei Kollegen – allesamt eingefleischte Hörbuchfans – in einem Tonstudio in Dorum seit einigen Jahren selbst Hörspiele auf, die aus Seemannsgarn und alten, regionalen Erzählungen gestrickt sind. Und das Hobby trägt Früchte: Jetzt gibt es "Die Sagen der Heimat Vol. 2" auf CD.

Eigentlich waren Hörspiele nie das Ziel

Das Besondere an den Hörspielen: Sie spielen nicht nur alle in der Region und bewahren so Sagen aus dem Wurster Land. Auch akustisch wird es in den Hörspielen archiviert, denn viele Sounds sind Originalaufnahmen aus dem Landstrich. Produziert wird in Uwe Everings kleinem Heimstudio unter dem Eigenlabel "Schwarzer Fisch".

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Benannt haben sie sich – passend zum Grundgedanken des Projekts – nach einer Widerstandsgruppe gegen die französischen Besatzer unter Napoleon. Die Legende besagt, das rebellische Wurster Bürger eine Art Geheimbund unter diesem Namen gegründet haben sollen.

Die erste CD war ein Geschenk

Die erste CD entstand als Weihnachtsgeschenk für Familie und Freunde. Die Idee: Einfach mal eine Geschichte schön vorzulesen und ein bisschen zu inszenieren, erzählt Bodo Grohm. Als Sprecherkabine diente damals noch der Vorratsraum in Uwe Everings Haus. Mittlerweile sind sie deutlich breiter aufgestellt, arbeiten mit vielen Sprechern, die unter anderem auch echtes Wurster Platt schnacken, schreiben richtiggehend Drehbücher für die Szenen in verteilten Rollen und bauen auch selbstkomponierte Musik mit ein.

Die Sagen entstammen der Sammlung "Die Sagen der Heimat" und erzählen von davon, warum die Alte Liebe Alte Liebe heißt. Woher der Name Dionysiuskirche kommt. Was Zwerge hier getrieben haben, wie man mit Klabautermännern umgeht und was Riesen im Leher Moor bei Bremerhaven getrieben haben. Und die Möwen, die Kirchenglocken, das Meeresrauschen: alles echte Geräusche aus dem Wurster Land.

Dass sie Spaß an ihrem Hobby haben, merkt man den Machern an. Ihr liebste Geschichte? Als sie mitten in einer Produktion zur ersten CD gestört wurden: "Da wird der Bischof in Bremen um Rat gefragt: 'Dann müssen wir den Bischof anrufen.' Und dann klingelt eben im Hintergrund ein Telefon." Was für ein timing – zumal mit "anrufen" im 15. oder 16.Jahrhundert sicherlich etwas anderes gemeint war. "Wir haben uns fast totgelacht darüber", erinnert sich Evering. Die Szene wurde dringelassen.

Und wie war das jetzt mit dem Teufel in Cuxhaven? Der Teufel wurde an der Alten Liebe ausgetrickst und an einem Anker auf den Meeresgrund versenkt. Ende gut, alles gut. Trotzdem vielleicht lieber das Wasser im Blick behalten bei Spaziergängen an der Alten Liebe in Cuxhaven.

Autorin

  • Catharina Spethmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 18. Juli 2021, 13:40 Uhr