Mordfall Högel: Nur eingeschränkte Anklage gegen Ex-Kollegen

Video vom 27. Juli 2021
Ein Mann sitzt vor Gericht
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich
  • Oldenburger Klinikmitarbeiter nicht für Fälle in Delmenhorst strafbar
  • Entscheidung des Oberlandesgerichtes Oldenburg
  • Staatsanwaltschaft hatte ihnen Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen

Ehemalige Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg müssen sich im Zusammenhang mit den Morden des früheren Krankenpflegers Niels Högel nur eingeschränkt vor Gericht verantworten. Das Oberlandesgericht Oldenburg hat eine entsprechende Entscheidung des Landgerichtes bestätigt. Damit wurden Beschwerden von Staatsanwaltschaft und Nebenklage zurückgewiesen, teilte das Gericht am Dienstag mit.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte im September 2019 Anklage gegen mehrere aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Oldenburger Klinikums erhoben. Sie warf ihnen mit Blick auf drei Todesfälle im Klinikum Oldenburg und 60 Todesfälle im Klinikum Delmenhorst Totschlag durch Unterlassen vor. Das Landgericht hatte die Anklage aber nur im Zusammenhang mit den drei Todesfällen in Oldenburg zugelassen. Dagegen hatten die Staatsanwaltschaft sowie mehrere Nebenkläger Beschwerde beim Oberlandesgericht eingelegt. Diese wurde nun abgewiesen.

Oldenburger Klinikmitarbeiter nicht für Fälle in Delmenhorst haftbar

Nach Ansicht des Oberlandesgerichtes haben sich die Oldenburger Klinikmitarbeiter im Zusamemenhang mit den Fällen in Delmenhorst nicht strafbar gemacht. Für sie habe gegenüber den Patienten in Delmenhorst keine rechtliche Pflicht zum Handeln bestanden. Die Klinikmitarbeiter hätten es zwar unterlassen, Verdachtsmomente gegen Niels Högel in das Arbeitszeugnis aufzunehmen. Ein Unterlassen sei aber nur dann strafbar, wenn es aktivem Tun gleichzustellen sei. Das ist nach Ansicht des Oberlandesgerichtes hier nicht gegeben.

Högel war Anfang Juni 2019 wegen 85-fachen Mordes an Patienten in Oldenburg und Delmenhorst zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte nach Überzeugung des Gerichts seine Patienten mit Medikamenten vergiftet, die zum Herzstillstand führten, um sie anschließend reanimieren zu können. So wollte er als Lebensretter glänzen. Im Mordprozess war deutlich geworden, dass die Vorgesetzten in Oldenburg nach einem Verdacht dem Pfleger die Kündigung nahegelegt hatten. Mit einem guten Zeugnis bewarb sich Högel dann erfolgreich in Delmenhorst.

Ex-Kollege von Patientenmörder Högel wegen Meineids angeklagt

Blick auf das Klinikum Oldenburg im Stadtteil Kreyenbrück.
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich
Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Juli 2021, 19:30 Uhr