Sahara-Luft und 36 Grad Celsius: zwischen Hitzeschlag und Hitzefrei

  • Hitzewelle kommt am Dienstag und Mittwoch
  • Tropische Temperaturen auch nachts erwartet
  • Polizei warnt vor Gefahren
Ein Kind mit Mütze am Badestrand.
Freitag war Sommeranfang. Und er lässt nicht auf sich warten!

Die nahende Hitzewelle erklärt Diplom-Meteorologe Hartmut Mühlbauer so: "Das Hoch Ulla saugt Luft bis aus der Sahara zu uns und da wird's dann richtig schweißtreibend und heiß bei uns." Für Montag erwartet Mühlbauer 32, für Dienstag und Mittwoch sogar bis zu 36 Grad Celsius. Und in der zweiten Wochenhälfte ist kaum Abkühlung zu rechnen bei rund 30 Grad. Es sähe sogar danach aus, dass diese Woche in Deutschland ein Allzeit-Temperatur-Rekord fallen könnte – mit über 40,3 Grad Celsius.

Das sieht nach einer ausgewachsenen Hitzewelle aus.

Hartmut Mühlbauer, Diplom-Meteorologe

Gut für Nachtschwärmer, misslich für die, die schlafen wollen: So sehr sich die Erde tagsüber aufheizen wird, so wenig wird es in den Nächten abkühlen. Ein gutes Kühlmanagement für das Schlafzimmer ist ratsam, denn selbst um Mitternacht könnten noch Außentemperatur von knapp unter 20 Grad herrschen. "Da müssen wir uns schon ein paar Taktiken einfallen lassen, um das zu überstehen", prognostiziert Meteorologe Mühlbauer.

Heißer als die Polizei erlaubt

Polizisten mit einer Kelle
Für den Sommer gehört ein kurzärmeliges Hemd zur Ausstattung der Polizei. Bild: Polizei Bremen

"Wir rechnen für den Montag damit, dass sich wieder viele Spaßvögel von der Polizei Bremen beschatten lassen möchten", scherzt Polizeisprecher Nils Matthiesen, der jetzt schon Mitleid mit den diensthabenden Kolleginnen und Kollegen hat. Denn auch bei Hitze müssen die sich an die Bekleidungsvorschriften halten. Herrschen jedoch an mehr als zwei aufeinanderfolgenden Tagen mehr als 30 Grad Celsius, werden die gelockert: Dann darf die Dienstmütze abgesetzt und auch mal T-Shirt getragen werden – in schwarz mit weißer Aufschrift "Polizei". Mehr als um das eigene Wohlbefinden sorgt sich Matthiesen jedoch um die, die an heißen Tagen im Auto unterwegs sind.

Die Scheiben einen Spalt zu öffnen, hilft nur wenig.

Polizeisprecher Nils Matthiesen
Nils Matthiesen, Polizei Bremen

Polizeisprecher Matthiesen warnt ansonsten eindringlich vor den Gefahren der Hitze, die immer wieder unterschätzt werden: "Der Innenraum eines Autos erhitzt sich in diesen Tagen sehr schnell." Deshalb haben die Einsatzkräfte der Bremer Polizei dieser Tage ein besonderes Auge auf geparkte Fahrzeuge mit Kindern und Tieren.

Warnung vor "Baden auf eigene Gefahr"

Die Polizei Bremen wird auch einen besonderen Blick auf Gewässer wie die Weser haben, denn nur ausgewiesene und durch die DLRG überwachte Orte sind zum Baden freigegeben. "In allen anderen Bereichen ist das Baden und Schwimmen verboten und aufgrund von Strömungen und Schiffsverkehr lebensgefährlich." Auch die Bremer Wasserschutzpolizei und die DLRG warnen immer wieder eindringlich: Vor allem in der Weser kann Schwimmen gefährlich sein. Und erinnern dabei auch an die neun Badetoten im Rekordsommer 2018. Im August 2018 ist beispielweise ein 4-jähriger Junge in der Weser ertrunken.

Heißt "Hitzefrei" automatisch "frei bei Hitze"?

Die "wärmebedingte Beendigung des Unterrichts" – so heißt "Hitzefrei" im Behörden-Sprech – ist weder an bestimmte Temperaturen gekoppelt noch an einen Rechtsanspruch. So entscheidet jeder Schulleiter individuell, wie er mit der Hitze umgeht. Laut Behörde kann ab einer Raumtemperatur von 25 Grad der Unterricht früher als üblich beendet werden. Eine Betreuung der Schülerinnen und Schüler ist im Land Bremen so oder so verlässlich gewährleistet. Ob Deich, Park oder Freibad: Erlaubt wäre auch, den Unterricht oder auch die Betreuungszeit im Fall der Fälle kurzerhand an einen geeigneteren Ort zu verlegen, wenn die Schulräume zu aufgeheizt sind.

Anders am Arbeitsplatz: Zwar gibt es laut der Arbeitnehmerkammer Bremen keinen Rechtsanspruch auf "Hitzefrei", aber die Führsorgepflicht des Arbeitgebers beinhaltet, allzu hohen Temperaturen und deren Folgen vorzubeugen. Und sei es, dass er spätestens bei 26 Grad Celsius Sonnenschutzvorkehrungen trifft, sagt Sprecherin Nathalie Sander. Die Kammer rät, an heißen Tagen über reduzierte oder über variable Arbeitszeiten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden nachzudenken. Lufttemperaturen im Arbeitsraum über 35 Grad Celsius sind laut Arbeitsstätteregel (ASR) "ohne Maßnahmen ungeeignet".

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  • Eva Linke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 23, Juni 2019, 10:20 Uhr