Psychische Krise wegen Corona? Hier finden Sie Hilfe

Eine drohende Ansteckung und mögliche Isolation: Die Corona-Pandemie kann psychisch sehr belastend sein. Ein Psychologe gibt Tipps – und andere Hilfsangebote.

Video vom 13. September 2020
Eine Frau sitzt an einem Tisch und trägt eine Mund-Nasen-Bedeckung.
Bild: Radio Bremen

Auch, wenn der Corona-Lockdown inzwischen vorbei ist: Einsamkeit und die Angst vor Ansteckung belasten weiter viele Bremer und Bremerhavener. Das merkt auch Uwe Gonther, Psychologe und Chefarzt im Bremer Ameos-Klinikum, in seiner täglichen Arbeit: Die Nachfrage nach Plätzen in psychiatrischen Einrichtungen sei in den letzten zwei Monaten merklich gestiegen.

"Den höchsten Anmeldezuwachs gab es in den Tageskliniken", so Gonther. "Da sieht man Menschen, die eigentlich ein geregeltes Leben haben, aber tagsüber nicht wissen, was sie mit sich machen sollen", beschreibt der Psychologe. In den Kliniken gebe es für sie dann tagsüber therapeutische Angebote, am Abend kehren sie aber in ihre eigene Wohnung zurück. Eine solche Tagesklinik sei neben niedergelassenen Psychologen und stationären Einrichtungen eine Möglichkeit, Hilfe bei der Bewältigung von psychischen Problemen – auch durch die Corona-Maßnahmen – zu bekommen.

Bewusst mit Gefühlen umgehen

Doch auch, wer nicht in professioneller Betreuung ist, kann aktiv etwas gegen die Belastung durch die Situation tun: Zunächst müssen die unangenehmen Gefühle erkannt werden und ernst genommen werden, rät Uwe Gonther. "Es ist nicht für alle einfach, ihre Gefühle zu bemerken und zu akzeptieren", sagt er. Wer dies schließlich geschafft hat, sollte als nächsten Schritt versuchen, angemessene Worte für die Gefühle zu finden – und im dritten Schritt schauen, mit wem er diese teilen kann. Das könnten Familienmitglieder, aber auch Kollegen oder Nachbarn sein. "Durch die Kommunikation entsteht auch Gemeinschaft", so Gonther.

Solch einen guten und bewussten Umgang mit Emotionen zu leben, sei insbesondere für Eltern mit Kindern wichtig, sagt der Experte. Denn diese schauten sich vieles von ihren Vorbildern ab. "Bei Kindern geht es ums tun, insbesondere bei kleineren Kindern." Außerdem sei für Kinder – soweit möglich – die Bewegung an der frischen Luft wichtig, sowohl für ihre körperliche als auch psychische Gesundheit.

Psychische Belastung durch Corona: "Nachfrage nach Hilfe nimmt zu"

Video vom 13. September 2020
Der Psychater Uwe Honther zu Gast im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. September 2020, 19:30 Uhr