Interview

Wie ein neues Herz-Forschungszentrum allen Bremern helfen soll

An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben jährlich die meisten Menschen. Bremen bekommt jetzt Verstärkung im Kampf gegen den Infarkt. Ein Chefarzt erklärt, wie.

Ein Mann mit Mundschutz betrachtet das Modell eines Herzens und ein Arzt erklärt ihm, wie seine Herz funktioniert.
Durch regelmäßige Bewegung, bewusste Ernährung und Nichtrauchen lässt sich die Gefahr einer Herz-Kreislauf-Erkrankung stark senken. Ein Arzt klärt einen Mann auf. (Symbolbild) Bild: DPA | Tobias Hase

Einer privaten Großspende sei Dank. Die Stiftung Bremer Herzen baut ab Donnerstag ein Forschungs- und Ausbildungszentrum. Der Mitgründer und Vorsitzende der Stiftung, Rainer Hambrecht, ist zugleich Chefarzt der Klinik für innere Medizin, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Klinikum Links der Weser. Der 59-jährige hofft, dass bald wieder mehr Menschen mit Herzproblemen rechtzeitig in die Krankenhäuser kommen. Seit Ausbruch der Pandemie sind die Patientenzahlen bundesweit zurückgegangen – eine fatale Entwicklung, gegen die nur Aufklärung hilft, sagen Mediziner. Auch das neue Ausbildungs- und Forschungszentrum der Stiftung Bremer Herzen soll im Zeichen vorbeugender Maßnahmen stehen.

Was bedeutet der Neubau des Forschungs- und Ausbildungszentrums der Stiftung Bremer Herzen für Bremen?
Bremen hat keine eigene medizinische Fakultät. Aber die Herzmedizin ist von medizinischen Innovationen abhängig. Der Schlüssel für innovative medizinische Verfahren liegt in der Forschung. Wir brauchen in der akuten Herzmedizin, wenn es jemandem schlecht geht, die neuesten Entwicklungen vor Ort. Ein Patient mit akuten Herzproblemen kann ja nicht von Bremen nach Hannover oder nach Hamburg reisen, um sich untersuchen zu lassen. Das Herzzentrum wird durch das neue Gebäude und durch die Möglichkeit, Versorgungs- und Präventionsforschung zu betreiben, eindeutig aufgewertet.
Grauhaariger Mann, Anfang/Mitte 60, in weißem Kittel strahlt in Kamera
Glaubt, dass das neue Ausbildungs- und Forschungszentrum der Stiftung Bremer Herzen junge Wissenschaftler nach Bremen locken wird: Rainer Hambrecht. Bild: Gesundheit Nord
Aber unter dem Dach des Herzzentrums wird doch derzeit auch geforscht...
Als ich hier vor 14 Jahren angefangen habe, hat es hier gar keine Forschung gegeben. Wir haben das langsam aufgebaut. Inzwischen haben wir eine Gruppe aus wissenschaftlich tätigen Menschen im Haus. Aber die haben viel zu wenig Platz. Jetzt kriegen wir den nötigen Platz. Wir können jetzt mit dem Forschungs- und Ausbildungszentrum eine identifikationsstiftende Einrichtung vorweisen, in der Forschung platziert ist. Hier können unsere Studenten ihre Forschungsprojekte durchführen, auch im Bereich der Humanmedizin. Das ist neu. Wir locken durch die Forschungsarbeit Medizinstudenten in die Hansestadt, die vorher nicht nach Bremen gekommen sind. Die werden jetzt hier ihre Promotionsarbeiten machen. Dadurch bekommt Bremen einen kleinen Klebeeffekt für die selten gewordenen jungen Ärzte, für den medizinischen Nachwuchs. Das ist eine toll Begleiterscheinung.
Wenn Sie Bremerinnen und Bremern, die sich nicht so sehr für Forschung interessieren, erklären müssen, was sich für sie durch den Neubau ändert, was sagen Sie dann?
Dass wir große Aufklärungskampagnen für die Bremer Bevölkerung in dem Gebäude planen, für jeden, der sich für Herzgesundheit interessiert. Das ist bisher kaum möglich gewesen. Aber jetzt kriegen wir mehrere Seminarräume, bekommen auch einen großen Vorlesungsraum. Und wenn Corona es uns wieder erlaubt, dann werden wir vor Ort Veranstaltungen durchführen, die wir derzeit beispielsweise als Webinare im Internet anbieten. Ich denke da etwa an Reanimationsschulungen. Sprich: Es wird ein Gesundheitszentrum, in dem es vor allem um die Gesundheit des Herzens geht und um Präventionsstrategien.
Warum sind Ihnen Präventionsstrategien, dem Herzinfarkt vorbeugende Maßnahmen so wichtig?
Wir wissen, dass sich durch regelmäßige Bewegung, durch bewusste Ernährung und durch Nichtrauchen das individuelle Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung viel stärker senken lässt als durch jedes Medikament. Jeder fünfte Infarkt könnte durch regelmäßige körperliche Aktivität vermieden werden. Beim Rauchen ist es ähnlich. Wer nicht raucht oder aufhört zu rauchen, reduziert das Infarktrisiko deutlich. Auch durch eine gezielte Ernährung lässt sich dieses Risiko erheblich senken, wie neue Studien zeigen. Aber: Man muss die Leute darüber aufklären und ihnen zeigen, was sie ändern sollten.
Planen Sie auch Forschung zur Prävention?
Das ist einer unserer Schwerpunkte. Ich bin Sprecher der "Projektgruppe Prävention" der Gesellschaft für Kardiologie. Wir haben den Auftrag von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Sachkundekurse für die kardiologische Prävention den Ärzten in Deutschland anzubieten. Das wird in dem neuen Gebäude stattfinden und uns zu Strahlkraft verhelfen.
Wann geht es los?
Wir gehen davon aus, dass wir Ende des kommenden Jahres schon in dem Gebäude werden arbeiten können.

Wie Herzinfarkte vermieden werden können

Video vom 9. April 2017
Das Modell eines Herzens
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Oktober, 19.30 Uhr