Fehlerhafte Herzschrittmacher: Hunderte Patienten in Bremen betroffen

  • Hersteller Medtronic ruft weltweit 157.000 Schrittmacher zurück
  • In ganz Norddeutschland müssen Hunderte Geräte überprüft werden
  • Allein in Bremer Kliniken sind bisher mindestens 345 Betroffene ermittelt
Ärzte bereiten eine Herz-OP vor.
Bild: DPA | Ulrich Baumgarten

Die technischen Probleme mit Herzschrittmachern des Herstellers Medtronic betreffen auch Hunderte Patienten in Bremen. Allein die kommunalen Krankenhäuser des Bremer Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno) haben inzwischen 300 Patienten kontaktiert. Das teilte eine Geno-Sprecherin auf buten un binnen-Anfrage mit. Die Patienten sollen sich demnach "dringend und schnell" entweder in einem Geno-Krankenhaus oder bei einem niedergelassenen Kardiologen melden.

Auch im Rotes Kreuz Krankenhaus wurden 45 der betroffenen Herzschrittmacher eingesetzt. Die Patienten sind informiert worden. Eine Sprecherin des St. Joseph-Stift teilte auf Anfrage mit, dass auch dort Herzschrittmacher des Herstellers Medtronic verwendet wurden. Wie viele genau, werde gerade geprüft.

In ganz Norddeutschland ruft Medtronic nach NDR-Recherchen Hunderte Herzschrittmacher zurück. Vom Klinikum Siloah in Hannover hätten 590 Patienten einen Brief bekommen, der sie über einen "möglichen Funktionsverlust" informiere und zur Kontrolle einbestelle, berichtete der NDR.

In sehr seltenen Fällen und nur unter bestimmten Voraussetzungen kann es zu einer Stimulationspause kommen.

Stellungnahme von Medtronic

Auch Patienten in Hannover und Oldenburg sind betroffen: An der Medizinischen Hochschule Hannover sind es laut NDR 70 Patienten, am Klinikum Oldenburg 25. Dort geht man davon aus, dass alle Herzzentren in Deutschland die fehlerhaften Medtronic-Geräte eingesetzt haben. Es geht den Recherchen zufolge um verschiedene Herzschrittmacher-Modelle des Herstellers, die zwischen März 2017 und Januar 2019 implantiert worden sind.

Chefarzt: "Größte Rückrufaktion, die ich bisher erlebt habe"

Der Chefarzt des KRH Klinikums Siloah, Andreas Franke, spricht gegenüber dem NDR von der größten Rückrufaktion, die er bisher erlebt habe. Er gehe aber davon aus, dass in den meisten Fällen eine neue Software ausreiche und die Patienten nicht operiert werden müssten. Hersteller Medtronic teilt schriftlich mit: "In sehr seltenen Fällen und nur unter bestimmten Voraussetzungen kann es zu einer Stimulationspause kommen."

Medtronic arbeitet laut NDR derzeit an einem Software-Update. Vermutlich sei es nur in wenigen Fällen nötig, den Herzschrittmacher durch eine Operation auszutauschen. Wie viele Patienten sich bundesweit untersuchen lassen müssen, ist den Angaben zufolge unklar. Der Hersteller wolle keine Zahlen nennen, heißt es vom NDR. Zudem gebe es kein bundesweites Register.

Ärztekammer fordert TÜV-Zertifikate für Schrittmacher

Ein solches hält die niedersächsische Ärztekammer für dringend erforderlich. Ärztekammer-Sprecher Thomas Spieker plädierte gegenüber dem Sender dafür, dass "staatlich zertifizierte Prüfunternehmen wie der TÜV diese Medizinprodukte dann kontrollieren und testen". Bislang könnten sich die Hersteller ihre Gutachter europaweit aussuchen.

Eine staatliche, firmenunabhängige Überwachung fordert auch die Ärztekammer Bremen.

Als Idee steht im Raum, dass man es gesetzlich regeln könnte, dass es eine staatliche Prüfstelle gibt, die unangekündigt Stichproben zieht – auch von Arzneimitteln – um einfach zu testen, ob den Anforderungen genügt wird

Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen

Weltweit sind dem Hersteller zufolge 157.000 möglicherweise fehlerhafte Medtronic-Herzschrittmacher verkauft worden. Bisher gebe es laut dem US-amerikanischem Hersteller vier gemeldete Fälle bei zwei Patienten, in denen die Geräte nicht richtig funktioniert hätten. Die Folge sei jeweils eine Ohnmacht gewesen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 14. Februar 2019, 17 Uhr