Wie ein harter Brexit die Herings-Branche treffen könnte

Ein harter Brexit könnte für Bremerhaven harte Konsequenzen bedeuten: Die Herings-Fanggründe liegen bald außerhalb der EU. 80 Prozent der Erlöse sind in Gefahr.

Ein Hochseefischtrawler liegt im Hafen.

Uwe Richter ist Chef der "Doggerbank Seefischerei" in Bremerhaven und Vorsitzender des deutschen Hochseefischerei-Verbandes. Er sieht ein großes Problem auf seine Branche zukommen: "Deutschland fängt eigentlich 100 Prozent seiner jährlichen Nordsee-Quote in der britischen Zone", sagt er. Wenn die deutschen Fischer dort keinen Zugang mehr zu Heringen und Makrelen hätten, sei das ein Problem: "Die Fangplätze, die wir dann noch zur Verfügung haben, sind nicht so groß und ergiebig, dass die gesamte EU-Flotte dort tätig sein kann."

Forscherin: "Haupterlös fällt weg"

Sarah Simons vom Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, dem Thünen-Institut in Bremerhaven, bestätigt, dass die deutschen Heringsfischer einen Großteil ihrer Einnahmen verlieren könnten: Zwar nicht unbedingt 100, aber doch 80 Prozent weniger, schätzt sie: "Da fällt der Haupterlös weg. Und das bedeutet dann natürlich auch, dass die Fischverarbeitungswerke weniger Rohware erhalten. Da hängen auch hunderte Arbeitsplätze dran", so die Forscherin.

Sarah Simons
Sarah Simons vom bremerhavener Thünen-Institut sieht den Großteil der Heringsfischer-Einnahmen in Gefahr.

Gäbe es dann in Deutschland also keinen Hering mehr, der ja so etwas wie der "Brotfisch" der Deutschen ist? Doch, glaubt Sarah Simons, aber der müsste dann aus Großbritannien importiert werden – und dann werde es wohl Zölle geben, die Preise würden steigen. Aber: Deutschland verarbeitet vorwiegend rohen Fisch, und dafür gelten laut Simons relativ niedrige Zolltarife: "Etwa zehn Prozent. Diese Kosten würde man wahrscheinlich in Kauf nehmen, weil die Nachfrage sehr groß ist." Bei anderen Produkten wie mariniertem Fisch wären die Zölle deutlich höher.

Und da wären die Kunden vielleicht auch nicht mehr bereit, höhere Preise zu zahlen.

Sarah Simons
Sarah Simons, Thünen-Institut Bremerhaven

Arbeitsplätze in Gefahr

Die deutsche Hochseefischer-Flotte unterhält laut Uwe Richter noch acht große Trawlerschiffe. Käme es tatsächlich zu einem harten Brexit und würden die Briten den Heringsfang selber übernehmen, hätte das nach seiner Einschätzung "gravierende Auswirkungen" auf die deutsche Fischerei.

Uwe Richter
Uwe Richter befürchtet, dass bei seinem Bremerhavener Unternehmen 80 bis 100 Arbeitsplätze wegfallen könnten.

Im schlimmsten Fall, so Uwe Richter, müsste sein Bremerhavener Unternehmen zwei Schiffe vollkommen stillegen. "Das wäre ein zeitweiliger oder voller Verlust von 80 bis 100 Arbeitsplätzen", sagt der "Doggerbank"-Geschäftsführer. Hinzu kämen noch wegfallende Aufträge an zahlreiche kleine und mittelständische Dienstleister in der Region, für die allein seine Firma jährlich bis zu acht Millionen Euro ausgebe. Ähnliche Folgen hätte ein harter Brexit laut Richter auch für Cuxhaven. Neben Sassnitz auf Rügen und Bremerhaven ist das der dritte große Hochseefischerei-Standort in Deutschland.

Wie es nach dem Austritt Großbritanniens für seine Branche konkret weitergehen könnte, weiß Richter noch nicht. Doch am Ende bleibt der Geschäftsführer vorsichtig optimistisch:

Egal was der Brite macht: Ich denke, es wird eine Lösung geben, mit der auch die deutsche Hochseefischerei für die Zukunft Bestand haben wird.

Uwe Richter, Chef des Fischereiunternehmens "Doggerbank" (Bremerhaven)

Die Auswirkungen des Brexits für die deutsche Hochseefischerei ist ein Hauptthema des diesjährigen "Fischgipfels" der Branche, der am Dienstag in Bremerhaven stattgefunden hat.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. März 2018, 19:30 Uhr