Interview

Bremen gedenkt Völkermord: "Erinnern, auch um Rassismus zu überwinden"

Die Bremer Bundestagsabgeordnete Kappert-Gonther hat eine Gedenkfeier am heutigen Anti-Kolonial-Denkmal, dem Elefant, initiiert. Für sie gehört Kolonialismus in den Schulunterricht.

Gedenkaktion am Elefanten-Denkmal
Am Bremer Elefanten wurde am Dienstagvormittag der Opfer des Völkermords in Namibia gedacht. Bild: Radio Bremen | Jens Otto
Frau Kappert-Gonther, warum haben Sie das Thema 2018 in den Bundestag eingebracht und in Bremen die Gedenkveranstaltung initiiert?
Deutschland leidet unter kolonialer Amnesie und wer die Vergangenheit verdrängt, der trifft falsche Entscheidungen für Gegenwart und Zukunft. Wir sehen es ja allerorts, wie der Rassismus nach wie vor sehr präsent ist in unserem Alltag. Unser koloninales Erbe ist eben eine Wurzel und die muss man aufarbeiten und daran muss man erinnern. Auch um Rassismus endlich zu überwinden.
Kirsten Kappert-Gonther (Die Grünen)
Kirsten Kappert-Gonther sitzt die für die Bremer Grünen im Deutschen Bundestag. Bild: Die Grünen
Warum ist Ihnen diese Gedenkveranstaltung wichtig?
Weil der Genozid an den Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika in der namibischen Geschichte präsent ist. Bei uns ist es ein verdrängtes Kapitel unserer Vergangenheit. Viele Menschen wissen gar nicht, dass der erste Genozid des letztes Jahrhunderts an den Herero und Nama von deutschen Truppen ausging. Etwa 80.000 Menschen sind dem zum Opfer gefallen und es ist entscheidend, dass die Bevölkerung mehr darüber weiß.
Dennoch hat sich Deutschland schwer getan, den Völkermord anzuerkennen...
Der Völkermord an den Herero und Nama ist immer noch nicht offiziell anerkannt als Genozid und es fehlt bis heute auch eine offizielle Bitte um Entschuldigung.
Was kann man tun, damit das Thema mehr aufs Tableau kommt?
Darüber reden! Gedenkveranstaltungen machen, auch trotz Corona. So wie heute am "Elefant", dem einzigen Mahnmal, das es in Deutschland gibt, was an diesen Völkermord erinnert. Was noch entscheidend wäre, ist ein Gedenkort in Berlin, der an unser koloniales Erbe erinnert. Zudem ist es notwendig, dass das Wissen um Kolonialismus in den Schulen aufgenommen wird. Damit unsere junge Generation weiß, was da stattgefunden hat.

Das Interview führten Katharina Guleikoff und Marcus Rudolph. Aufgeschrieben von Sophie Schwarz.

Rassismus in Bremen: Betroffene berichten von ihren Erfahrungen

Video vom 11. Juli 2020
Zwei schwarze Frauen sitzen auf einer Wiese. Im Hintergrund eine grüne Hecke.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Katharina Guleikoff
  • Marcus Rudolph

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 11. August 2020, 9 Uhr