Fragen & Antworten

So verläuft der erste Herbststurm in Bremerhaven und Bremen

Audio vom 23. September 2021
Ein Schiff stößt bei der Durchfahrt fast gegen eine Brücke.
Bild: Radio Bremen | Michael Pundt
Bild: Radio Bremen | Michael Pundt

Laut Meteorologen ist es der erste Herbststurm, der heute über Bremen und Bremerhaven zieht. Ein Experte erklärt, worauf zu achten ist und wie das Wetter danach wird.

Worauf muss sich die Region einstellen?
Das ist ein erster Herbststurm, sagt Meteorologe Jürgen Weiß vom ARD-Wetterkompetenzzentrum. An der Nordseeküste kann es teilweise schwere Sturmböen geben. "Das betrifft die Inseln und im Großraum Bremerhaven und Bremen das Gebiet vom Jadebusen bis zur Elbmündung", so Weiß. Heftiger werde es zwar in Schleswig-Holstein und in Skandinavien, insbesondere dem nördlichen Dänemark. "Dennoch ist die Lage auch bei uns nicht zu unterschätzen", sagt der Meteorologe. "Da ist schon etwas im Gange."

Bis zum frühen Abend hatte die Polizei in Bremerhaven auf Nachfrage keinerlei Einsätze im Zusammenhang mit der Wetterlage zu verzeichnen. Auch zu Hochwasser oder anderen Schäden sei bis dahin nichts bekannt geworden. Mit einer Änderung der Lage rechnete ein Sprecher für den Abend nicht. In Bremen blieb es aus Sicht von Polizei und Feuerwehr ebenfalls ruhig.

Zum mit 1,50 Meter über Normal angekündigten Hochwasser mit einem Höchststand gegen 18 Uhr seien keine Meldungen von Bürgern eingegangen, sagte eine Polizeisprecherin. Für das eine oder andere Schiff wurde es unter Brücken aber eng. Zwischen Verden und Rotenburg krachte am späten Donnerstagabend ein Baum auf die Gleise. Eine Bahn fuhr hinein. Nach ersten Angaben gab es keine Verletzten. Die Reisenden wurden von der Feuerwehr evakuiert.
Porträt zeigt den Meterologen Jürgen Weiß
Meteorologe Jürgen Weiß beobachtet die Wetterlage für das ARD-Wetterkompetenzzentrum. Bild: Jürgen Weiß
Was kann bei den erwarteten Windgeschwindigkeiten passieren?
Im Großraum Bremerhaven kann es an der Küste und auf den Inseln laut Weiß zu Sturmböen und schweren Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten um die 90 bis 95 Kilometern pro Stunde kommen. Dabei könnten Äste abknicken, gerade weil sie durch das Laub jetzt noch mehr Windwiderstand und Angriffsfläche als im Winter haben. Auch kleinere bewegliche Gegenstände könnten umherfliegen.

An der Küste sollte man zum Beispiel bei Strandkörben vorsichtig sein, rät der Meteorologe. Auch von Baugerüsten könne etwas herunterfallen. "Im Binnenland einschließlich der Stadt Bremen wird es nicht so dramatisch", so Weiß. "Da kann es zu einzelnen starken bis stürmischen Böen kommen, bis Windstärke 8 mit 70 Kilometern pro Stunde Windgeschwindigkeit."

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Wie ist das Wetterereignis zu dieser Jahreszeit zu bewerten?
Es gab im September laut des Experten schon dramatischere Stürme. "Es entsteht eher der Eindruck, dass manche Medien übertreiben – passend zum kalendarischen Herbstanfang", sagt Weiß. Der ist am 22. September.

Vom Norden her trifft kältere auf wärmere Luft aus Mittel- und Südeuropa, erklärt der Meteorologe. Es sei beispielsweise auch nicht ungewöhnlich, dass sich Tiefs wie das des Ex-Hurrikans Odette an der US-Küste entlanghangelten und nun durch die Nord- und Süd-Temperaturen neue Impulse bekämen. Ein paar Luftmassen daraus würden dann bei uns indirekt mit verwirbelt. "Das ist ein Phänomen, das häufiger im September vorkommt", sagt Weiß. Bei verschiedenen Wettermodellen, etwa von der Europäischen Wetterzentrale in England, aus den USA oder aus Deutschland, seien für die Region derzeit keine dramatischen Entwicklungen angezeigt.
Wie entwickelt sich das Wetter anschließend weiter?
Es kommt in den Folgetagen nach dem Sturm zu Hochdruck. Am Samstag gibt es Sonnenschein, aber auch Regen ist möglich, sagt Weiß. Am Sonntag gehen die Temperaturen dann hoch auf bis zu 22 Grad: "Das ist eher ungewöhnliches Wetter für Ende September in Bremerhaven und Bremen, allerdings auch nicht untypisch nach einem Tief", meint der Meteorologe. Wie lange das anhalte, sei schwer abzusehen. Jedoch bleibe es auch zu Wochenbeginn noch mild.

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 23. September 2021, 8:15 Uhr