Diese 5 Dinge verbinden Helgoland und Bremen

Auch wenn der Fährverkehr jetzt stark eingedampft ist: Das Land Bremen verbindet deutlich mehr als nur eine Schiffslinie mit der Insel. Hier fünf erstaunliche Fakten.

Der Felsen "Lange Anna", an der Nordspitze von Helgoland.
Die "Lange Anna" – ein Sehnsuchtsort auch für viele Bremer Touristen. Bild: DPA | C. Wermter/Blickwinkel

1 Erste Beschreibung Helgolands kam aus Bremen

Im 8. und 9. Jahrhundert nach Christus wurde die Christianisierung im Norden Europas vorangetrieben. 845 wurde das neu gegründete Erzbistum Hamburg nach Bremen verlegt. Die nötigen Kenntnisse über die Region lieferte der Domherr Adam von Bremen. Er gab in seinem Werk über die Kirchengeschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen im Jahr 1070 eine erste ausführliche Beschreibung Helgolands, der Lebensverhältnisse seiner Bewohner sowie seiner geographischen Lage ab.

2 Seenotrettung im Schulterschluss

Der Seenotrettungskreuzer Hermann Marwede und Segelboote in Helgolands Südhafen im Morgenlicht.
Der seit 2003 auf Helgoland stationierte Seenotrettungskreuzer "Hermann Marwede". Bild: DPA | Michael Narten

Die Bergung von Menschen und Schiffen, die in Seenot geraten waren, hat auf Helgoland eine lange Tradition. Nach einem bestimmten Zeitablauf durften Helgoländer ein Schiff in Besitz nehmen, das gestrandet war, wie Michael Herms in seinem Buch "Flaggenwechsel auf Helgoland" schreibt. Die Seenotrettung bot damit den Bewohnern eine Einnahmequelle. Sie erhielten entweder einen Teil der Ladung oder in einzelnen Fällen im 17. Jahrhundert auch Bargeld für die Bergung.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit ihrer Zentrale in Bremen hat heute die Aufgabe der Seenotrettung inne. Auf Helgoland unterhält sie eine Station mit Schlüsselfunktion. Denn in unmittelbarer Nähe der Insel befindet sich um die Mündungen von Jade, Weser und Elbe nach Angaben der Gesellschaft das am stärksten befahrene Seegebiet der Welt.

3 Heringe für Bremen, Bier für Helgoland

Im 15. Jahrhundert machten sich viele Bremer Fischer auf nach Helgoland, schreibt Michael Herms in seinem Buch "Flaggenwechsel auf Helgoland". Der Grund: Heringe kamen in großen Schwärmen in die Gewässer rund um die Insel, um zu laichen. Wer vor Helgoland fischen wollte, musste allerdings pro Mitarbeiter eine Pauschale zahlen. Das reichhaltige Fischvorkommen weckte viele Begehrlichkeiten – bei den Hansestädten Bremen und Hamburg ebenso wie bei den Dänen. Viele Mächte beanspruchten Helgoland für sich. Zu einem Krieg kam es jedoch nicht. Das wäre auch kaum von dauerhaftem Nutzen gewesen, denn die Heringsschwemme hielt nicht dauerhaft an.

Das Schankgewerbe war für Helgoland nicht erst mit den vielen Tagestouristen, die zum "Fuselfelsen" fuhren, eine wichtige Einnahmequelle. Schon im 17. Jahrhundert bekamen sie eine Schankerlaubnis für Bier und Schnaps. Bier bekamen die Helgoländer aus Bremen (und auch aus Hamburg). Darauf mussten sie zur damaligen Zeit allerdings eine Steuer zahlen.

4 Fährverbindung zur "Langen Anna"

Etwa 115 Kilometer trennen Bremerhaven und die Insel Helgoland. Die Überfahrt dauert rund drei Stunden. Eigentlich verkehrt im Sommer täglich eine Fähre von der Seebäderkaje in Bremerhaven. In diesem Jahr sind die Fahrten wegen Corona allerdings reduziert: Am 12. und 13. August kann man noch von Bremerhaven nach Helgoland übersetzen. Wer an einem anderen Tag auf die Insel möchte, muss nach Cuxhaven fahren. Von dort bietet die Reederei Cassen Eils täglich Ausflugsfahrten an.

So läuft der Fährbetrieb von Bremerhaven nach Helgoland trotz Corona

Video vom 31. Juli 2020
Eine Fähre, aus der Menschen aussteigen.
Bild: Radio Bremen

Den Hansestädter lockt es schon lange zur "Langen Anna". Der Tourismus kam richtig in Fahrt nach 1826. Damals errichtete der Schiffszimmermann Jacob Andresen Siemens auf Helgoland eine Badeanstalt auf der Düne. Doch für die ersten Besucher war es schwer, die Insel zu erreichen. Von 1834 an verkehrten von Hamburg aus die ersten Raddampfer, später auch von Bremen und Bremerhaven. Der Norddeutsche Lloyd übernahm den sogenannten Seebäderdienst von der Hansestadt aus.

Traurige Bekanntheit erlangte das Seebäderschiff "Roland von Bremen", das von 1966 bis 1984 zwischen Bremen beziehungsweise Bremerhaven und Helgoland verkehrte. 1974 geriet es in zwei sogenannte Kreuzseen. Es neigte sich bedrohlich stark zur Seite, an Deck brach Chaos aus. Mehr als 30 Passagiere wurden verletzt, eine Frau starb in dem Rettungshubschrauber, der sie ins Krankenhaus bringen sollte.

5 Bremerhavens Forscher vor Ort

Zwei Personen auf einem Forschungsboot.
Im Dienste der Wissenschaft: Das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut hat eine Außenstelle auf der Hochseeinsel. Bild: Radio Bremen

Seit 1962 ist auch das Alfred-Wegener-Institut (AWI) vor Ort. Und seither werden werktäglich die Sichttiefe und die Temperatur des Wassers gemessen und die Wasserqualität und Planktondichte überprüft. Damit führt das AWI eine der wichtigsten Langzeitmessungen Europas durch. Ein Ergebnis: Fast zwei Grad ist die Nordsee in den letzten Jahrzehnten wärmer geworden, wodurch sich neue Arten ansiedeln konnten. Auch die Zunahme von Mikroplastik konnte das AWI so nachweisen.

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Autorin

  • Verena Patel

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. Juli 2020, 19:30 Uhr