Werkbank-Helden: Das haben Bremer in der Corona-Zeit gebaut

Ein kleines Haus für den Sohn, das Eigenheim renoviert oder auch Stühle mit der Kettensäge geschnitzt: Heimwerker waren in und rund um Bremen fleißig in der Coronzeit.

Ein junges Pärchen sitzt auf dem Fußboden. Um sie herum liegen Utensilien zum Streichen.
Viele Bremer und Bremerinnen haben die Zeit der Kontaktbeschränkungen genutzt, um Projekte zuhause umzusetzen (Symbolbild). Bild: DPA | Robert Kneschke

Während der Corona-Krise hatten viele Menschen aus Bremen, Bremerhaven und umzu Zeit, all das zu erledigen, was zu Hause schon ewig liegen geblieben ist – und die Projekte umzusetzen, die sie schon immer mal bauen wollten.

Eine von ihnen ist Anna Wiegmann aus Diepholz. Die Mutter von zwei Jungs arbeitet eigentlich selbstständig in einem kleinen Fitnessstudio – Mitte März kam das Familienleben allerdings zu einem abrupten Stopp: Homeoffice, Homeschooling – und Anna konnte gar nicht mehr arbeiten.

Altes Häuschen fast komplett renoviert

Eine neu restaurierte Treppe in einem kleinen Einfamilienhaus.
Viel Lärm, Dreck und Mühe, doch es hat sich gelohnt: Dank neuer Treppe kommt jetzt mehr Licht ins Treppenhaus. Bild: Privat | Anna Wiegmann

Kurzerhand entschied sie sich, viel an ihrem kleinen und vor allem alten Häuschen zu werkeln. "Den Anfang haben zwei große Arbeitstische gemacht. Die habe ich zusammen mit meinem Mann gebaut, damit auch alle einen Platz zum arbeiten und lernen haben", erzählt Anna. Weiter ging es mit dem Flur. Der brauchte "nach acht Jahren Kinderhände" dringend mal wieder einen neuen Anstich und auch die Treppe und das Treppenhaus musste restauriert werden – damit war Anna auch ein paar Tage beschäftigt. "Ich musste jede Stufe einzeln mit dem Winkelschleifer abschleifen. Das war eine sehr staubige und laute Angelegenheit", sagt die 34-Jährige.

Ein Hühnerhaus mit einem Schild im Vordergrund auf dem ein Huhn sitzt.
Home sweet home – jetzt auch für die Hühner. Bild: Privat | Anna Wiegmann

Doch auch mit diesem Projekt war Annas Hausrenovierung noch nicht vorbei. Auch im Garten gab es noch einiges zu tun. "Unsere grauen Betonsteine um die Hochbeete haben einen farbigen Anstrich bekommen. Mein Mann hat jetzt endlich seine geliebte Outdoorterrasse. Und unsere Hühner haben ein größeres Gehege aus Paletten gebaut bekommen", sagt Anna. Ein neuer Pool ist auch schon angelegt, drumherum kommen jetzt noch Sand und Steine. "Der Sommer kann bei uns definitiv kommen. Unser Urlaub fällt in diesem Jahr aus – aber so fühlt sich zuhause wie Urlaub an. Wir sind total happy mit unserer kleinen Villa Kunterbunt", sagt Anna. Ab Montag darf sie auch wieder arbeiten – gut, dass alle Projekte bis dahin soweit fertig sind.

Steigende Kundenzahlen in Baumärkten

Dass Anna nicht die einzige ist, die richtig viel zuhause geschafft hat, zeigt sich auch in den Baumärkten. Seit Beginn der Corona-Maßnahmen in Deutschland gibt es laut Hornbach-Sprecher Florian Preuß eine stark steigende Kundennachfrage. Zunächst im kühleren März noch nach Innenprojekten. Da wurde Farben, Tapete und Bodenbeläge gekauft. Seit April steht laut Preuß das Thema Garten und Gartenfreizeit ganz oben auf der Agenda: Erden, Pflanzen, Dünger, aber auch Grills, Pools, Gartenspielgeräte, Zäune und Outdoor-Möbel wurden gekauft.

Ganz klar für uns: Die Menschen sind in den vergangenen Wochen verstärkt daheim geblieben und haben die Zeit genutzt, um es sich und ihren Kinder so angenehm und schön wie möglich zu machen.

Florian Preuß, Hornbach-Pressesprecher

Dass gerade Pools dieses Frühjahr besonders beliebt sind, kann auch Michael Viohl bestätigen. Er ist Geschäftsführer des Baumarktes Viohl in Bremen. "Das merken auch unsere Lieferanten. Bei ihnen sind diese Artikel zum Teil schon vor der Saison ausverkauft", sagt Viohl. Was die Kunden derzeit besonders beschäftigt, sind Fragen zum Material, den Lieferzeiten der Nachschubware oder den Trocknungszeiten beim Verputzen, erklärt Daniela Rissinger, Pressesprecherin der Toom-Baumärkte.

Ein eigenes kleines Haus für Sohn Jonthe

Nicht nur Anna war fleißig und hat einige Heimwerker-Projekte gestartet. Norman Aksoy hat ein Stück Holz am Café Sand gefunden – und daraus eine Lampe gebaut. Das Hobby hat er vor drei Jahren schon begonnen und während der Kontaktbeschränkungen hatte er besonders viel Zeit dafür.

Ein kleines Gartenhaus steht in einem Garten.
Besonders viel Spaß gemacht hat es Thorbens Sohn Jonthe, die Werkzeuge im Garten zu verstecken. Bild: Privat | Thorben Knie

Thorben Knie und seine Familie haben im Februar ein Haus in Weyhe gekauft. "Für den Sommer bekommt mein Sohn Jonthe sein eigenes Haus im Garten", erzählt er. Dafür hat er erst einmal ein Fundament aus Gehwegplatten gelegt. Darauf kam das Grundgestell und später die Wände. "Beim Streichen wurde ich tatkräftig von meinem Sohn unterstützt. Auch im Schrauben reichen war er eine große Hilfe", sagt Knie. Noch viel spannender war für ihn aber, die Werkzeuge im gesamten Garten zu verteilen.

Ich hoffe, die Schlüsselübergabe kann Anfang Juni stattfinden.

Thorben Knie

Thorsten Kursawsky ist Servicetechniker für Verpackungsmaschinen und normalerweise rund acht Monate im Jahr beruflich in der ganzen Welt unterwegs. "Jetzt im Lockdown habe ich die Zeit gefunden, Stühle mit der Kettensägen zu schnitzen", erzählt er.

Stühle aus einer alten Buchen geschnitzt, die um eine Feuerstelle herumstehen.
Endlich hatte Thorsten Zeit, etwas mit der umgekippten Buche im Garten zu machen. Bild: privat | Thorsten Kursawsky

Seit einem Jahr lag eine alte Buche am Ende seines Grundstückes. Spontan entschied er, dass aus dieser Buche die neuen Stühle für die Feuerstelle im Garten werden sollten – denn die alten waren kaputt. "Normalerweise habe ich nichts mit Holz am Hut. Ich bin ein Metaller und mag Naturstein", sagt Kursawsky. Aber mit den Stühlen sind er und seine Frau Martina jetzt sehr zufrieden.

Urlaubserinnerungen in Deko verwandelt

Da dieses Jahr der Urlaub vermutlich schwierig wird, hat Waltraud einfach aus vergangenen Urlaubsmitbringseln einen Kranz gebastelt – nämlich aus Muscheln, die sie früher gesammelt hat. Ihre Freunde waren so begeistert von dem fertigen Werk, dass sie nach und nach fünf Tüten Strandgut bei ihr abgegeben haben. Waltraud konnte so also nicht nur mit ihrem Kranz eigene Urlaubserinnerungen auffrischen, sondern das auch für andere tun.

So langsam kehrt in der Corona-Krise eine neue Normalität ein – und wer weiß, vielleicht hat der ein oder andere in dieser Zeit ja ein Hobby neu für sich entdeckt.

So geht ein Bremer Baumarkt mit den Corona-Herausforderungen um

Video vom 19. Mai 2020
Zwei Mitarbeiter eines Baumarkts mit Nase-Mund-Schutz stehen nebeneinander und geben in einem Baumarkt ein Interview.

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Autorin

  • Lina Brunnée

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 20. Mai 2020, 19:30 Uhr