Infografik

Studie warnt vor Hausärztemangel in Bremerhaven und Delmenhorst

Hausarzt Holger Schelp sitzt am Bürotisch in seinem Sprechzimmer und telefoniert.
In weiten Teilen Niedersachsens wird es bis 2035 zu wenige Hausärzte geben (Archivbild). Bild: Radio Bremen
  • Weite Teile Niedersachsens bis 2035 von Hausärztemangel betroffen
  • Weniger Nachwuchsmediziner wollen sich als Hausärzte niederlassen
  • Studie plädiert für Aufbau von lokalen Gesundheitszentren

In Niedersachsen könnten in einigen Jahren laut einer Studie in vielen Regionen mehr Hausärzte fehlen. So soll die Hausarztdichte von 2019 bis 2035 im Landkreis Cuxhaven um 40 Prozent zurückgehen, im Kreis Diepholz um 39 Prozent, hieß es in einer Studie im Auftrag der Robert Bosch Stiftung. Unter den deutschen Großstädten sind in Bremen und Niedersachsen Bremerhaven mit einem Rückgang von 18 Prozent, Oldenburg mit einem Rückgang von 20 Prozent und Delmenhorst mit Minus 13 Prozent besonders betroffen. In der Stadt Bremen besteht das Problem der Studie zufolge nicht.

Bremerhaven im Vergleich stark betroffen

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Bundesweit fehlen dieser Prognose zufolge bis 2035 etwa 11.000 Hausärzte, rund 40 Prozent aller Landkreise dürften betroffen sein. "Im Extremfall müssen Patienten in unterversorgten Kreisen damit rechnen, in ihrem Umfeld keinen einzigen niedergelassenen Hausarzt zu haben", sagte Hans-Dieter Nolting, Geschäftsführer des IGES-Instituts, das die Studie vorgenommen hat.

Weniger Mediziner wollen sich als Hausarzt niederlassen

Die Studie geht von der Altersstruktur der derzeit praktizierenden Hausärzte aus sowie von der beruflichen Orientierung der nachwachsenden Ärztegeneration. Bis 2035 werden demzufolge deutschlandweit fast 30.000 Hausärzte aus dem Beruf ausscheiden. Es folgen aber nicht in gleicher Zahl Nachwuchsmediziner, weil sich weniger Ärzte als Hausarzt niederlassen wollen. Jüngere Ärztinnen und Ärzte bevorzugten zunehmend Angestelltenverhältnisse und Teilzeitmodelle.

Im Extremfall müssen Patienten in unterversorgten Kreisen damit rechnen, in ihrem Umfeld keinen einzigen niedergelassenen Hausarzt zu haben.

Hans-Dieter Nolting, Geschäftsführer des IGES-Instituts

Wegen der Alterung der Bevölkerung verändert sich den Experten zufolge auch der Bedarf an medizinischer Betreuung. Künftig gebe es mehr ältere Menschen mit chronischen und Mehrfacherkrankungen, die in vielen Fällen eine individuelle Unterstützung in allen Lebensbereichen brauchen. Es reiche daher nicht, nur die Zahl der Hausärzte zu erhöhen. Vielmehr müsse das Versorgungssystem rasch umgebaut werden. Sinnvoll sei der Aufbau von lokalen Gesundheitszentren, in denen Ärzte und Vertreter anderer Gesundheitsberufe ihre Patienten als Team behandeln.

Im Landkreis Osnabrück ist der Ärzte-Mangel am höchsten

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Die Robert-Bosch-Stiftung fördert sei 2017 patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung (PORT). Deutschlandweit könnte den Experten zufolge mit 1.000 solcher Zentren eine flächendeckende Erstversorgung möglich werden.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 27. Mai 2021, 8 Uhr