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Schätze in den Schubladen: Welche Werte in alten Handys schlummern

Sie stecken voller Schadstoffe, aber auch voller Gold, Silber und Kupfer: Handys. In Bremen werben Grüne und BUND für die Wiederverwertung der Geräte.

Video vom 27. Februar 2020
Zu sehen ist ein Stapel von mehreren alten Handys.

"Wahre Schätze" schlummerten in den Schubladen fast aller Bremer Haushalte, glaubt Katharina Müller vom BUND Landesverband Bremen. Damit meint sie alte, ausgediente Mobiltelefone. "Kaum jemand weiß, was alles drin steckt", sagt Müller – und zählt auf: Schwermetalle und Flammschutzmittel als wichtigste Schadstoffe, außerdem Rohstoffe wie Kupfer, Gold, Silber, Palladium, Lithium oder Kobalt – alles Stoffe, die sich wiedergewinnen ließen.

Blonde Frau, Anfang 30, steckt Handy in eine Sammelbox
Kümmert sich beim Bund Landesverband Bremen unter anderem um das Recycling von Handys: Katharina Müller.

Das aber geschehe viel zu selten, sagen nicht nur die Umweltschützer des BUNDs für Umwelt und Naturschutz, die bereits seit vielen Jahren alte Mobiltelefone für das Recycling sammeln. Auch die Bremer Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) bemängelt, dass mehr als die Hälfte alter Handys illegal exportiert beziehungsweise falsch oder gar nicht entsorgt werde. Aus diesem Grund beteiligt sie sich derzeit an einer Handy-Sammelaktion der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Bis Ende Februar können alte Handys und Smartphones in ihrem Wahlkreisbüro, Altenwall 25 abgegeben werden. "Mit der Sammelaktion wollen wir auch darauf aufmerksam machen, dass die Bundesregierung mehr tun muss, um kostbare Ressourcen zu schonen", teilt Kappert-Gonther dazu mit.

Tonnen wiederverwertbarer Edelmetalle in Bremer Handys

Olga Kasper, Projektmanagerin Kreislaufwirtschaft der DUH, geht von derzeit etwa 124 Millionen Handys und Smartphones aus, die bundesweit ungenutzt vor sich hinschlummern, darunter über eine Million (1.022.953) in Bremer und Bremerhavener Wohnungen.

Pro Einwohner rechnet man mit etwa 1,5 ausgedienten Handys in der Schublade.

Olga Kasper, Projektmanagerin Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe

Schätzungen der DUH zufolge enthalten diese Bremer Schubladenhandys zusammen 30,7 Kilogramm Gold, 312 kg Silber, 16,9 Tonnen Kupfer, 11,3 kg Palladium, 65,3 t Kunststoffe und 6,4 t Kobalt. Kasper spricht daher im Zusammenhang mit dem Handy-Recycling von einem "enorm wichtigen Thema für den Ressourcen- und Umweltschutz". Umso mehr, als sich die kostbaren Rohstoffe in modernen Recyclinganlagen zu 95 bis 98 Prozent zurückgewinnen ließen. So könnte man durch das Recycling aller 1.022.953 Bremer Schubladenhandys allein 29,2 kg Gold, 296,5 kg Silber und 16 t Kupfer wiedererlangen, hat Kasper ausgerechnet.

Gold, Silber und Kupfer in Bremer Schubladenhandys

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Quelle: Deutsche Umwelthilfe (DHU)

Handy-Spenden finanzieren Umweltprojekte

Wie der BUND Landesverband Bremen, so arbeitet auch die Umwelthilfe bei ihren Handy-Sammelaktionen mit der 2012 in Köln gegründeten "Mobilen Box" zusammen. Die Mobile Box stellt ihren Sammelpartnern Pappkartons zur Verfügung, die diese in ihren Büros, Filialen oder Geschäften aufstellen. Auf diese Weise können die Partner der Mobilen Box Handys samt Zubehör in der gleichen Weise sammeln, wie es viele Supermärkten beispielsweise mit alten Batterien längst vormachen. Ist ein Karton voll, schickt ihn der Sammelpartner zur Mobilen Box nach Köln zurück.

"Smartphones, die noch in Ordnung sind, verkaufen wir günstig weiter. Aber natürlich erst, nachdem wir alle Daten gelöscht haben", sagt Eric Schumacher, einer der Geschäftsführer der Mobilen Box. Die Verkaufserlöse teile er mit den Sammelpartnern. "Auf diese Weise wollen wir Umweltprojekte unterstützen", erklärt Schumacher den Grundgedanken. Der heute 27-Jährige hat die Mobile Box vor acht Jahren zusammen mit einem anderen Umweltschützer aus dem BUND Landesverband Köln gegründet. Nicht umsonst zählten viele BUND-Landesverbände zu den ersten der mittlerweile rund 1.500 Sammelpartner der Mobilen Box, so Schumacher.

Kartons mit alten Handys
Ab nach Köln: Diese Kartons schickt der Bund Bremen zurück zur Mobilen Box, auf dass der Inhalt wiederverwertet oder recycelt wird.

Der BUND Landesverband Bremen kooperiert seit 2017 bei seinen Handy-Sammelaktionen mit der Mobilen Box. Nicht ohne Stolz präsentiert Katharina Müller eine von Schumacher unterzeichnete Urkunde. Danach hat der Bund Bremen voriges Jahr 453 Altgeräte gesammelt. 415 davon wurden recycelt, 38 konnten weiterverkauft werden. Dafür hat der Bund Bremen 170 Euro von der Mobilen Box bekommen.

"Wir haben das Geld unserer Bund-Jugend gegeben", sagt Katharina Müller. Und die habe es in eine "alternative Kohltour" gesteckt. Da sage noch einer, dass sich die Jugend von heute allein für Smartphones interessiere.

Die Bremer und die Wiederverwertung

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Februar 2020, 19:30 Uhr