Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar fiebert mit Handball-WM-Team

"Kretsche", Deutschlands bekanntestes Handball-Idol, verrät im exklusiven Bremen Zwei-Interview, warum er mit dem aktuellen Trainer nicht tauschen will – und ihm doch viel zutraut.

Ein Mannschaftsfoto der Nationalmannschaft.

Wenn ab dem 10. Januar in Deutschland und Dänemark die Handball-Weltmeisterschaft stattfindet, will Stefan Kretzschmar möglichst bei allen Spielen vor Ort in der Halle sein, um das deutsche Team anzufeuern. Unter dem aktuellen Bundestrainer Christian Prokop zählt der deutsche Kader nicht gerade zum engen Favoritenkreis. Mit umstrittenen Personal- und Taktikentscheidungen hatte der junge Trainer das Team teilweise gegen sich aufgebracht. Kein Grund jetzt pessimistisch zu werden, sagt Ex-Profi-Handballer Stefan Kretzschmar.

So ein junger Trainer muss das auch mal erleben. Er ist jetzt mehr in die Kommunikation gegangen: Er hat sich nicht so sehr abgeschottet, sondern ist auf die Spieler zugegangen, hat die Meinungen der Vereinstrainer eingeholt. Das scheint zu funktionieren und deshalb bin ich da jetzt auch sehr optimistisch.

Stefan Kretzschmar

"Ich liebe diesen Sport über alles"

Für viele war "Kretzsche" jahrelang der beste Handball-Linksaußen der Welt. Mit zwölf Jahren stand seine Position auf dem Spielfeld fest: Da hatte Kretzschmar schon sechs Jahre lang aktiv Handball gespielt. Der Sohn zweier erfolgreicher DDR-Handballer ließ nur selten ein Training ausfallen. Ein Ehrgeiz, der ihn erfolgreich gemacht hat, aber zum Bruch mit seiner Mutter führte.

Stefan Kretzschmar
Ex-Handball-Profi Stefan Kretzschmar Bild: DPA | Georg Wendt

Zweimal wurde er Handballer des Jahres. Bekannt machten ihn auch seine wechselnden, grellen Haarfarben und die großflächigen Tätowierungen. 2007 hat er sich vom aktiven Leistungssport verabschiedet. Seine Liebe zum Handball ist bis heute ungebrochen.

Der Handball hat mir in meinem Leben viel gegeben und tut es noch immer. Ich liebe diesen Sport über alles. Ich bin froh, dass ich mich in ihm noch bewegen kann und noch ernst genommen werde.

Stefan Kretzschmar

Leider sei die Zeit als aktiver Handballer im D-Zug-Tempo vorbeigegangen. 1993 begann er seine Laufbahn als Nationalspieler. "Kretzsche" absolvierte insgesamt 218 Spiele und gewann zahlreiche Silbermedaillen mit der Nationalmannschaft. Seit seinem Karriereende ist der Ex-Nationalspieler Handballexperte für verschiedene Fernsehsender. Eine Zukunft als Trainer kann sich Kretzschmar nicht vorstellen.

Da müsste man Niederlagen akzeptieren und das kann ich nicht. Ich habe sowas immer persönlich genommen und hab dann teilweise mit meinen Mitspielern ein, zwei Tage lang nicht gesprochen. Das ist natürlich dann, wenn ich Trainer sein würde, völlig kontraproduktiv.

Stefan Kretzschmar

"Warum Handball der absolute Wahnsinn ist"

Im Dezember 2018 veröffentlichte Stefan Kretzschmar sein bereits zweites Buch "Hölleluja! Warum Handball der absolute Wahnsinn ist". Seine Zeit als aktiver Spieler sei himmlisch und nicht höllisch gewesen, sagt der gebürtige Leipziger. Bereuen tue er nichts. Auch wenn dem 45-jährigen Ex-Leistungssportler heute das rechte Knie und der Rücken Probleme bereiten.

Selbst mit dem Wissen der Schmerzen, die man heute hat und sicherlich Folgeschäden der Karriere sind, würde ich mich unbedingt wieder dafür entscheiden.

Stefan Kretzschmar

Stefan Kretzschmar im Interview:

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  • Jutta Günther

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 8. Januar 2019, 18:05 Uhr